Sorge um Corona-Schutzmaßnahmen

EM: Public Viewing alarmiert Virologen - „keine gute Idee“

Fußball EM - Public Viewing in München
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Fußball-EM trotz Corona: Viele Fans feiern ausgelassen beim Public Viewing - und vergessen dabei Schutzmaßnahmen. Virologen bereitet das Sorgen.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Die Fußball-Europameisterschaft ist in vollem Gange. Auch in Stuttgart wird deshalb Public Viewing angeboten. Virologen schauen mit großer Sorge darauf.

Stuttgart/München - Die Fans der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft fiebern derzeit bei der Europameisterschaft mit ihrem Team. Das Turnier findet trotz der Corona-Pandemie in elf verschiedenen Ländern statt. Dank rückläufiger Neuinfektionen mit dem Coronavirus können Fußballverrückte die Europameisterschaft auch in der Öffentlichkeit beim Public Viewing verfolgen.

Allerdings ist Fußball stets mit vielen Emotionen verbunden. Da passiert es schnell, dass sich der eine oder andere Fan nicht mehr so genau an Regeln hält. Im Kreis Esslingen feuerte ein Fußball-Fan beim Deutschlandspiel vor Freude mit einem Gewehr in die Luft. Virologen sorgen sich allerdings aus anderen Gründen. Sie fürchten vor allem, dass die noch geltenden Corona-Schutzmaßnahmen nicht eingehalten werden und durch die Euphorie die Ansteckungswahrscheinlichkeit beim Public Viewing steigt.

EM: Public Viewing macht Virologen in Deutschland Sorgen

Für die Fußball-Europameisterschaft sind nicht nur wieder Fans in den Stadien zugelassen. Auch in der Öffentlichkeit werden die Spiele des Turniers übertragen. In Stuttgart gibt es an mehreren Standorten Public Viewing. Doch Virologen sehen das trotz sinkender Neuinfektionen mit dem Coronavirus kritisch. „Ich verstehe den Drang nach draußen und in die Biergärten. Draußen zu feiern ist sicher besser als in geschlossenen Räumen zu feiern, aber gerade die Begeisterung lässt auch Tröpfchen und Viren fliegen“, erklärt Bernd Salzberger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, der Deutschen Presseagentur.

Die fliegenden Tröpfchen und Viren sind umso fataler, als durch die Begeisterung angesichts der Fußball-Europameisterschaft auch Abstandsregeln und Maskenpflicht von den Fans nicht mehr so genau genommen werden. In Städten wie München waren die Innenstädte, Biergärten und Gaststätten teils brechend voll. „In dieser Situation ist die EM beziehungsweise jede große Veranstaltung vermutlich keine gute Idee“, fürchtet Virologe Bernd Salzberger.

Auch die Münchner Virologin Ulrikte Protzer äußert sich gegenüber der Deutschen Presseagentur zwiegespalten angesichts der Fußball-Europameisterschaft. Grundsätzlich hat sie aber nichts gegen Public Viewing einzuwenden. „Ich denke, in den Biergärten kann man ruhig lockerer sein, da die Infektionszahlen insgesamt ja sehr niedrig sind und damit auch das Risiko gering, dass man jemanden trifft, der infiziert ist“, so die Virologin.

EM: Public Viewing und Fans in Stadien - Euphorie kann gefährlich werden

Auf wenig Gegenliebe bei Verantwortlichen stoßen aktuell allerdings die Fans in den Stadien. Auch in München finden Partien des Turniers statt. Leider haben sich die Zuschauer dort zuletzt nicht mit Ruhm bekleckert. Entgegen ausdrücklicher Vorschrift trugen viele keine FFP2-Masken. Das hatte unter anderem der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek kritisiert.

Auch Bernd Salzberger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, sieht die vollen Stadien zur Fußball-Europameisterschaft nicht gern. „Mit einer gewissen Hoffnung schaue ich auf die niedrigen Inzidenzen in fast ganz Europa“, so Salzberger. „Trotzdem machen mir die vollen Stadien zur Zeit Sorgen. Der Zustand in Großbritannien zeigt, dass wir auch mit dem derzeitigen Stand der Impfung noch nicht sicher sind“, erklärte er der Deutschen Presseagentur.

Virologin Ulrike Protzer hält die Durchführung der Fußball-Europameisterschaft grundsätzlich für vertretbar. „Wir müssen ja langsam wieder in Richtung Normalität zurückkehren“, so die Direktorin des Instituts für Virologie am Helmholtz Zentrum München und an der Technischen Universität München. Dass das Turnier hingegen in elf Ländern stattfindet, sieht sie kritisch. „Ein Risiko sehe ich allerdings für die Ausbreitung von Virus-Varianten, ob der vielen internationalen Gäste, wenn der Abstand beim Schreien nicht eingehalten wird beziehungsweise beim Ein- und Auslass, und dabei keine Masken getragen werden.“

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