Lage in den Impfzentren

Impfdosen in Baden-Württemberg werden spontan neu verteilt - wegen abgesagter Termine

Dieter Hassler, Leiter der Kreisimpfzentren des Kreises Karlsruhe in Bruchsal-Heidelsheim und Sulzfeld, nimmt im Impfzentrum Bruchsal-Heidelsheim eine Corona-Impfung vor.
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„Selbst Biontech-Termine werden bei uns nicht wahrgenommen“, sagte Dieter Hassler, Leiter der Kreisimpfzentren Karlsruhe.
  • Julian Baumann
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Derzeit wird fast jeder zehnte Termin für eine Corona-Impfung mit Astrazeneca in Baden-Württemberg nicht wahrgenommen - dadurch können die Impfdosen neu verteilt werden.

Stuttgart/Ulm - Die Impfungen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg sind seit dem Start im Dezember vergangenen Jahres bereits weit fortgeschritten. Nach den aktuellen Informationen des Landesgesundheitsamtes wurden bereits über 4,4 Millionen Menschen erstmals und rund 1.6 Millionen vollständig gegen Covid-19 geimpft.

Beim Start der Impfkampagne war ein Termin nur über eine eingerichtete Hotline oder eine Online-Plattform in einem der Kreisimpfzentren möglich. Dabei gab es oftmals lange Wartezeiten und einige Bürger klagten über die komplizierte Technik der Plattform. Seit April impfen jedoch auch die Hausärzte in Baden-Württemberg und Ärzte in Stuttgart starteten eine eigene Plattform für Impftermine.

Obwohl inzwischen Vakzine von mehreren Herstellern für eine Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg zur Verfügung stehen, herrscht noch immer Impfstoff-Knappheit. Deshalb werden derzeit Bürger bevorzugt geimpft, die bereits die Erstimpfung haben.

Der Impfstoff von Astrazeneca wurde in Baden-Württemberg zum Ladenhüter und auch aktuell nimmt fast jeder zehnte Bürger einen zuvor vereinbarten Termin für eine Impfung mit dem umstrittenen Vakzin nicht wahr, wie der Südwestrundfunk (SWR) berichtet. Deshalb können die Impfdosen spontan neu verteilt werden. In Stuttgart bliebe dagegen aktuell keine Impfdosis übrig.

Impfungen in Baden-Württemberg: Deutlicher Unterschied bei Beliebtheit der Impfstoffe

Die aktuelle Impfstoffknappheit bei den Impfungen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg lässt sich damit erklären, dass viele Bürger bereits den zuvor vereinbarten Zweittermin wahrnehmen. Dennoch werden in den Impfzentren im Südwesten immer wieder Termine abgesagt, oder Patienten tauchen zum vereinbarten Zeitpunkt einfach nicht auf, berichtet der SWR.

Im Impfzentrum in Ulm liege die Quote der nicht-wahrgenommenen Termine konstant bei drei oder vier Prozent. Zumindest für Impftermine mit den Vakzinen der Hersteller Moderna und Biontech. Bei Astrazeneca müssten dagegen neun Prozent der Termine pro Tag neu oder anders besetzt werden, sagte Hagen Feucht, der organisatorische Leiter des Impfzentrums.

Durch die abgesagten oder nicht wahrgenommenen Impftermine haben impfwillige Bürger demnach eine Chance, trotzdem eine Schutzimpfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg zu erhalten. Die Impfstoffe werden nämlich in den Zentren nicht verschwendet. „Wir bereiten den Impfstoff erst zu, wenn die Person auch erschienen ist. Das hat sich bewährt“, sagte Hagen Feucht dem SWR.

Die komplette Auflösung der Impfpriorität und die Freigabe der Impfstoffe für alle kritisiert der Leiter des Zentrums in Ulm allerdings. „Wer jetzt berechtigt ist, geimpft zu werden und noch keinen Termin hat, der bekommt derzeit kaum einen Termin wegen des fehlenden Impfstoffs“, sagte er. „Und später hat er kaum eine Chance, wenn sich alle auf die Termine stürzen.“

Impfzentrum in Karlsruhe: „Selbst Biontech-Termine werden bei uns nicht wahrgenommen“

Auch im Kreisimpfzentrum in Karlsruhe werden Termine für eine Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg stellenweise nicht wahrgenommen. Seit dem Impfstart in den ansässigen Arztpraxen würden Impfwillige parallel zum Impfzentrum auch in den Praxen einen Termin vereinbaren, sagte Dieter Hassler, der Leiter der beiden Impfzentren im Landkreis Karlsruhe dem SWR.

„Selbst Biontech-Termine werden bei uns nicht wahrgenommen, weil die Menschen vielleicht schon bei ihrem Hausarzt einen Termin bekommen haben.“ An manchen Tagen kämen sogar bis zu zehn Prozent der Patienten nicht zu einem zuvor vereinbarten Impftermin.

Für die Umverteilung der Impfdosen, die durch die nicht-Wahrnehmung der Termine zurückbleiben, hätten die Ärzte mehrere Möglichkeiten, berichtet der SWR. „Der Schlüssel sind hier die individuellen Lösungen der Praxen. Von Wartelisten bis Maillisten ist alles möglich“, sagte Manfred King, der Sprecher des baden-württembergischen Hausärzteverbands.

Auch im Impfzentrum in Ulm bliebe am Ende des Tages trotz der nicht-wahrgenommenen Termine keine Impfdosen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg übrig, erzählte ein Helfer, der als Einweiser und in der Registrierung arbeitet. „Ich habe noch nie gehört, dass eine Spritze weggeschmissen wurde.“

Im Kreisimpfzentrum der Landeshauptstadt Stuttgart bleibt dagegen grundsätzlich kein Impfstoff übrig, sagte Annette Seifert, Sprecherin des Klinikums Stuttgart dem SWR. In der Schwaben-Metropole gebe aus auch die Probleme mit nicht-wahrgenommenen Terminen nicht.

„Das Interesse an einer Impfung ist so gewaltig, dass alle abgesagten oder nicht wahr genommenen Impftermine sofort durch andere Impfwillige aufgefüllt werden können“, so Seifert. Sogar mit dem Impfstoff von Astrazeneca werde „gerne und häufig geimpft“.

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