„Einer von 20 Tischen besetzt“

Testpflicht sorgt für Frust bei Gastronomen - Minister appelliert: „Nicht meckern, machen!“

Zwei junge Frauen sitzen in einem Café  und bekommen einen Kaffee zum Tisch gebracht.
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In manchen Landkreisen Baden-Württembergs dürfen wieder Gäste in die Restaurants kommen - noch war der Ansturm bei einigen Gastronomen jedoch überschaubar.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Eigentlich könnte man meinen, Gastronomen würden nach der Wiederöffnung am Samstag jubeln. Doch die Freude hält sich angesichts strenger Maßnahmen noch in Grenzen.

Stuttgart - Seit Monaten sorgt das Coronavirus in Baden-Württemberg für Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Sinkende Inzidenzen führten nun mancherorts zu Lockerungen für Gastronomie, Handel und Kultur. Seit dem vergangenen Samstag dürfen Gastronomen und Hotelbetreiber in Land- und Stadtkreisen mit einer Inzidenz von 100 an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen wieder öffnen. Die Betriebe dürfen jedoch nur geimpfte, genesene oder getestete Gäste empfangen.

In diesen Stadt- und Landkreisen wurde am Samstag gelockert (aktuelle Inzidenz, Stand 18. Mai):

  • Rhein-Neckar-Kreis (66,4)
  • Heidelberg (37,8)
  • Main-Tauber-Kreis (51,4)
  • Böblingen (86,6)
  • Emmendingen (34,9)
  • Breisgau-Hochschwarzwald (41,0)
  • Konstanz (68,8)

Eigentlich könnte man meinen, die Gastronomen würden nach der langen Durststrecke ohne Aussicht auf Öffnungen jubeln. Doch der Start am Samstag verlief für einige offenbar holprig. „Viele Plätze in den Lokalen sind freigeblieben“, teilte der Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Schwarzwald-Bodensee, Alexander Hangleiter, der Badischen Zeitung mit. „Schwierig war es vor allem bei Spontanbesuchen in Restaurants in Innenstädten. Da waren Gäste oft nicht über die Negativ-Testpflicht im Bilde.“ Ein Restaurant in Freiburg habe ihm mitgeteilt, dass es 20 Tische hätte besetzen können. „Weil die meisten Besucher aber die notwendigen Nachweise nicht hatten, war nur ein Tisch besetzt.“

Lockerungen in Baden-Württemberg: Viele Restaurants müssen sich noch auf Öffnung vorbereiten

Perfekt gelaufen sei es hingegen überall dort, wo reserviert werden musste. „Da haben manche Gäste sogar Bescheinigungen über Tests und Impfungen als Foto vorab geschickt“, so Hangleiter gegenüber der Badischen Zeitung. Viele Betriebe können allerdings erst Mitte oder Ende dieser Woche öffnen, weil sie sich erst vorbereiten und Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückholen müssen.

Horst Müller, Dehoga-Vorsitzender aus dem Bodenseekreis warnt derweil von einem „Landkreis-Hopping“ in Baden-Württemberg, das nun aufgrund der lokalen Öffnungen entstehen könnte. „Der Gast geht da hin, wo er hingehen darf“, sagte er der dpa. „Wenn es blöd läuft, gibt das ein totales Chaos. Dann hat man genau das, was man nicht wollte: viele Menschen am gleichen Ort.“

Manfred Lucha appelliert: „Nicht meckern, sondern machen!“

Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) beharrt einerseits auf dem Öffnungsplan, den die Notbremse in Baden-Württemberg vorsieht. Andererseits räumte er ein, dass man durchaus „zurecht von einem Regelwirrwarr“ sprechen könne, das durch die unterschiedlichen Inzidenzen entstehe. Er erklärt: „Wenn wir Ausnahmen zulassen, verschwimmen die Grenzen und es werden Ungerechtigkeiten gegenüber anderen Landkreisen produziert.“ Die Gerichte hätten dem Land bereits bei den Ausgangssperren eine „kreisscharfe Betrachtung“ auferlegt. „Davon können wir jetzt bei den Öffnungsschritten nicht abweichen. Mein Appell ist jetzt: Nicht meckern, sondern machen!“

Wenig begeistert von den Regeln rund um die 100er-Inzidenz sind laut dpa viele Stadt- und Landkreise rund um den Bodensee sowie im Allgäu. Während Touristen aus Baden-Württemberg wegen Lockerungen im Nachbarland Schweiz für 24 Stunden Einkaufen oder Wandern dürfen, ohne danach in Quarantäne zu müssen, ist im Allgäu oder am Bodensee vielerorts noch keinerlei Tourismus möglich.

Grundsätzlich zeigt sich in der Gastronomie- und Hotel-Branche aber auch eine Menge an positiver Stimmung und Hoffnung, wie ein Dehoga-Sprecher aus Baden-Württemberg gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) betonte. „Nach allem, was wir zurückgespielt bekommen, sind unsere Mitglieder zufrieden in den Regionen, die bereits lockern durften.“

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