Partei in der Kritik

Böhmermann ätzt gegen Kretschmann - „Was kümmert einen Grünen die Menschenwürde?“

Böhmermann und Kretschmann
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Satiriker Jan Böhmermann bezweifelt, dass Winfried Kretschmann immer nach den Grundsätzen seiner Partei handelt.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann gilt als Freund der Wirtschaft. Handelt er gegen die Ideale seiner Partei? Jan Böhmermann findet: Ja.

Köln/Stuttgart -Als grüner Ministerpräsident im wirtschaftsstarken Baden-Württemberg hat Winfried Kretschmann es geschafft, auch konservative Wähler zu überzeugen. Vor seiner Wahl zum Ministerpräsidenten 2011 hatte es im Südwesten jahrzehntelang nur CDU-geführte Landesregierungen gegeben. In Umfragen zu den beliebtesten Politikern in Deutschland landete Kretschmann erst 2021 beim ZDF-Polit-Barometer wieder ganz vorne - direkt hinter Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Der grüne Landesvater gilt als pragmatisch, bodenständig und kompromissbereit. Dabei eckt er jedoch an der eigenen Basis wiederholt an. Seine Aussagen sind vielen Grünen zu wirtschaftsfreundlich. Verrät Kretschmann die Ideale der Partei? Satiriker Jan Böhmermann meint: Ja.

„Egal zu welchem Thema - Deutschlands erster und einziger grüner Ministerpräsident weiß vor lauter Kompromissen gar nicht mehr, wofür und wogegen er eigentlich ist“, stänkert Böhmermann in der aktuellen Ausgabe des ZDF Magazin Royale. Kretschmanns Bereitschaft zum Kuschelkurs mit der Wirtschaft in Baden-Württemberg sowie seine teilweise konservativen Ansichten kollidieren mit den Grundsätzen seiner Partei, findet Böhmermann. Die Kompromissbereitschaft Kretschmanns zugunsten heimischer Autobauern wie Daimler, Kompromisse im Länderfinanzausgleich sowie seine Einstellung zum Thema Abtreibung sind laut Böhmermann ein „Verrat an den eigenen Idealen“.

Böhmermann über Kretschmann: „Was kümmert einen grünen Christen die Menschenwürde?“

Auch beim Thema Asylpolitik bekommt Kretschmann sein Fett weg. Wie Böhmermann erklärt, hätten die Grünen in Baden-Württemberg dafür gestimmt, dass „Flüchtlinge noch weniger Geld bekommen als sie es ohnehin schon kriegen“. So wurde das Asylbewerberleistungsgesetz dahingehend verschärft, dass Asylbewerber nur noch 330 Euro monatlich bekommen. Laut dem Sozialgericht in Düsseldorf liege der Betrag jedoch unter dem Existenzminimum und sei verfassungswidrig. „Aber was kümmert einen grünen Christen die Menschenwürde?“, frotzelt Böhmermann.

„Aber wenigstens hat der grüne St. Winfried keine rassistischen Vorurteile gegenüber Menschen aus Nordafrika verbreitet“, so Böhmermann. „Oder etwa doch?“ Auf dem Monitor hinter Böhmermann erscheint ein Zitat Kretschmanns, in dem er mit einer Bemerkung zu Gewalttaten junger Männer zitiert wird: „Die kriminelle Energie, die von Gruppierungen junger Männer aus diesen Staaten ausgeht, ist bedenklich und muss mit aller Konsequenz bekämpft werden.“ Böhmermanns Kommentar dazu: „Das ist kein Rassismus, das ist Schwäbisch, das verstehen wir Norddeutschen nicht. Das ist keine grenzenlos dumme Stammtischparole, sondern Ausdruck grenzenloser grüner Kompromissbereitschaft.“

Kretschmann „kümmert sich nicht um Pussy-Kram“ und fährt S-Klasse

„Seit zehn Jahren regiert ein Grüner in Baden-Württemberg. Und dass das so lange gut gegangen ist, das liegt vor allem daran, dass er sich nicht um Klimakatastrophe oder soziale Ungleichheit oder anderen Pussy-Kram kümmert, sondern um wichtige Dinge“, resümiert Böhmermann. Um diese Aussage zu untermauern, blendet das ZDF Magazin Royale ein Video Kretschmanns von einem politischen Aschermittwoch vor ein paar Jahren ein, an dem er in schwäbischem Dialekt sagte: „I fahr a Daimler S-Klasse. I kann doch koin Fiat fahre. Dr Minischterpräsident von Baden-Württemberg fährt an Daimler - baschta!“ Böhmermann meint: „Baschta ist schwäbisch für ‚How dare you‘ und da kann sich Fuck-You-Greta in ihrem Elektro-Fiat noch so laut aufregen. In ‚Se Länd‘ muss es eben laut sein und qualmen.“

Auch, dass die Grünen in Baden-Württemberg von Südwestmetall eine Spende von über 100.000 Euro bekommen haben, hat für Böhmermann ein „Geschmäckle“. Denn zu dem Arbeitgeberverband gehören gleich eine ganze Reihe von Rüstungsfirmen - zum Beispiel Heckler & Koch, Diehl Defence oder MTU. „Die Waffenindustrie spendet an die pazifistische, grüne Friedenspartei“, folgert Böhmermann.

Böhmermann unterstellt Grünen „grenzenlose Kompromissbereitschaft“

Neben Kretschmann widmet sich Böhmermann in seiner aktuellen Ausgabe des ZDF Magazin Royale jedoch nicht nur dem grünen Landesvater aus Baden-Württemberg. Auch Kretschmanns Parteikollegen auf Bundesebene sowie andere Landesvertreter bekommen hier eine satirische Abreibung. „Seit 2005 haben die Grünen in vierzehn von sechzehn Bundesländern regiert“, so Böhmermann. Dies rühre von ihrer „grenzenlosen Kompromissbereitschaft“ her. „Rot-Rot-Grün, Rot-Grün-Rot, Rot-Grün, Jamaika, Kenia, Schwarz-Grün, Grün-Schwarz oder Ampel - die Grünen können mit allen regieren“, so Böhmermann. Sein Fazit: „Die Grünen verraten für die Macht Ideale, aber wenigstens haben sie noch Ideale, die sie verraten können.“

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