Vorreiterrolle in Europa

Milliardär, der Jobs von 1.300 Daimler-Mitarbeitern rettete, glaubt an Wasserstoff

Toyota Mirai Wasserstoff tanken Tankdeckel
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In fünf Minuten ist der Wasserstoff im Tank. Nur bei den Tankstellen hapert es mit rund 90 aktuell in Deutschland.
  • Julian Baumann
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Die Daimler AG setzt ihren Fokus nahezu ausschließlich auf das E-Auto. Ein britischer Milliardär, der im vergangenen Jahr das Smart-Werk im französischen Hambach übernahm, geht einen anderen Weg.

Stuttgart/London - Die Daimler AG fährt seit langer Zeit einen strengen Sparplan und verlegte unter anderem auch ganze Produktionsschritte ins Ausland. Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass Daimler plant, das Smart-Werk im französischen Hambach zu verkaufen. Am Standort waren rund 1.600 Mitarbeiter angestellt, die den beliebten Kleinwagen Smart Fortwo und den Viersitzer Forfour fertigten. Als der Verkauf des Werkes letztendlich besiegelt wurde, standen diese Mitarbeiter vor dem Aus.

Ein Milliardär rettete jedoch 1.300 Daimler-Mitarbeiter vor der Arbeitslosigkeit. Der neue Besitzer des Smart-Werkes in Hambach, Jim Ratcliffe, sagte zudem zu, mit seinem Chemie-Unternehmen Ineos zunächst weiter Smart-Modelle bauen zu wollen. Während die Daimler AG ihren Fokus nahezu ausschließlich auf das E-Auto setzt, will Ratcliffe einen anderen Weg einschlagen. Laut einer Pressemitteilung übernimmt der Londoner Konzern des britischen Milliardärs eine Vorreiterrolle beim Wasserstoff.

Daimler AG und Co.: Die Autobauer könnten vom Ineos-Vorstoß profitieren

Die Daimler AG verkündete vor wenigen Monaten, sich mit Mercedes-Benz vollständig vom Verbrenner abzuwenden und auf das E-Auto zu setzen. Bereits ab 2025 sollen alle Mercedes-Modelle auch in einer rein elektrischen Version verfügbar sein und ab 2030 will der Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart nur noch batteriebetriebene Autos herstellen. Die Pkw-Sparte Daimler Truck AG, die in Zukunft als eigenständiges Unternehmen fungieren soll, setzt dagegen bei den schweren Nutzfahrzeugen auf eine Doppelstrategie: Daimler arbeitet an einer längst vergessenen Alternative zum E-Auto.

Eben bei dieser Alternative könnten die Autobauer wie Daimler von dem Vorstoß des britischen Konzerns Ineos profitieren. Laut der Mitteilung ist das Unternehmen von Jim Ratcliffe der europaweit größte Anbieter der Elektrolyse. Diese Technologie wird dazu verwendet, um mit erneuerbaren Energien Wasserstoff für die Stromerzeugung herzustellen. Ineos produziert bereits jetzt jährlich 400.000 Tonnen Co2-armen Wasserstoff und nimmt damit eine Vorreiterrolle in diesem Bereich ein. Nun verkündete das englische Chemieunternehmen die Absicht, mehr als zwei Milliarden Euro in die Wasserstoffproduktion Europas investieren zu wollen.

Mercedes, BMW und Co. haben Wasserstoffmotoren - Ineos will eigenes Fahrzeug für Testzwecke einsetzen

Die Daimler AG will neben der E-Mobilität und der Marke EQ bei Mercedes-Benz auch die Brennstoffzellentechnologie für Wasserstoff vorantreiben, heißt es in einer Mitteilung des Autokonzerns. Der Mercedes-Benz GLC F-Cell wird beispielsweise mit einem Wasserstoffmotor angetrieben. „Hyundai, BMW, Mercedes usw. haben viele Vorführ-Wasserstoffmotoren, die munter durch die Gegend fahren“, sagt auch Ineos-Gründer Jim Ratcliffe laut der Pressemitteilung. „Wir werden nächstes Jahr einen Ineos Grenadier mit Wasserstoffantrieb zu Testzwecken im Einsatz haben, neben einer elektrischen Version.“ Der Grenadier ist ein Geländewagen im Stil eines Land Rovers, wie bereits veröffentlichte Bilder von Ineos zeigen.

Der Ineos Grenadier soll zu Testzwecken mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle angetrieben werden.

Langfristig soll Wasserstoff neben der E-Mobilität einen weiteren Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgase liefern, bis dahin gilt es jedoch noch einige Hürden zu überwinden. „Die Infrastruktur ist ganz eindeutig von entscheidender Bedeutung und muss von der Regierung durch Rechtsvorschriften und Investitionen gefördert werden“, empfiehlt Jim Ratcliffe. „Die deutsche Regierung ist mit der Investition von neun Milliarden Euro und der Inbetriebnahme von über 200 Tankstellen bereits weit vorangekommen.“

Jim Ratcliffe, der Gründer von Ineos, ist zudem nicht nur dadurch mit der Daimler AG verbunden, weil er im vergangenen Jahr viele Mitarbeiter vor der Arbeitslosigkeit rettete. Der britische Milliardär schnappte sich wenig später eine ganze Mercedes-Sparte. Seitdem gehört das erfolgreiche Formel 1-Team Mercedes Petronas zu jeweils einem Drittel Jim Ratcliffe, Petronas-Chef Toto Wolff und der Daimler AG.

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