Um Betrieb zu sichern

„Müssen neue Lösungen suchen“ - Nichtfachkräfte sollen Personalmangel in Stuttgarter Kitas auffangen

Eine Frau liest einem Kind ein Buch vor
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Die Ausnahmereglung, auch Nichtfachkräfte in Kitas einzusetzen zu verlängern, wäre eine Lösung, um dem Personalmangel entgegenzuwirken.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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In Stuttgarter Kitas gibt es einen großen Mangel an ausgebildetem Personal. Um den Betrieb zu sichern, sollen vermehrt Nichtfachkräfte eingesetzt werden.

Stuttgart - Erst vor kurzem hat das Kita-Personal in vielen Landkreisen in Baden-Württemberg gestreikt und bessere Arbeitsbedingungen, Maßnahmen gegen Fachkräftemangel und eine höhere Eingruppierung vieler Mitarbeiter gefordert. In Baden-Württemberg seien nach Angaben der Arbeitgeber rund 50.000 Beschäftige im Sozial- und Erziehungsdienst betroffen.

Vor allem der Mangel an Personal setzt den Kita-Einrichtungen zu. Der Bedarf an Betreuungsplätzen ist aufgrund dessen seit mehreren Jahren nicht zu decken. „Wir werden auch mit tollen Angeboten die Menschen und den Nachwuchs mindestens die nächsten zehn Jahre nicht finden, um Bedarfe und Rechtsansprüche befriedigen zu können“, alarmierte Martin Agster, Personalrat des Stuttgarter Jugendamts, gegenüber der Stuttgarter Zeitung.

Einsatz von Nichtfachkräften in Kitas als Lösung zur Entlastung

Martin Agster fordert, man müsse in Stuttgart „neue Lösungen suchen, damit unsere Kolleginnen und Kollegen entlastet werden und gesund bis zur Rente arbeiten“ können. Eine solche Lösung wäre die Verlängerung der Ausnahmeregelung, Nichtfachkräfte zur Unterstützung in den Kitas einzusetzen. Zurzeit sei dieser Einsatz erlaubt und habe tatsächlich Wirkung gezeigt und geholfen, berichtet die Leiterin der Abteilung Kita/Schulkind des Stuttgarter Jugendamts, Beate Streicher-Kieltsch. Der Kitabetrieb konnte durch die Nichtfachkräfte verlässlicher aufrechterhalten werden.

Aufgrund der Corona-Pandemie hat das Kultusministerium zugelassen, dass der Personalschlüssel mit maximal 20 Prozent Nichtfachkräften aufgefüllt werden darf. Erfreulich sei auch, dass man durch diese Maßnahme gleichzeitig neue Auszubildende gewonnen habe. „Wir haben seit Corona 40 dieser Nichtfachkräfte in Ausbildung übernommen“, erzählt Martin Agster. Seit Dezember 2021 sucht beim Kultusministerium darüber hinaus ein Arbeitskreis aus verschiedenen Fachleuten nach weiteren Strategien, wie mehr Kita-Personal gewonnen werden kann, berichtet die Stuttgarter Zeitung.

Kultusministerium denkt über Trennung in Fach- und Nichtfachkräfte nach

Der Arbeitskreis denkt unter anderem über eine Trennung von Bildungs- und Betreuungszeiten nach: Hierbei würden Fachkräfte für die Bildungsprozesse und Nichtfachkräfte lediglich für die Betreuung und Beaufsichtigung eingesetzt werden. Den Vorschlag lehnt jedoch das Jugendamt in Stuttgart ab. Beate Streicher-Kieltsch argumentierte, dass Bildung bei den Kindern auch im freien Spiel und in der Erfahrung mit anderen Kindern stattfinde. Man könne deshalb nicht in zeitlich getaktete Zuständigkeiten für Fach- und Nichtfachkräfte unterteilen.

Auf Facebook zeigen sich die Menschen generell von der Idee, auch Nichtfachkräfte einzusetzen, eher wenig begeistert. „Ist euch Eltern wirklich egal, wer eure Kinder betreut?“, fragt eine Nutzerin. Die Stadt Stuttgart wolle damit nur eine Billiglösung fahren, statt sich mit den Problemen der Branche auseinanderzusetzen, heißt es außerdem in den Kommentaren. „Bezahlt die Leute vernünftig, dann wäre der Fachkräftemangel auch nicht so enorm“, schreibt ein User.

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