Unfug getrieben

Böhmermann trickst Luca-App aus: Kritik aus Baden-Württemberg - „nicht Sinn der Sache“

TV-Satiriker Jan Böhmermann sitzt in der Studio-Kulisse von "Neo Magazin Royale" .
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Jan Böhmermann hat die Luca-App ausgetrickst.
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
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So schnell wie möglich einen Weg aus dem Chaos rund um das Coronavirus in Baden-Württemberg zu finden - das soll mithilfe der Luca-App gelingen. Satiriker Jan Böhmermann zeigte, dass die Anwendung ihre Tücken hat.

Stuttgart/Potsdam - Das sicherste Mittel gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg ist wohl das Impfen. Doch weil das bisher nur schleppend vorangeht, müssen andere Wege gefunden werden, um bis zu einer vollständigen Impfung aller Deutschen etwas Normalität zu schaffen. Ein Versuch dafür ist die Luca-App. Sie wurde unter anderem vom Stuttgarter Rapper und Mitglied der Fantastischen Vier „Smudo“, Michael Schmidt, mitentwickelt.

Die Luca-App soll die Kontaktnachverfolgung während der Corona-Pandemie erleichtern: Hat man die App heruntergeladen, muss man seine Handynummer angeben - die Daten sind verschlüsselt - und schon kann man überall „einchecken“, wo der QR-Code einer Luca-App zur Verfügung steht. Dazu können Restaurants, der Einzelhandel, Kulturbetriebe oder Veranstaltungen wie Theateraufführungen und Konzerte zählen.

Sollte eine Person, die die Luca-App nutzt, positiv auf das Coronavirus getestet werden, kann die Historie der Besuche an das zuständige Gesundheitsamt übermittelt werden. Dort ist es dann einfach, nachzuverfolgen, welche Personen wie lange mit dem Infizierten in Kontakt waren - und das alles ohne vor Ort Formulare ausfüllen zu müssen.

Video: So funktioniert die Luca-App

Trotz Böhmermann-Trick: Baden-Württemberg ist überzeugt von der Luca-App

Der Sozialminister von Baden-Württemberg, Manfred Lucha (Grüne), ist nach Berichten des SWR überzeugt von der Luca-App des aus der Landeshauptstadt Stuttgart stammenden Smudo. „Das System ermöglicht schnell und einfach die Kontaktnachverfolgung der Gesundheitsämter nach dem Auftreten einer Corona-Infektion und wird dabei helfen, die aufwändige Zettelwirtschaft abzulösen“, so Lucha. Er will die App im ersten Jahr mit 3,7 Millionen Euro finanzieren.

Doch nicht alle Deutschen sind Fan der Luca-App. Satiriker Jan Böhmermann machte sich über die App lustig und trickste sie aus. Er checkte in ein Modehaus in Niedersachsen ein, obwohl er nach eigenen Angaben in Potsdam saß. Wie der SWR berichtet, animierte Böhmermann seine Follower auf Twitter, es ihm gleichzutun: mit wenigen Klicks und falschen Angaben die Luca-App ad absurdum zu führen.

Jan Böhmermann trickst Luca-App aus - und muss dafür Kritik einstecken

Die Aktion von Jan Böhmermann trifft angesichts des kursierenden Coronavirus jedoch nicht überall auf Verständnis. Stefan Brink, Datenschutzbeauftragter des Landes Baden-Württemberg, sagte dem SWR: „Natürlich kann man mit der Luca-App Unfug treiben, das ist aber nicht Sinn der Sache. Die Luca-App ist eine gute, sinnvolle, datenschutzkonforme Ergänzung zur Corona-Warn-App.“

Der Datenschutz ist jedoch einer der Gründe, dass die Luca-App so leicht auszutricksen ist. Um sie sicherer zu gestalten, könnte das private Berliner Start-Up-Unternehmen, dass die Luca-App anbietet, den Nutzer auffordern, den Personalausweis einzuscannne. Das würde, laut Datenschützer Stefan Brink, den Missbrauch schwieriger machen. Das sei jedoch aus Sicht des Datenschutzes keine gute Idee.

Die Luca-App soll im ganzen Land beim Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg helfen

Das Austricksen von Jan Böhmermann hält die Landesregierung jedoch nicht davon ab, weiterhin an die Luca-App gegen die Bekämpfung des Coronavirus in Baden-Württemberg einzusetzen. Die Anwendung wurde bereits in Pilotregionen am Bodensee, in Freiburg und im Breisgau-Hochschwarzwald getestet.

Wie der SWR berichtet, hat das Ministerkabinett zugestimmt die neue Applikation landesweit auszurollen. Genutzt wird die App nun auch in ersten Landkreisen, die nicht Pilot waren. Laut Sozialministerium sind aktuell 26 der 38 Gesundheitsämter im Land an die Luca-App angeschlossen.

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