Lockerung in Baden-Württemberg

Einzelhandel: Geschäfte in Tübingen und Freudenstadt dürfen wieder komplett öffnen

Wenige Einkäufer stehen in der Innenstadt vor einem Stand des Wochenmarktes in Tübingen.
+
In Tübingen dürfen Händler wieder öffnen (Archivfoto).
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
    schließen
  • Julian Baumann
    Julian Baumann
    schließen

Das Coronavirus in Baden-Württemberg setzt dem Handel noch immer schwer zu. Nun öffnen in den Kreisen Tübingen und Freudenstadt wieder die Läden. Warnungen vor Shoppingtourismus werden laut.

Update vom 8. März, 12.30 Uhr: Tübingen - Einzelhändler in den Landkreisen Tübingen und Freundenstadt dürfen ab heute wieder öffnen. In beiden Kreisen liegt die 7-Tage-Inzidenz unter 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Daher ist es in Freudenstadt nicht nur Einzelhändlern, sondern auch Musikschulen und Sportstätten erlaubt, teilweise zu öffnen.

„Das sind längst fällig gewordene Lichtblicke für die Menschen“, sagt Freudenstadts Landrat Klaus Michael Rückert gegenüber dem SWR. Er halte es dennoch für wichtig, weiterhin die geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen einzuhalten. Joachim Walter, Landrat des Kreises Tübingen, bittet um größtmögliche Vorsicht: Er warnt vor Einkaufstourismus aus anderen Landkreisen. Die Inzidenzwerte seien sehr fragil und könnten leicht in die Höhe getrieben werden. In Tübingen öffnen neben dem Einzelhandel auch Galerien, Museen, Musik -und Kunstschulen. Sportvereine wollen sich auf die Jugendarbeit mit Trainings auf Sportplätzen konzentrieren.

Erstmeldung vom 5. März: Stuttgart - Durch die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg und dem anhaltenden Lockdown sind die meisten Geschäfte im Südwesten seit mehreren Monaten geschlossen. Viele Händler stehen dadurch vor erheblichen finanziellen Problemen und einige protestieren gegen die Maßnahme. So lösten mehrere Einzelhändler beispielsweise eine regelrechte Klagewelle aus. Darunter auch die Modehandelskette Breuninger aus der Landeshauptstadt Stuttgart. Weitere leidgeplagte Verkäufer in Baden-Württemberg griffen zu kreativeren Protestaktionen. So bekommen Kretschmann und Merkel seit Wochen massenhaft Pakete von Händlern aus Aalen und in Heidelberg öffneten die Händler ihre Läden am Dienstag symbolisch.

Am Mittwoch, dem 3. März, wurde in der Bund-Länder-Konferenz das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie besprochen. Die Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einigten sich auf einen Fünf-Stufen-Plan. Dieser bildet demnach auch die Grundlage für weitere Lockerungen in Baden-Württemberg. In Bezug auf die Öffnung des Einzelhandels im Südwesten liegt nun jedoch eine genaue Perspektive vor, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Demnach dürfen Kreise mit einer Inzidenz von unter 50 den Handel eigenständig öffnen.

Lockerungen in Baden-Württemberg: Öffnungsperspektive für Einzelhandel - ab Inzidenz unter 50

Die Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigen wieder an. Dennoch gibt es bereits die ersten Lockerungen im Südwesten. Grundschulen und Kitas haben bereits seit dem 22. Februar wieder geöffnet und bald sollen auch die Klassenstufen 5 und 6 an die Schulen zurückkehren dürfen. Seit dem 1. März gibt es daneben auch Lockerungen für Blumenhändler, Friseure und Fahrschulen. Am Donnerstag einigten sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) auf eine Lockerung des Lockdowns für Land- und Stadtkreise unter einer Inzidenz von 50, wie Regierungssprecher Rudi Hoogvliet der dpa mitteilte.

Diese Maßnahme war zuvor auch in der Bund-Länder-Konferenz beschlossen worden. Viele Händler in Deutschland zeigten sich nach der Konferenz allerdings enttäuscht von den Ergebnissen. Auch die schrittweise Öffnung des Einzelhandels für Kreise unter einer Inzidenz von 50 ist durch das Coronavirus in Baden-Württemberg umstritten. Winfried Kretschmann und Susanne Eisenmann einigten sich nach einer langen Diskussion dennoch, diesen Schritt zu gehen. Man habe diskutiert, die landesweite 7-Tage-Inzidenz als Maßstab zu verwenden, um Einkaufstourismus zu vermeiden. Das hätte jedoch keine weiteren Lockerungen in Baden-Württemberg zur Folge gehabt, da die Inzidenz im Land seit mehreren Tagen deutlich über 50 liegt.

Lockerung beim Handel: Kritik an der Entscheidung - Eisenmann verteidigt Schritt

Aufgrund des Infektionsgeschehens mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg ist die 7-Tage-Inzidenz im Landesdurchschnitt aber auch in den einzelnen Kreisen einem ständigen Wandel unterworfen. Die Entscheidung, in Kreisen unter der 50-Marke eine Lockerung beim Handel zu erlauben, trifft deshalb auf Kritik. „Den Vorwurf, dass nun ein Flickenteppich entstehe, kann ich nachvollziehen“, sagte Susanne Eisenmann der dpa. Das Land sei jedoch von regionalen Besonderheiten geprägt und die Inzidenzen gingen weit auseinander. „In einem Flächenland wie Baden-Württemberg wäre es deshalb ungerecht, wenn ein Einzelhändler auf der Ostalb, in Böblingen oder in Freudenstadt bei sehr niedriger Inzidenz nicht öffnen darf, weil der Wert zum Beispiel im Landkreis Schwäbisch Hall momentan noch weit über 100 liegt“, so die CDU-Politikerin.

Damit steht Susanne Eisenmann weiterhin hinter der Lockerung in Baden-Württemberg. Die Öffnung des Einzelhandels soll jedoch in langsamen Schritten erfolgen und ist an bestimmte Bedingungen geknüpft. Demnach darf sich nur ein Kunde pro zehn Quadratmeter beziehungsweise ein Kunde pro 20 Quadratmeter je nach Größe des Verkaufsraumes aufhalten. „Es geht um Perspektiven für die Menschen, insbesondere für die Einzelhändler“, sagte die Kultusministerin und mahnte gleichzeitig auch zur Vorsicht. „Auch bei den vorsichtigen Öffnungsschritten, die wir jetzt unternehmen, müssen wir alle gemeinsam alles daran setzen, dass das Virus in seiner weiteren Ausbreitung gehindert wird.“ Von der Lockerung des Einzelhandels für Kreise unter einer Inzidenz von 50 sind aktuell 16 von insgesamt 44 Land-und Stadtkreise in Baden-Württemberg betroffen (Stand: 4. März, 16 Uhr).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare