Berüchtigtes Jobforum

Jobabbau bei Daimler mit eiskalten Methoden - „Mensch, könnte ich die Tausend einfach rausschmeißen!“

Ein Daimler-Mitarbeiter geht auf dem Werksgelände
+
Der Jobabbau bei Daimler sehen sich Mitarbeiter mit rüden Methoden konfrontiert.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
    schließen

Bei der Daimler AG geht der Personalabbau weiter. Der Tonfall gegenüber den Beschäftigten verschärft sich. Selbst langjährige Führungskräfte werden gnadenlos ausgesiebt.

Stuttgart - Augenscheinlich geht es der Daimler AG blendend. Die ersten Quartalszahlen, die der Autobauer zuletzt vorlegte, konnten sich sehen lassen. Allein in drei Monaten machte Daimler 4,4 Milliarden Euro Gewinn, vor allem Dank des Booms in China.

Auch das Geschäft mit den E-Autos läuft, die Verkaufszahlen der EQ-Reihe steigen. Und seit der Bekanntgabe, dass sich der Konzern an der Börse in eine Pkw- und Lkw-Sparte abspaltet, ist auch der Aktienkurs auf einem Höhenflug.

Alles gut also beim Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart? Nach außen hin vielleicht, innen aber brodelt es. In der Belegschaft herrscht seit Monaten schlechte Stimmung. Die Sparmaßnahmen im Personalbereich gehen ungeachtet des wirtschaftlichen Erfolgs weiter, sie lassen die Daimler-Mitarbeiter verzweifeln.

Daimler AG: Sollen Mitarbeiter zum „Bore-out“ getrieben werden?

Von einem „Albtraum“ ist die Rede, gerade in Bezug auf das sogenannte Jobforum, mit dessen Hilfe die Mitarbeiter, die eine Abfindung nicht annehmen wollen, innerhalb des Konzerns mit neuen Aufgaben vertraut gemacht werden.

Offiziell wird der Bereich „Project & Expertise“ genannt. Intern spricht man auch von der „Resterampe“. Mitarbeiter würden hier mit stupider Arbeit beschäftigt und zum „Bore-out“ getrieben, um sie früher oder später kostengünstig loszuwerden, weil sie die Lust verlieren. Tausende - vom Produktionsmitarbeiter bis hoch zum Abteilungsleiter - haben das System bereits durchlaufen müssen.

Dass dabei auch der Tonfall selbst gegen langjährige Führungskräfte rauer und rücksichtsloser geworden zu sein scheint, soll sich bei einer Betriebsversammlung der Daimler Truck AG im Dezember 2020 gezeigt haben. Wie das Manager Magazin berichtet, soll Personalvorstand Jürgen Hartwig dabei vor 400 Führungskräften mit einer fragwürdigen Aussage schockiert haben.

Natürlich träume er manchmal: „Mensch, könnte ich die Tausend einfach rausschmeißen!“, soll Hartwig gesagt haben, um kurz darauf diese Idee wieder einzufangen. Rauswerfen - das ginge ja rechtlich gar nicht, und passe womöglich auch nicht zur Kultur bei Daimler. Stattdessen habe er den Kollegen aufgezeigt, wie das mit dem Jobforum künftig funktionieren soll.

Daimler AG: 20.000 bis 30.000 Jobs stehen auf der Kippe

Ob die Aussage tatsächlich so von Jürgen Hartwig getroffen wurde, ist nicht klar. Berichtet wurde es so von mehreren Teilnehmern der Sitzung. Die Unternehmenskommunikation selbst erklärt gegenüber dem Manager Magazin: „Äußerungen aus einer internen Veranstaltung, die digital stattgefunden hat, können wir nicht bestätigen“ - womit die Aussage allerdings auch nicht bestritten wird.

Dass bei Daimler ein massiver Abbau von Arbeitsplätzen droht, ist schon länger bekannt. Die Rede ist von 20.000, gar von 30.000 Jobs, die auf der Kippe stehen. Viele Beschäftigte fallen dem grünen Wandel zu mehr E-Mobilität zum Opfer - dem Transformationsprozess, wie es in der Industrie heißt. Im Gespräch mit der Financial Times machte Daimler-Chef Ola Källenius erst zuletzt deutlich, dass es wichtiger sei die CO2-Ziele einzuhalten, als Jobs zu erhalten.

Daimler AG: Mitarbeiter kritisieren den Stil als „menschenverachtend“

Dabei ist für viele Mitarbeiter im Management der Stellenabbau angesichts der anstehenden Veränderungen in Sachen Mobilität durchaus nachvollziehbar. Das sei nicht das größte Problem. Es sei der Stil, den das Personalteam rund um Vorstand Wilfried Porth an den Tag legten. Er sei „menschenverachtend“, sagt ein Mitarbeiter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare