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Israelische Generalkonsulin bestürzt über Antisemitismus auf Demos

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Bei einer Demonstration der Initiative „Querdenken“ in Stuttgart stehen die Demonstranten auf dem Marienplatz
Auf Corona-Demos wird der Holocaust oftmals verharmlost (Symbolbild). © Christoph Schmidt/dpa

Immer wieder tragen Demonstranten auf den Corona-Demos gelbe Sterne mit der Inschrift «ungeimpft» - und verharmlosen damit den Holocaust. Die neue israelische Generalkonsulin ist schockiert.

Stuttgart (dpa/lsw) - Die Generalkonsulin des Staates Israel, Carmela Shamir, hat sich bestürzt gezeigt angesichts antisemitischer Auswüchse auf den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen. «Wir waren schockiert, als wir die Slogans gesehen haben und die Bilder von Menschen, die den Davidstern tragen», sagte Shamir der Deutschen Presse-Agentur bei ihrem Antrittsbesuch im baden-württembergischen Innenministerium in Stuttgart. «Das Ausmaß hat uns erschüttert.» Die Gesellschaft habe lange gebraucht, um zu verstehen, wie ernst das Phänomen ist. Mittlerweile gebe es aber mehr Verständnis und immer mehr Gegenproteste, sagte Shamir.

Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden versuchen Rechtsextremisten vermehrt, die Demonstrationen für ihre Zwecke zu vereinnahmen. In der Vergangenheit hatten sich Demonstranten immer wieder mit Judenstern und der Aufschrift «ungeimpft» gezeigt - was den Holocaust verharmlost.

Shamir sagte, sie sei zudem grundsätzlich sehr besorgt angesichts der Gefahr gewalttätiger Angriffe auf die jüdische Gemeinde in Deutschland. Sie sei froh über die staatlichen Bemühungen, die jüdische Gemeinde zu schützen. Aber es gebe immer noch zu tun - dabei sprach sie davon, mehr Bewusstsein im Kampf gegen Antisemitismus in der Bevölkerung zu schaffen und etwas gegen die Aufstachelung in sozialen Medien zu tun.

«Viele hätten sich diese besonders widerliche Art und Weise von Hass und Hetze in der Form des Antisemitismus nicht mehr vorstellen können. Sie dachten, das ist Vergangenheit. Wir haben uns getäuscht. Der Antisemitismus war nie weg», sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU). «Wir sind erst zufrieden, wenn Kinder jüdischen Glaubens mit einer Kippa auf dem Kopf in die Schule gehen können, ohne dass die Großeltern Angst haben müssen.»

Shamir hatte ihren Posten im vergangenen Jahr angetreten. Zu ihrem Amtsgebiet gehört ganz Süddeutschland - der Konsularbezirk umfasst den Freistaat Bayern sowie die Länder Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland.

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