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„Es tut weh“: Stadt Stuttgart verbietet Katzen im Katzencafé

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Von: Sina Alonso Garcia

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Happy Cats Café & Trattoria
Szenen, die ab jetzt der Vergangenheit angehören: Im Happy Cats Café sind die Namensgeber des Cafés nun untersagt. © Happy Cats Café & Trattoria/Sina Alonso Garcia/BW24 (Fotomontage BW24)

Es hat sich schon länger abgezeichnet, nun ist es für die Betreiber des Katzencafés im Stuttgarter Westen bittere Realität: Das Veterinäramt verbannt die Katzen aus dem Café und lässt die Inhaber traurig zurück.

Stuttgart - Als das erste Stuttgarter Katzencafé Ende 2021 eröffnete, war Inhaber Daniel Di Stefano noch voller Tatendrang. Das Café in der Arndtstraße im Stuttgarter Westen sollte etwas ganz Besonderes werden – ein Ort, an dem sich Tiere und Menschen wohlfühlen. Bei Bubble Tea, Kuchen, Kaffee oder Flammkuchen konnten Besucher eine angenehme Zeit verbringen und die flauschigen Fellnasen streicheln. Vor der Eröffnung stellten Di Stefano und seine Frau auf ihrer Website zwölf pelzige Familienmitglieder vor. Von diesen verweilten zuletzt allerdings aufgrund der strengen Hygieneauflagen nur zwei im Café, wie ein Besuch von BW24 im „Happy Cats“ zeigte.

Nun mussten auch Blue – eine Mischung aus Maine-Coon- und Perserkatze – sowie Siamkater Spooky aus dem Katzencafé weichen. „Mit Bedauern müssen wir euch mitteilen, dass uns aufgrund behördlicher Vorgaben des Veterinäramtes Stuttgart die Genehmigung, Katzen im Café zu halten, bis auf Weiteres entzogen wurde“, schreiben die Betreiber auf ihrer Website. Von Beginn an habe man versucht, gegen die „überharten“ Vorschriften vorzugehen, um mehr als zwei Katzen im Café zu haben. Mehrmals habe man deshalb gegen die „teils sehr kleinlichen Regeln“ verstoßen.

„Happy Cats“ Katzencafé muss ohne Fellnasen auskommen: Veterinäramt nennt Gründe

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, hätten Di Stefano und seine Frau die Anzahl der Katzen eigenmächtig auf vier und einmal auf sechs Stück erhöht. Dabei hätten sie allerdings nur das Wohl der Tiere im Sinn gehabt. Laut der Café-Inhaber hätte die Gemeinschaft mit anderen Katzen das Wohlbefinden der „Betriebskatzen“ stärken können. „Es tut weh, nun im Café zu stehen, ohne dass einem die Fellnasen entgegen kommen zum Kuscheln“, sagt Daniel Di Stefano.

Die Besitzer planen, Einspruch gegen den ordnungsrechtlichen Bescheid einzulegen. Für das Stuttgarter Veterinäramt gestaltet sich die Sachlage hingegen klar. Maßgeblich für den Entzug der Genehmigung sei „die mangelnde Zuverlässigkeit der verantwortlichen Person, sich an die abgestimmten und erteilten Auflagen zu halten“. Die Stadt habe die Inhaber mehrfach darüber aufgeklärt und beraten, wie das Katzencafé zu betreiben sei, und die Auflagen mit ihnen abgestimmt. Ein Amtstierarzt habe erklärt, dass die Räumlichkeiten nur für die Haltung von „maximal zwei untereinander verträglichen und ausgeprägt menschenbezogenen Katzen“ geeignet sei.

Katzencafé in Stuttgart fällt bei Veterinäramt in Ungnade – wegen „mangelhafter“ Hygiene

Wie das Veterinäramt gegenüber der Stuttgarter Zeitung berichtet, seien bei sechs Kontrollen mehr als die zwei genehmigten Katzen durch das Café gestreunt. Negativ aufgefallen sei außerdem, dass die Tiere sich Trink- und Futternäpfe sowie eine Toilette teilten. Auch die tägliche Reinigung der Näpfe und des Katzen-WCs befand das Amt als mangelhaft. Hinzu komme, dass die Betreiber sich nicht an die Vorschrift gehalten hätten, keine Katzen mit Qualzuchtmerkmalen und keine Wildkatzenhybride im Café zu halten. Perserkatzen, exotische Kurzhaarkatzen oder weiße Katzen seien etwa verboten.

Auch nach schriftlicher Aufforderung hätten die Di Stefanos sich nicht an die Regeln gehalten, heißt es vom Veterinäramt. Der Betreiber sieht das allerdings ganz anders. Die Katzen seien es gewohnt, ihr Futter zu teilen und seien insgesamt sehr entspannt. Dadurch, dass er ab und zu mehr als die zwei erlaubten Katzen im Café laufen hat lassen, habe er die anderen Tiere nur entlastet. „Wir finden es nicht gerecht, zwei Katzen die ganze Arbeit erledigen zu lassen“, sagt er. Sein Anliegen sei einfach nur, den Menschen, die keine Haustiere halten können, die Katzen und ihre verschiedenen Rassen nahezubringen.

Katzencafé in Stuttgart: Inhaber am Boden zerstört – „es war unser Traum“

Besonders bitter für den „Happy Cats“-Inhaber: In Stuttgart sind die Regeln vergleichsweise streng. Im Münchner Katzentempel seien sechs Fellnasen im Einsatz, in Leipzig sogar acht – und das bei deutlich weniger Mindestquadratmeter pro Tier. „Es tut uns Leid für alle Gäste, die gerne zu uns gekommen sind“, schreiben die Di Stefanos auf ihrer Website. „Es war unser Traum, mit unseren Katzen zusammen im Café für besondere Momente der Ruhe und Gelassenheit für alle zu sorgen.“

Zwar wird das Café nun weiter ohne die beliebten Vierbeiner betrieben, dort weitermachen wollen Daniel und Miya Di Stefano aber nicht. „Solltet ihr ein Plätzchen oder jemand kennen, der ein Café, Restaurant oder eine gewerbliches Immobilie besitzt und diese vermieten will - aber natürlich nicht in Stuttgart - gebt uns bitte per Mail Bescheid“, schreiben sie auf ihrer Website (Kontakt: daniel@happycatscafe.de).

Stuttgarter Katzencafé will umsiedeln – Fans sind wütend: „Das ist nicht zu fassen“

Fans und Stammbesucher des Happy Cats Cafés zeigen sich in den sozialen Netzwerken betroffen. „Ich könnte einen Roman schreiben, worum sich unsere Ämter im Stuttgart eher kümmern sollten“, ärgert sich ein Follower auf Facebook. „Warum funktionieren die Behörden immer da 110-prozentig, wo es vielleicht nicht nötig ist? Ist halt wieder ein Gewerbebetrieb weniger, der Arbeitsplätze schafft und Steuern zahlt.“ Auch andere Katzenfans bekunden ihr Mitleid. „Das ist nicht zu fassen“, „warum wird es erst erlaubt und dann verboten?“, „das kann doch nicht deren Ernst sein“, heißt es in den Kommentaren. Trotz allem wünschen die Fans ihrem geliebten Café Glück bei der Suche nach einem Standort. Fürs Erste wird es in Stuttgart also nur ein verwaistes und bald vielleicht gar kein Katzencafé mehr geben.

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