Schwere Vorwürfe

„Kind in Kinderwagen geworfen“: Erzieherin meldet Misshandlung in Stuttgarter Kita - und wird gekündigt

Ein Betreuerin läuft mit mehreren Kleinkindern über einen Bürgersteig.
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Eine Erzieherin in Stuttgart versteht die Welt nicht mehr (Symbolbild).
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Weil sie eine Kollegin gemeldet hatte, die ein Kind rabiat behandelt haben soll, wurde einer Erzieherin in Stuttgart gekündigt. Jetzt klagt sie vor Gericht.

Stuttgart - Nicht immer verhalten sich Pädagogen gegenüber Kindern so, wie sie sollten. Wer beobachtet, dass ein Kollege gegenüber einem Kind grob wird, sollte das dringend melden. Die Aussage einer Erzieherin aus Stuttgart, die sagt, ihre Kollegin habe ein Kind schlecht behandelt, wurde ihr nun zum Verhängnis.

Weil das Kind nicht getan hatte, was die Kollegin wollte, habe diese es „in einen Kinderwagen geworfen“, sagte die Erzieherin gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Als das Kind sich wieder aufrichten wollte, hätte die Kollegin es in den Wagen zurückgedrückt. Da sie das Kindeswohl gefährdet sah, habe sie das Gespräch mit der Leitung der Kita gesucht. Was dann folgte, hat sie sich bestimmt nicht so vorgestellt: Anstatt der Kollegin geriet sie selbst ins Visier - und wurde fristlos gekündigt. Nun wehrt sie sich vor Gericht.

Stuttgarter Kita: Gewalt gegen Kinder soll es bereits vorher gegeben haben

Laut der Stuttgarter Zeitung dementierte der Arbeitgeber die Vorwürfe. So hätten die Beschuldigte sowie eine Zeugin den geschilderten Vorgängen widersprochen. Es wäre jedoch nicht das erste Mal, dass ein Erzieher in der besagten Kita die Fassung verliert. So sagte der Rechtsanwalt der Gekündigten, dass im vergangenen Sommer bereits ein anderer Erzieher ein Kind geschlagen hätte - mit der Begründung: „Die haben mich halt genervt, die Kinder“. Daraufhin habe ihn die Kita-Leitung aber nur in eine andere Gruppe versetzt. Es habe bereits Eltern gegeben, die ihre Kinder deshalb abgemeldet haben, so der Anwalt.

Was den Anwalt am Vorgehen der Kita besonders störte: Die Kita-Leitung tat nichts gegen die Vorwürfe. Anstatt das Jugendamt oder den Kommunalverband für Jugend und Soziales in Baden-Württemberg (KVJS) zu informieren, entließen sie die Frau, die den Vorwurf beobachtet haben will. Problematisch für die Entlassene: Wegen der Sperrfrist, die ihr mit der Kündigung auferlegt wurde, erhält sie aktuell kein Arbeitslosengeld.

Erzieherin klagt vor Gericht - Kita coacht jetzt ihre Mitarbeiter

Die Kita wollte laut des Berichts der Stuttgarter Zeitung einen Vergleich anstoßen. Den lehnten die Erzieherin und ihr Anwalt jedoch ab. Auch bot die Kita an, die Erzieherin nach einer Freistellung bis Oktober wieder einzustellen, also die Kündigung zurückzunehmen. Ihre Freistellung wollte die Frau aber nicht akzeptieren. Der nächste Gerichtstermin steht im Januar an, eine Einigung wird es vorher wohl nicht geben. Offenbar ist die Kita immerhin im Bereich Prävention tätig geworden und spricht von Coachings ihrer Mitarbeiter im eigenen Haus, die eine Fachberatung aktuell durchführe.

Fälle von Gewalt gegen wehrlose Kinder gibt es in Kitas und Kindergärten leider immer wieder. Umso wichtiger ist es, solche Beobachtungen zur Sprache zu bringen - nur dann können Konsequenzen folgen. Erst kürzlich ohrfeigte eine Erzieherin in einem Waldorf-Kindergarten in Balingen ein Kind. Nach Gesprächen mit Zeugen wurde ihr dann gekündigt.

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