1. bw24
  2. Stuttgart

„Geld ist nicht das Problem“: Kultusministerin sorgt sich wegen Lehrermangels in Baden-Württemberg

Erstellt:

Kommentare

Kultusministerin Schopper
Theresa Schopper bei einer Regierungs-Pressekonferenz im Landtag in Stuttgart. © Bernd Weißbrod/dpa

Die Kultusministerin muss sich so einiges anhören: Sie könne sich nicht durchsetzen, wenn es ums Geld geht. Und beim Schutz vor Corona in den Schulen sei sie fahrlässig. Schopper ficht das nicht an, sie hat andere Sorgen.

Stuttgart (dpa/lsw) - Auch wenn ihre Wünsche bei den Verhandlungen über den Haushalt 2022 längst nicht alle erfüllt worden sind, ist Kultusministerin Theresa Schopper mit dem Etat zufrieden. «Wir sind bei den Haushaltsverhandlungen eigentlich gut weggekommen», sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. «Also da haben wir schon noch mal einen ordentlichen Nachschlag gekriegt. Es ist nicht so, dass ich jeden Abend ein Taschentuch brauche, um mich ins Bett zu weinen.» Auch in puncto Bewältigung der Corona-Folgen in den Schulen findet sie: «Geld ist an der Stelle nicht das Problem.» Hier habe man auch mit den Hilfen des Bundes ein «dickes Paket» geschnürt. Sorgen macht ihr der Lehrkräftemangel, vor allem in Grundschulen. Der Kultusetat ist bei den Haushaltsberatungen am Donnerstag Thema im Landtag.

Ursprünglich sollte die Kultusministerin für das nächste Jahr 212 neue Stellen bekommen, was ihr zu wenig war. Die Stellen sollten vor allem zur Entlastung der Schulleitungen und für Lehrkräfte für Klassen, in denen behinderte und nicht-behinderte Kinder zusammen lernen, dienen. Nun kommen nochmals 150 Lehrerstellen dazu: 50 für die Krankheitsreserve, 50 für Inklusion, 25 für den Ganztagesausbau und 25, um den Anstieg der Schülerzahlen zu bewältigen. Für Schopper ist auch das eigentlich nicht genug. Für die Krankheitsvertretung hatte sie 105 beantragt. Die Ministerin drang auch nicht durch mit ihrem Wunsch, befristet angestellte Hilfs-Lehrkräfte auch über die Sommerferien zu bezahlen.

Bei der Bewältigung der Corona-Folgen in den Schulen stünden für die kommenden zwei Jahre 260 Millionen Euro zur Verfügung, erklärte Schopper. «Das ist nicht von Pappe. Damit gehen wir nicht nur den fachlichen Rückstand an, sondern auch den sozial-emotionalen Bereich, der bei Kindern oft noch mehr zu Buche schlägt.» Sie finde es am bedrückendsten, «was wir da für Schäden haben, von Anorexie bis Depressionen und Suizidgedanken. Es ist nicht so, dass man sagen kann: Jetzt reiß dich mal zusammen.»

Über den Haushalt hinaus stelle sich perspektivisch die Frage: «Wie viele Lehrkräfte brauchen wir und wie müssen wir uns noch mal in den Schulen rüsten, denn der Schulalltag geht auch nach Corona weiter. Wir haben Lehrkräftemangel im Bereich der Grundschulen und im Bereich der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren, wo wir kaum den Bedarf decken können.» Da bekomme jede ausgebildete Lehrkraft, die sich bewerbe, sofort eine Beschäftigung - «und trotzdem sind es zu wenig. Wir haben zwar die Ausbildungskapazitäten erhöht, so dass wir jetzt sukzessive den Mangel abbauen können. Aber es ist aktuell einfach ein reales Problem, dass wir zu wenig Lehrer haben».

Schopper will die Attraktivität des Berufs wieder erhöhen. «Ich finde, dass Lehrkräfte überhaupt nicht die Wertschätzung haben, die sie eigentlich verdienen für den Job, den sie machen. Das ist der Beruf, der die Türen öffnet, um Kindern nicht nur Wissen mitzugeben, sondern auch, um sie zu guten Demokraten zu erziehen und ihnen zu helfen, sich in der Gesellschaft zurecht zu finden. Es ist eine hohe Verantwortung, die Lehrkräfte tragen und mit großem Engagement schultern.» Sie ergänzte: «Das ist eine meiner Lektionen, die ich aus diesen ersten sieben Monaten als Kultusministerin gelernt habe.» Als Grund für fehlende Wertschätzung sieht sie, dass Schule zu selbstverständlich geworden sei. «Wir haben nicht mehr diesen Bildungsaufbruch, den wir mal hatten, der ist schon ganz lange her.»

Auch interessant

Kommentare