894 Fälle seit Jahresbeginn

Epidemie breitet sich im Südwesten aus - Krankheit wird von Mäusen übertragen

Eine Maus frisst Vogelfutter in einer Gartenanlage.
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In Baden-Württemberg wurden seit Jahresbeginn 894 Infektionen mit dem Hantavirus verzeichnet - es wird von Nagetieren auf den Menschen übertragen.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Die Krise aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg ist noch nicht überstanden. Zusätzlich breitet sich nun eine weitere Epidemie aus, die von Nagetieren übertragen wird.

Stuttgart - Die Krise aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg dauert nun bereits seit weit über einem Jahr an. In dieser Zeit führte die Pandemie auch im Südwesten zu drastischen Einschneidungen und veränderte das alltägliche Leben nachhaltig. Aktuell gehen die Inzidenzen deutlich zurück und Lockerungen für die Gastronomie, den Handel und die Kultur traten in Kraft. Auch aufgrund der fortschreitenden Corona-Impfungen in Baden-Württemberg ist ein Ende der Pandemie allmählich abzusehen. In Baden-Württemberg wurden jedoch auch Virus-Mutationen entdeckt, welche die Krise möglicherweise doch noch verlängern könnten.

Während die Menschen im Südwesten noch immer mit den Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg zu kämpfen haben, bieten sich bereits weitere Gefahrenlagen. Bill Gates warnte bereits vor dem „gefährlichsten Tier der Welt“. Die Tigermücke breitet sich auch in Baden-Württemberg aus, das Land bekämpft es mit einer neuen Strategie. Nun warnt das Landesgesundheitsamt vor einer steigenden Zahl an Hantavirus-Fällen in Baden-Württemberg, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet.

Baden-Württemberg: 2021 wird wohl „ein starkes Hantavirus-Jahr werden“, heißt es

Während sich das Coronavirus in Baden-Württemberg von Mensch zu Mensch über Aerosole überträgt und deshalb besonders ansteckend ist, wird das Hantavirus hauptsächlich von Nagetieren wie die der Rötelmaus übertragen. Laut der dpa ernähren sich die Mäuse von Buchenmast, Regionen mit einem hohen Vorkommen seien deshalb besonders betroffen. Laut dem Landesgesundheitsamt wurden seit Beginn des Jahres 894 Hantavirus-Fälle in Baden-Württemberg gemeldet. Im letzten Epidemie-Jahr 2019 seien es insgesamt nur 833 gewesen. Besonders betroffen waren die Landkreise Reutlingen (152 Fälle), Heidenheim (88 Fälle) und die Landeshauptstadt Stuttgart mit 83 Fällen.

Zusätzlich zur anhaltenden Corona-Pandemie ist demnach auch das Hantavirus in Baden-Württemberg und in der Region Stuttgart weit verbreitet. „In Baden-Württemberg treten Hantavirus-Infektionen regelmäßig auf“, sagte Regierungspräsident Wolfgang Reimer (Grüne). „Aufgrund der aktuellen Zahlen wird 2021 wohl ein starkes Hantavirus-Jahr werden.“

Hantavirus-Infektion solle ernst genommen werden

Glücklicherweise verbreitet sich das Hantavirus längst nicht so schnell wie die Corona-Varianten. Menschen können sich jedoch beispielsweise bei der Gartenarbeit anstecken, wenn sie Speichel, Kot oder Urin von infizierten Nagetieren einatmen. „Eine Hantavirus-Infektion sollte ernst genommen werden, da sie das Risiko schwerer Verläufe birgt“, sagte Gottfried Roller, Leiter des Landesgesundheitsamtes laut der dpa. „Auch wenn der überwiegende Teil der Infektionen in der Regel unbemerkt oder sehr leicht verläuft. Macht sich die Krankheit bemerkbar, sind die Symptome ähnlich einer Grippe.“

Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) beträgt die Inkubationszeit nach einer Infektion mit dem Hantavirus üblicherweise zwei bis vier Wochen, in Ausnahmefällen kann sie jedoch auch nur fünf oder bis zu 60 Tage betragen. Häufige Symptome sind beispielsweise Fieber, einseitige Flankenschmerzen, Übelkeit und Kopfschmerzen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch sei nach einer Infektion nicht nachgewiesen, heißt es weiter.

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