Umstrittenes Modell

Öffnungsdebatte: „Kita-Ampel“ auch in BW? Kultusministerin Eisenmann ist dafür

Kinder rennen in einer Kindertagesstätte einen Gang entlang.
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Baden-Württemberg plant für die Öffnungen von Kitas und Schulen nach dem 21. Februar.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) unterstützt die Idee einer „Kita Ampel“ für Wiederöffnungen nach dem Corona-Lockdown.

Stuttgart - Bis Mitte Februar läuft offiziell der Lockdown wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg nach aktuellem Plan noch. Aber wie geht es danach weiter? Eltern wollen vor allem wissen, was an Kitas und Schulen passiert. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) schlug kürzlich ein Ampel-Modell für die Wiederöffnung vor. Dieses orientiert sich an der Anzahl der infizierten Personen in einer Einrichtung und legt fest, in welchem Fall Kitas wieder öffnen dürfen. Während aus einigen Bundesländern skeptische Reaktionen kamen, begrüßt die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) das Konzept der „Kita-Ampel“.

Ausschlaggebend für die Kita-Ampel sollen drei Kriterien sein: die Anzahl der infizierten Personen, die Anzahl der Kinder in Quarantäne und die Anzahl der Erzieher in Quarantäne. Das Konzept von Familienministerin Franziska Giffey sieht folgende Szenarien vor:

AmpelphaseSzenario
Grün (Regelbetrieb)Niemand ist infiziert und weniger als zehn Prozent der Kinder und des Personals sind in Quarantäne
Gelb (eingeschränkter Regelbetrieb)Eine Person ist infiziert und eine Kindergartengruppe oder maximal 25 Prozent des Personals sind in Quarantäne
Rot ( Schließung der Kita, Notbetreuung)Zwei Personen sind infiziert und mehr als 25 Prozent des Personals oder mehr als eine Kindergruppe sind in Quarantäne

Nicht gelten solle die Kita-Ampel in Gebieten mit mehr als 200 Neuinfektionen binnen einer Woche pro 100.000 Einwohner oder wenn sich Corona-Mutationen in Baden-Württemberg aggressiv ausbreiten.

Kita-Öffnungen: Winfried Kretschmann ruderte zurück - Ampelmodell als „Öffnungsperspektive geben“

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte bislang für eine Öffnung von Kitas und Grundschulen am 1. Februar plädiert. Nach dem Ausbruch von Corona-Mutationen in einer Freiburger Kita räumte Kretschmann jedoch ein, dass seine Pläne verfrüht waren. „Damit müssen wir feststellen, die Mutanten stehen nicht mehr nur vor der Tür. Sie sind bereits da“, sagte er in einer Pressemitteilung. Jede Diskussion um bevorstehende Lockerungen sei damit erstmal „gegenstandslos“ geworden. Die Konsequenz: In Baden-Württemberg bleiben Schulen und Kitas bis zum 21. Februar geschlossen.

Nach Mitte Februar müsse es eine „echte Öffnungsperspektive bei Kitas und Schulen geben“, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey nun in einem Interview mit der Bild-Zeitung. Mit der Kita-Ampel „könnten wir einen Großteil der Kitas wieder öffnen und gleichzeitig sehr verantwortungsvoll und gezielt anhand des Infektionsgeschehens in den einzelnen Kitas reagieren“.

Während Winfried Kretschmann eher einen Rückzieher in Sachen Schul- und Kita-Öffnung macht, ist Kultusministerin Susanne Eisenmann von dem Konzept einer „Kita-Ampel“ grundsätzlich angetan. „Die Wiedereröffnung von Kindertageseinrichtungen, Einrichtungen der Kindertagespflege sowie Grundschulen hat höchste Priorität für uns“, sagte eine Eisenmann-Sprecherin laut der Deutschen Presseagentur (dpa). Daher sei es gut, dass Familienministerin Franziska Giffey einen „Diskussionsbeitrag“ in diese Richtung eingebracht habe. Eisenmann wirbt seit Wochen dafür, Kitas und Grundschulen müssten bei Lockerungen des Lockdowns einen Sonderstatus erhalten.

„Kita-Ampel“: Susanne Eisenmann findet die Idee gut - unter einer Bedingung

Weil Kultusministerin Eisenmann schon im Januar auf Schulöffnungen beharrte, war sie immer wieder in die Kritik geraten. Im Hinblick auf das Ampelkonzept äußert sie sich überraschend diplomatisch: So stimmte sie der Kita-Ampel zu, merkte jedoch an, dass diese auch in der Praxis gut umsetzbar sein müssten. Die Länder müssten Franziska Giffeys Vorschlag für den Kita-Betrieb in Corona-Zeiten nun vor der Ministerpräsidentenkonferenz in der kommenden Woche diskutieren, erklärte Eisenmanns Sprecherin.

Die Jugend- und Familienminister von Bund und Ländern hatten laut dpa am Montag über Giffeys Vorschläge beraten, ohne jedoch einen Beschluss zu fassen. Vonseiten der Länder hagelte es umgehend Kritik, da nicht klar sei, wer die Einstufungen vornehmen solle. Andere monierten, Giffeys Vorstoß sei praxisfern. Eine solche Vorgabe werde dem unterschiedlichen Infektionsgeschehen und der vielfältigen Kita-Landschaft in Deutschland nicht gerecht.

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