Diskriminierende Darstellungen

„Grenze von Spaß überschritten“: Grüne kritisieren „sexistische Abbildungen“ beim Stuttgarter Frühlingsfest

  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Die Grünen kritisieren die Motive einiger Buden auf dem Stuttgarter Frühlingsfest - die Darstellungen seien sexistisch und diskriminierend.

Stuttgart - Seit dem 16. April läuft das Stuttgarter Frühlingsfest „Light“ auf dem Cannstatter Wasen. Nach zweijähriger Pause aufgrund der Einschränkungen durch das Coronavirus in Baden-Württemberg findet das Frühlingsfest in diesem Jahr ohne Maskenpflicht und weiteren Zugangsbeschränkungen statt - allerdings auch ohne Partys und die beliebten Bierzelte. Trotzdem strömen zahlreiche Besucher auf das Festgelände.

Frühlingsfest in Stuttgart: Grüne verurteilen „sexistische Abbildungen“

Am Eröffnungswochenende waren bereits über 200.000 Besucher auf dem Stuttgarter Frühlingsfest. Über die Rückkehr des Festes und seiner Gäste freuten sich besonders die Schausteller, die durch den Wegfall in den vergangenen Jahren stark gelitten haben. Eine erste Bilanz der Fahrgeschäftsbetreiber zeigt auch: Das Frühlingsfest kommt ohne Bierzelte sogar besser an. Viele Familien würden sich ohne „die Betrunkenen“ wohler fühlen. Die Gemeinderatsfraktion der Grünen in Stuttgart kritisiert nun allerdings die Buden der Schausteller, die teilweise nichts Familienfreundliches darstellen würden.

Viele der Buden auf dem Stuttgarter Frühlingsfest sind mit bunten Bildern bemalt, die verschiedene Szenen oder Menschen darstellen. Für die Grünen zeigen einige Motive jedoch „so eindeutig sexistisch und diskriminierend“ Darstellungen, dass diese problematisch und nicht hinnehmbar seien. Die Gemeinderätin Petra Rühle (Grüne) fordert deshalb, dass sofort all die Darstellungen, bei denen es möglich sei, abgehängt werden sollten. „Wir wollen selbstverständlich niemandem den Spaß nehmen. Aber wenn auf einer Abbildung einer Frau die Kleider vom Leib gerissen werden und das als Belustigung gesehen wird, wird definitiv eine Grenze von Spaß und Brauchtum überschritten“, betont Rühle gegenüber dem SWR.

Viele Kirmes-Buden auf dem Stuttgarter Frühlingsfest sind mit bunten Bildern bemalt. Die Grünen kritisieren, dass einige Motive sexistisch und diskriminierend seien.

Die Gemeinderatsfraktion habe nun zwei Anträge gestellt. In einem Antrag gehe es um eine Abbildung, die schon nahezu einem Aufruf zur Vergewaltigung gleichkomme. Im zweiten Fall ginge es darum, dass beim nächsten Frühlingsfest die Verträge diesbezüglich genauer ausgestaltet werden sollten, so Rühle. Ähnliche Kritik gab es bereits auch 2019 beim historischen Volksfest. Für den Cannstatter Wasen im September verbietet die Stadt Stuttgart die Attraktion „Dame ohne Unterleib“ und „Frau ohne Kopf“ wegen möglicher Diskriminierung. Auch die

Schausteller auf Stuttgarter Frühlingsfest prüfen Abbildungen

Laut den Grünen habe die Stadt Stuttgart bereits damals zugesagt, dass dafür gesorgt werde, dass in den Verträgen mit den Schaustellerinnen und Schaustellern untersagt wird, mit diskriminierenden Bildern zu werben. Die angemahnten Stände wollen sich die Schausteller nun genauer anschauen, wie der Schaustellerverband mitteilte. Man wolle auf die Gemeinderatsfraktion der Grünen zugehen, um die Sexismusvorwürfe zu klären, sagte der Vorsitzende der Schausteller in Baden-Württemberg, Mark Roschmann.

Auf Facebook äußern sich ebenfalls einige Nutzer darüber, dass sie die Abbildungen sehr befremdlich finden. „Ich finde es gut, die Bilder zu checken“, schreibt eine Userin und ergänzt, dass viele Motive nicht zeitgemäß seien. Viele andere Nutzer können die Debatte jedoch nicht nachvollziehen und sehen keine Probleme bei den Darstellungen. Auch die Schausteller auf der Mannheimer Messe reagieren mit Unverständnis auf die Kritik der Grünen, wie MANNHEIM24 berichtet. Die Buden und Fahrgeschäfte seien seit über 30 Jahren so bemalt, bislang habe sich noch niemand beschwert.

Rubriklistenbild: © Bernd Weißbrod/dpa

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