Stuttgart 21

Stuttgart 21 schon bei Eröffnung überlastet - doch Politiker stimmen gegen zusätzlichen Bahnhof

Ein Zug steht auf einem Gleis am Stuttgarter Hauptbahnhof.
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Stuttgart 21: Der alte Kopfbahnhof hatte 16 Gleise. Der neue Tiefbahnhof kommt mit nur 8 Gleisen wohl an seine Leistungsgrenze.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Vor der Fertigstellung von „Stuttgart 21“ steht nun fest: Eine Zusatzstation in Stuttgart wird es nicht geben. Das hat der Gemeinderat nun entschieden. Man wolle den Wohnungsbau nicht beeinträchtigen.

Stuttgart - Ein unterirdischer, bis zu sechsgleisiger Kopfbahnhof in der Stadtmitte sollte den Stuttgart-21-Tiefbahnhof nach 2030 ergänzen - so die Idee. Denn bereits jetzt ist klar: Schon bei seiner geplanten Fertigstellung Ende 2025 wird der Stuttgarter Bahnhof seine Grenze der Leistungsfähigkeit erreicht haben.  

Wie die Stuttgarter Zeitung (StZ) berichtet, stimmten die Fraktionen des Stuttgarter Gemeinderats nun dennoch gegen den Ergänzungshalt in der Stadt. Jedoch waren die Mitglieder für den Bau von Umleitungsstrecken, zum Beispiel von Bad Cannstatt nach Feuerbach. Zustimmung fand auch das Nordkreuz, das künftig die S-Bahn-Strecke Gäubahn im Bereich des Nordbahnhofs mit den S-Bahn-Strecken nach Feuerbach und Bad-Canstatt verbinden soll.

Laut Untersuchung des Verkehrswissenschaftlichen Instituts (VWI GmbH, Stuttgart) bringt dieser Ausbau vergleichbare Kapazität wie eine Ergänzungsstation, bei ähnlichen Kosten. Ein Problem bleibt aber: Die Regionalzüge würden Stuttgart nicht anfahren, sondern an der Landeshauptstadt vorbei fahren. „Wenn alle Regionalzüge am Hauptbahnhof halten sollen, bleibt nur die Ergänzungsstation“, sagte VWI-Geschäftsführer Stefan Tritschler der StZ.

Fertigstellung von Stuttgart 21: „Dieses Thema muss beendet werden“

CDU-Fraktionschef Alexander Kotz forderte ein schnelles Ende der Bahn-Debatte. „Dieses Thema muss beendet werden, das ist in dieser Stadt nicht machbar, es sind keine weiteren Untersuchungen notwendig“, sagte er. Die Grünen hingegen begrüßten das Vorgehen, sind für einen Kapazitätsausbau. „Das Bundesverfassungsgericht hat uns aufgegeben, über 2030 hinaus zu denken“, argumentierte Gerd Hickmann, Abteilungsleiter Öffentlicher Verkehr im Landes-Verkehrsministerium.

„Wir legen Wert darauf, dass der Regionalverkehr nicht an Stuttgart vorbeiführt“, so Hickmann weiter. Ein Ergänzungshalt biete viele Vorteile, etwa „viel Flexibilität für den Nahverkehr und die S-Bahn, auch bei Störfällen“.

Um das Kapazitätsproblem des Tiefbahnhofs zu lösen, hatte der VWI zudem den Einsatz von 320 statt 210 Meter langen Doppelstockzügen vorgeschlagen. Auch das sieht Gerd Hickmann kritisch. Schließlich sei eine Doppelbelegung der Gleise im S-21-Bahnhof dann nicht mehr möglich, außerhalb müssten zudem Bahnsteige verlängert werden.

Stuttgarter Gemeinderäte sorgen sich um den Bebauungsplan

Ein großer Punkt, der gegen einen Ergänzungshalt sprach, war der Bebauungsplan der Stadt. Eine neue Station und deren Zuläufe würden den Wohnungsbau, der auf dem heutigen Gleisfeld geplant ist, teilweise erschweren, verzögern oder sogar verteuern, so die Befürchtung des Beirats. Der Gemeinderat habe beschlossen, dass der Wohnungsbau nicht verzögert werden dürfe, sagte SPD-Fraktionschef Martin Körner. Er wolle kein „Stuttgart 22 bis 2034“.

Fertigstellung von Stuttgart 21: Ist der Bahnhof schon jetzt zu klein?

Anders steht Hannes Rockenbauch, Sprecher des Linksbündnisses, zum Thema Wohnbau. Der Gemeinderat wies erneut darauf hin, dass laut Untersuchung Stuttgart 21 zu klein und nicht zukunftsfähig sei. Eine Mehrheit denke nun über eine Umfahrung Stuttgarts nach, anstatt den Kopfbahnhof zu erhalten.

Hannes Rockenbauch bezeichnete dies als „erstaunliche Qualitätsverschlechterung“. Schließlich sei der Bahnknoten in Stuttgart wichtig für ganz Baden-Württemberg und müsse somit zukunftsfähig sein. Eine Verzögerung des Städtebaus sehe er in diesem Fall gerechtfertigt. Je schneller man mit den Untersuchungen vorankomme, „desto geringer würden die Auswirkungen auf den Städtebau sein“, ergänzte Gerd Hickmann.

Der Bau des umstrittenen Bahnprojekts ist zwar schon vorangeschritten, dennoch gehen die Proteste und Diskussionen rund um Stuttgart 21 weiter. Ein Grund: Die Kosten für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm sind seit 2009 immer weiter gestiegen. Bis zu 8,2 Milliarden Euro soll der Bau verschlingen.

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