Verzicht auf drittes Geschlecht

Grüne und CDU einigen sich auf Koalitionsvertrag ohne Gendersternchen - Kretschmann gegen „Sprachpolizei“

Winfried Kretschmann fasst sich an die Stirn, im Hintergrund sieht man das Wort „Mitarbeiter“ in Gender-Form.
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Winfried Kretschmann tut sich mit dem Gendern schwer.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Der Koalitionsvertrag der baden-württembergischen Landesregierung soll ohne Gendersternchen auskommen. Kretschmann findet das „Beharren auf politischer Korrektheit“ schwierig.

Stuttgart - Die Debatte über das Gendern scheidet die Geister. Während die einen es bereits selbstverständlich tun, können andere der geschlechtergerechten Sprache nur wenig abgewinnen. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) steht dem Gendern, entgegen seiner parteiinternen Linie, skeptisch gegenüber. Laut der Deutschen Presseagentur (dpa) hat sich die grün-schwarze Landesregierung in Stuttgart jetzt auf einen Koalitionsvertrag ohne Gendersternchen geeinigt.

Folglich soll der Koalitionsvertrag nur mit der weiblichen und männlichen Bezeichnung von Personen, also zum Beispiel Polizistinnen und Polizisten, aufgeschrieben werden. Die CDU habe darum gebeten, und die grüne Seite habe dies akzeptiert, hieß es. Das Gendersternchen umfasst auch die Bezeichnung von diversen Personen.

Winfried Kretschmann: Bei den Grünen ist seine Einstellung zum Gendern nicht gerne gesehen

Dass sich Kretschmann als Grüner gegen den Einbezug des dritten Geschlechts entschieden hat, wird in der Partei offenbar nicht gerne gesehen. Als er im vergangenen Sommer in einem dpa-Interview sagte, er wolle sich den Mund nicht von „Sprachpolizisten“ verbieten lassen, geriet er unmittelbar in die Kritik von Mitstreitern seiner Partei - denn die verfolgt beim Thema Gendern eigentlich eine ganz andere Linie. Beispielsweise in ihrem Programm für die Landtagswahl beginnen die Grünen mit „Liebe Mitbürger*innen“ und verwenden das Gendersternchen dann im gesamten Text.

„Auch wenn viele Behörden, Hochschulen und Organisationen verbindliche Leitfäden für geschlechtergerechte Sprache entwickelt haben, finde ich dieses Beharren auf sprachlicher und politischer Korrektheit schwierig“, sagte Kretschmann laut dpa.

Während der Ministerpräsident das Ganze also sehr kritisch betrachtet, entscheiden sich andere Institutionen bewusst für eine geschlechtsneutrale Sprache. So entschied zum Beispiel eine Uni-Klinik in England, dass „Muttermilch“ nicht mehr „Muttermilch“ genannt werden soll, sondern „Menschenmilch“.

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