„Anreiz für mehr Impfungen“

Kassenärzte fordern, Geimpfte von Maskenpflicht zu befreien

Besucherinnen gehen durch die Regent Street und tragen Einkaufstüten.
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Die Maskenpflicht soll nach Ansicht der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz für Geimpfte fallen.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Für vollständig Geimpfte soll die Maskenpflicht fallen, fordert die Kassenärztliche Vereinigung in Rheinland-Pfalz. In Baden-Württemberg gibt man sich zurückhaltend.

Stuttgart - Die Impfkampagne gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg hat in den letzten Wochen an Tempo zugelegt. Im Zuge dessen wurden Anfang Mai bereits umfassende Freiheiten und Lockerungen für Geimpfte beschlossen. So gelten etwa Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen für vollständig Geimpfte nicht mehr. Auch die Quarantäne nach Kontakt mit Infizierten oder nach einer Reise fällt weg.

Nun gibt es erneut Forderungen nach mehr Freiheiten. Nach Ansicht der Kassenärztlichen Vereinigung in Rheinland-Pfalz sollen vollständig Geimpfte von der Maskenpflicht befreit werden. Dies könne als Anreiz dienen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. „Es muss mehr Anreize zum Impfen geben. Es ergibt sachlich keinen Sinn mehr, als zweifach Geimpfter eine Maske zu tragen“, sagte KV-Chef Peter Heinz der Rhein-Zeitung. Aus Gründen der Solidarität gegenüber Nicht-Geimpften werde die Chance vertan, „über die 55 Prozent bis 60 Prozent Impfquote hinauszukommen“, so Heinz weiter. Ein vollständig Geimpfter solle demnach alle Freiheiten erhalten, die er vor Ausbruch der Corona-Pandemie gehabt habe.

Massive Werbung für Corona-Impfungen gefordert - mit Wegfall von Maskenpflicht

Derzeit ist die Nachfrage nach Impfungen in Rheinland-Pfalz als auch in Baden-Württemberg groß. In beiden Ländern herrscht derzeit dieselbe Situation: Der Mangel an Corona-Impfstoff macht so gut wie keine Erstimpfungen möglich. Das baden-württembergische Sozialministerium hatte das Fehlen von Impfdosen zuletzt heftig kritisiert.

KV-Chef Peter Heinz rechnet damit, dass es im Juni ein Drittel mehr an Impfstoff gibt. Allerdings geht er auch davon aus, dass es dann mit einem „abnehmenden Interesse“ in der Bevölkerung zusammenfallen könne. „Ich befürchte, dass wir dann bei einer Erstimpfquote von 55 Prozent erst einmal stecken bleiben werden“, so Heinz. Daher müsse massiv für das Impfen - etwa mit dem Wegfall der Maskenpflicht für Geimpfte - geworben werden.

Ministerium in Baden-Württemberg hält sich bei Maskenpflicht zurück

Die Kassenärztliche Vereinigung in Baden-Württemberg hält sich auf Anfrage von BW24 dagegen mit einer Beurteilung des Vorstoßes der KV aus dem Nachbarbundesland zurück. Man sei derzeit nur auf die Impfkampagne konzentriert, sagt ein Pressesprecher. Alles, was darüber hinaus gehe und etwa Freiheiten für Geimpfte betreffe, sei nicht Sache der KV, sondern der Politik.

Aber auch das baden-württembergische Gesundheitsministerium hält sich auf Anfrage zurück. „Wir haben die Debatte aus Rheinland-Pfalz zur Kenntnis genommen“, heißt es. In dieser Frage würden sich der Bund und die Länder zu gegebener Zeit in den dafür vorhandenen Gremien abstimmen, „sodass möglichst bundeseinheitliche Lösungen bei dieser Frage gefunden“ werden können, heißt es.

In den USA gilt die Maskenpflicht in vielen Bereichen bereits nicht mehr

In den USA beispielsweise ist die Maskenpflicht für Geimpfte in den meisten Situationen nicht mehr gegeben. Auch ein Sicherheitsabstand muss nicht mehr eingehalten werden. Wer in den Vereinigten Staaten als komplett geimpft gilt, kann ohne Maske an Kulturveranstaltungen teilnehmen, zum Friseur gehen und an Gottesdiensten teilnehmen. Nur in manchen Bereichen - etwa im öffentlichen Nahverkehr - gilt die Maskenpflicht.

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