Abstandsmessung

Wenn ihr am Flughafen Stuttgart unterwegs seid, werdet ihr ab jetzt genau beobachtet

  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
    schließen

Das Coronavirus wird oft von Reisenden nach Baden-Württemberg eingeschleppt. Am Flughafen Stuttgart soll eine besondere Maßnahme die Ausbreitung des Virus verhindern.

  • Am Flughafen Stuttgart werden Passagiere jetzt mit speziellen Sensoren überwacht.
  • Die Sensoren messen den Abstand zwischen den Personen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.
  • Mithilfe der Daten können Ansammlungen von Passagieren erkannt und künftig vermieden werden.

Stuttgart - Im Flughafen Stuttgart und den Flugzeugen gelten ebenso Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg, wie an anderen Orten oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Das ist auch vernünftig, denn besonders die Reiserückkehrer haben zuletzt die Neu-Infektionen in Baden-Württemberg verdoppelt. Dadurch stieg die Zahl der Infektionen deutlich an und kam dem kritischen Punkt gefährlich nahe, ab welchem ein neuer Lockdown droht.

Vor dem Corona-Testzentrum am Flughafen Stuttgart bildeten sich bereits lange Schlangen, weil sich bis zu 2.000 Passagiere am Tag dort testen lassen wollen. Die Zahl der Reisenden, die aus dem Ausland nach Baden-Württemberg zurückkehren, sorgt auch wegen der kostenlosen Tests bei einigen für Unmut. Ein FDP-Politiker forderte deshalb, dass Rückkehrer aus Risikogebieten den Corona-Test selbst zahlen sollen. Neben dem Corona-Testzentrum hat sich der Flughafen Stuttgart jetzt eine weitere Maßnahme einfallen lassen, um Neu-Infektionen mit dem Coronavirus zu verhindern.

Flughafen Stuttgart - Sensoren prüfen Abstand zwischen Passagieren, um Ansammlungen zu verhindern

Der Flughafen Stuttgart nutzt europaweit als einer der ersten Airports Sensoren, um den Abstand zwischen Passagieren zu überprüfen. Damit sollen überfüllte Orte im Gebäude der Terminals am Flughafen Stuttgart identifiziert und in der Folge eine neue Wegeführung geplant werden. Denn überall, wo sich zu viele Passagiere tummeln, werden die Abstände weniger eingehalten und das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigt.

Im Terminal 1 des Flughafen Stuttgart warten Passagiere auf die Sicherheitskontrolle.

Es geht dabei um eine mittel- bis langfristige Optimierung, wie eine Sprecherin des Flughafens gegenüber BW24 erklärt. Ziel sei es nicht, unmittelbar auf Menschenansammlungen zu reagieren und diese zur Einhaltung der Abstandsregel aufzufordern. „Wir können jetzt schon feststellen, dass die Passagiere sich an Bodenmarkierungen halten“, erklärte Riccarda Mark vom Flughafen Stuttgart der dpa. Solche Bodenmarkierungen könnten dann zusätzlich angebracht werden, sobald weitere Orte, an denen sich viele Passagiere sammeln, durch die Sensoren identifiziert werden konnten.

Sensoren am Flughafen Stuttgart: Geräte wurden modifiziert, um Standort einzelner Passagiere festzustellen

Die 140 Sensoren befinden sich dabei im öffentlichen Bereich des Flughafens Stuttgart bis zur Sicherheitskontrolle, so eine Sprecherin zu BW24. Eigentlich werden die Sensoren eingesetzt, um Wartezeiten bei der Sicherheitskontrolle zu verbessern. Techniker haben die Geräte jetzt aber so modifiziert, dass sie den Standort einer Person mit einer Genauigkeit von zwanzig Zentimetern anzeigen können, so ein Sprecher zur dpa. Auf Basis der Daten kann die Betreiberfirma am Computer eine Übersichtskarte der Orte erstellen, an denen sich Passagiere am Flughafen besonders zahlreich sammeln.

Das Programm, das die Daten auswertet, kann sogar den durchschnittlichen Abstand aller Passagiere im gesamten Flughafen Stuttgart errechnen. Beim Datenschutz hat der Flughafen indes keine Bedenken: „Auf dem Sensor werden keine persönlichen Informationen erfasst - alle Menschen erscheinen nur als anonymer Punkt“, so ein Flughafensprecher gegenüber der dpa. Im Boarding-Bereich des Flughafens gibt es bislang noch keine Sensoren. Momentan gäbe es dort allerdings auch nur 30 Prozent des sonst üblichen Verkehrs, so eine Sprecherin zu BW24.

Rubriklistenbild: © Sven Friebe/dpa/picture alliance

Kommentare