Unmut unter Rathaus-Mitarbeitern

Heftige Kritik: Viele Mitarbeiter der Stadt Stuttgart haben Homeoffice-Verbot

Eine junge Frau, die aufgrund der Corona-Pandemie im Homeoffice arbeitet, nimmt in ihrem Wohnzimmer an einer Telefonkonferenz teil.
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Für viele Mitarbeiter der Stadt Stuttgart war Homeoffice im vergangenen Jahr nicht möglich (Symbolbild).
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Führungskräfte der Stadt Stuttgart sollen Mitarbeitern Homeoffice untersagt haben. Im Rathaus hat sich das offenbar negativ auf die Stimmung ausgewirkt.

Stuttgart - Zehn Millionen Menschen arbeiten in Deutschland laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom im Homeoffice. Noch vor der Corona-Pandemie war das eher eine Seltenheit: 1,4 Millionen Menschen arbeiteten vom Wohnzimmer aus, bevor das Coronavirus in Baden-Württemberg das öffentliche Leben lahmlegte und auch die Arbeitswelt verwandelte.

Geht es nach der Studie, für die 1.503 Erwerbstätige befragt wurden, könnte es ruhig dabei bleiben - auch nach der Pandemie. „Alle wollen Homeoffice“, schreibt der Digitalverband. Berufstätige seien zufriedener, produktiver und hätten weniger Stress, wenn sie in den eigenen vier Wänden arbeiten und nicht mehr ins Büro müssen.

Kein Homeoffice: Bei den Mitarbeitern der Landeshauptstadt Stuttgart war der Unmut groß

Homeoffice ist begehrt. Allerdings bietet nicht jeder Arbeitgeber die Möglichkeit dazu. Bei den Mitarbeitern der Landeshauptstadt Stuttgart hat das zuletzt für großen Unmut gesorgt. Von mehr als 10.000 Beschäftigten gingen in den ersten Monaten der Pandemie von März bis Juli 2020 rund 2.500 Mitarbeiter ins Homeoffice - und nur diese erhielten auch ein mobiles Endgerät. Laut einer damals durchgeführte Umfrage, hätten außerdem 20 Prozent der Führungskräfte das mobile Arbeiten untersagt.

Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, wirkte sich die Pflicht, weiterhin mit Kollegen im Büro zu sitzen, und die als willkürlich kritisierte Verteilung der Endgeräte schlecht auf die Arbeitsatmosphäre im Rathaus aus.

Arbeit im Homeoffice: Die Stadt Stuttgart hat mehr in die Digitalisierung investiert

Mittlerweile sieht die Situation beim Homeoffice anders aus. Das Stuttgarter Rathaus hat laut eigenen Angaben in die Digitalisierung investiert. Die Arbeitsplätze im Homeoffice haben sich laut einer Mitteilung der Stadt seit Beginn der Corona-Krise mittlerweile vervielfacht. Vor der Pandemie-Zeit seien es 250 Mitarbeiter gewesen, die vom Homeoffice aus arbeiteten. Nun seien es mehr als 4.000 Mitarbeiter.

Bis Ende 2022 will die Stadt außerdem weiter technisch aufrüsten. Dafür beschafft die Verwaltung Zug um Zug 4.000 neue Laptops. Zudem arbeitet das Rathaus zusammen mit dem Gesamtpersonalrat an einer Dienstvereinbarung. Damit soll das mobile Arbeiten im Homeoffice auch nach der Pandemie-Zeit möglich sein.

Andere Studien über Homeoffice kommen zu schlechten Ergebnissen

Auch größere Unternehmen arbeiten an der Arbeitswelt der Zukunft. Der Sportwagenhersteller Porsche will bis zum Jahr 2025 nur noch für 60 Prozent der Angestellten einen Büroplatz unterhalten. Deshalb führt Porsche bereits jetzt 12 Tage Homeoffice im Monat ein.

Allerdings gibt es auch Studien über Homeoffice, die zu ganz gegenteiligen Ergebnissen kommen. Eine Umfrage des Forschungsinstituts Forsa im Auftrag des Stuttgarter Prüfkonzerns Dekra ergab: Homeoffice macht Menschen krank. Jeder dritte Beschäftigte, der von zu Hause aus arbeitet, klagt laut der Studie über gesundheitliche Probleme, weil der Arbeitsplatz nicht ausreichend genug ausgestattet sei.

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