"Keine Infektionen bekannt"

Öffnung von Freibädern nicht in Sicht: Betreiber warnen vor Ansturm auf Badeseen

Zwei Frauen plantschen mit ihren Füßen im Wasser.
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Die Freibadsaison 2021 könnte noch einmal von Einschränkungen geprägt sein.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Freibäder in Baden-Württemberg bereiten sich auf eine mögliche Öffnung vor - obwohl es vonseiten der Politik noch keine klare Ansage gibt. Die Betreiber der Bäder warnen vor überfüllten Badeseen, sollte eine Öffnung verboten werden.

Stuttgart - Für Wasserratten ist der 1. Mai normalerweise ein ganz besonderes Datum. Denn jährlich öffnen an diesem Tag die ersten Freibäder im Land ihre Türen für Besucher. Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg steht die Wiedereröffnung der Bäder nun auf der Kippe. Das Problem: Die aktuelle Corona-Verordnung des Landes gestattet den Betrieb nur in Ausnahmefällen, etwa für den Leistungssport. Trotzdem wollen die Bäder im Südwesten die Saison noch nicht abschreiben und bereiten sich auf den Fall der Öffnung vor.

In der Landeshauptstadt Stuttgart hofft ein Freibad-Chef, dass es doch noch irgendwie klappt. „Eine Öffnung braucht acht Wochen Vorlauf“, erklärte Arvid Donert, der das Inselbad in Stuttgart betreibt, der Deutschen Presseagentur (dpa). Obwohl derzeit noch keine Öffnung in Sicht ist, bringt Donert sein Freibad auf Vordermann - für den Fall der Fälle. Er reinigt die Becken, pflegt die Liegeflächen, bereitet die Technik vor. „Wäre der Badebetrieb jetzt wieder erlaubt, wären wir in zwei Wochen startklar“, so Donert. Ähnlich geht es auch anderen Bädern in der Region, die schon in den Startlöchern stehen.

Freibäder in Stuttgart und Baden-Württemberg: Experten kritisieren fehlende Öffnungsperspektiven

Dass es aktuell noch keine Öffnungsperspektiven für Freibäder gibt, betrachten die Bäderbetriebe kritisch. Eigentlich sei das Ansteckungsrisiko in den Bädern recht gering, wie der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) betont. So sehen Aerosol-Forscher im Freien ein sehr geringes Risiko für die Übertragung des Virus. „Und auch aus der Praxis im vergangenen Jahr sind uns keine Infektionen bekannt“, sagt eine Verbandssprecherin.

Freibad-Chef Arvid Donert fürchtet schlimme Folgen, wenn die Bäder geschlossen bleiben. „Bei 30 Grad im Schatten werden die Menschen wie im vergangenen Jahr Abkühlung in Badeseen suchen, wo jegliche Hygienekonzepte fehlen“, so Donert. Szenen wie im vergangenen Sommer, als 10.000 Menschen an einen Badesee in Baden-Württemberg stürmten, sollten sich eigentlich nicht wiederholen.

Auch der VKU plädiert deshalb für eine Öffnung der Freibäder: „Bundes - beziehungsweise Landesregierung sollten sich fragen, ob sie lieber solche schwer zu kontrollierenden Bademöglichkeiten riskieren wollen oder den unbeschwerten Badespaß unter kontrollierten Abstands- und Hygieneauflagen in den Bädern.“

Freibäder in Stuttgart und Baden-Württemberg: Bringt Coronavirus eine „Generation der Nichtschwimmer“ hervor?

Inselbad-Chef Donert betonte gegenüber der dpa, dass gerade in Zeiten von eingeschränkten Reisemöglichkeiten Freibäder eine enorm wichtige Funktion für die Bürger hätten. „Freibäder sind soziale Orte, in denen sich Menschen aller Milieus von der Akademikerin bis zum Handwerksmeister austauschen“, pflichtet ihm die VKU-Sprecherin bei. Auch der Schwimmerverband Württemberg fürchtet fatale Auswirkungen durch die anhaltende Schließung der Bäder - und spricht sogar davon, dass Corona eine „Generation Nichtschwimmer“ hervorbringen könnte. Seit März 2020 seien Anfängerkurse kaum möglich gewesen.

Donert betonte gegenüber der dpa, dass er so manche Maßnahme auch nach der Corona-Zeit beibehalten werde. Mit dem Online-Ticket sei es auch in Zukunft möglich, Besucherströme zu entzerren. Bei bis zu 14.000 Besuchern am Tag bildeten sich in der Vergangenheit Hundert Meter lange Schlangen. Die Pandemie hat die Finanzlage der Bäder drastisch verschlechtert. Dem VKU zufolge vergrößerten sich die gewöhnlichen Verluste um 100.000 bis mehrere Millionen Euro.

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