Baden bei Lebensgefahr

Strudel, Krankheitserreger, Untiefen: Diese Flüsse und Seen in Baden-Württemberg können zur Todesfalle werden

  • Anna-Lena Schüchtle
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Wegen der Schutzmaßnahmen wegen des Coronavirus sind viele Freibäder in Baden-Württemberg überfüllt. Bei sommerlichen Temperaturen drängen die Menschen daher an Badeseen. Manche suchen sich auch nicht ausgewiesene Badestellen an Seen, Teichen und Flüssen - das kann unter Umständen lebensgefährlich sein.

  • Freibäder sind zur Zeit aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg überfüllt.
  • Abkühlung versprechen auch Badeseen, wo es aber ebenfalls immer mehr Menschen hinzieht.
  • Nicht ausgewiesene Badestellen bergen große Risiken und können zum Teil lebensgefährlich sein. Das Baden im Rhein oder Neckar wird nicht empfohlen und ist an bestimmten Stellen sogar verboten.

Stuttgart - Eine Hitzewelle überrollt derzeit Baden-Württemberg und die Landeshauptstadt Stuttgart. Am Freitag und Samstag werden die bislang heißesten Tage des Jahres erwartet, die auch eine Gefahr mit sich bringen. Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad zieht es viele Menschen im Südwesten an Gewässer, wo sie sich Abkühlung versprechen. Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg ist das mit Freibädern derzeit jedoch eine kniffelige Angelegenheit.

Nur eine bestimmte Anzahl von Menschen hat derzeit überhaupt Zutritt zu den Freibädern - meist müssen Tickets schon Tage vorher online erworben werden. Das scheint einigen zu umständlich zu sein. Wer auf die Einschränkungen durch den Besuch eines Freibads keine Lust hat oder keines der begehrten Tickets ergattern konnte, muss sich ein anderes Gewässer zur Abkühlung suchen. Das hat zur Folge, dass Badeseen in ganz Baden-Württemberg bei sommerlichen Temperaturen überfüllt sind - so jüngst geschehen an einem Wochenende am Breitenauer See bei Obersulm, wo etwa 10.000 die Gemeinde im Chaos versinken ließen.

Polizei warnt - Baden im Neckar ist im gesamten Stadtgebiet von Stuttgart verboten

Doch nicht nur aufgrund der Nichteinhaltung der vorgeschriebenen Abstandsregeln zum Schutz vor dem Coronavirus können Gewässer wie Seen zu einer Gefahr werden. Laut Deutscher Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) starben 2019 in Baden-Württemberg 37 Menschen durch Ertrinken. Die mit Abstand meisten Unfälle passieren in Flüssen, Seen und Teichen, heißt es in einem Bericht der Badischen Zeitung. Zudem seien die Einsatzkräfte in den Touristengebieten, speziell am Bodensee, aktuell stark gefordert, wie Ludwig Schulz vom badischen Landesverband der DLRG zitiert wird. Die Zahl der Einsätze sei dort in den vergangenen Wochen überdurchschnittlich hoch gewesen.

Wo mehr Menschen sind, geschehen an einem Gewässer jedoch auch mehr Unfälle. In Stuttgart besteht zudem das Problem, dass der nächstgelegene Badesee mindestens 30 Minuten Autofahrtzeit entfernt liegt - den bekannten Stuttgarter Verkehr nicht mit eingerechnet. Anders als beispielsweise an der Isar in München, gibt es in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg auch kein Flussufer, das den Stadtbewohnern einen abkühlenden Sprung ins Wasser ermöglicht. Das Baden im Neckar ist im gesamten Stadtgebiet einschließlich dem Max-Eyth-See strikt untersagt.

Das gilt im Übrigen für einige Streckenabschnitte des Neckars außerhalb der Stadt, warnt die Wasserschutzpolizei Stuttgart in aus aktuellem Anlass . „Corona bedingt bleiben dieses Jahr viele Menschen zu Hause und nutzen bei hochsommerlichen Temperaturen den Neckar zum Baden und Schwimmen“, heißt es in einer Meldung. Der Neckar stehe jedoch nicht für ungetrübten und einfachen Badespaß. Selbst an den Stellen, wo das Baden zwar erlaubt ist, ist es „nicht wirklich empfehlenswert“.

Risiko-Gewässer Rhein - Strömungen, Strudel und Sogwirkungen

Baden im Neckar und anderen Gewässern in Baden-Württemberg kann lebensgefährlich sein

Laut Wasserschutzpolizei taugt der Neckar in Baden-Württemberg beispielsweise aufgrund seiner Wasserqualität nicht zum Badegewässer, weshalb es auch keine ausgewiesenen Badestellen gibt. Kläranlagen leiten ihr Abwasser in den Fluss. Dieses ist zwar gereinigt, kann aber dennoch gesundheitschädigende Krankheitserreger enthalten. Solche können auch durch Industrieabwasser oder Ratten auf die Qualität des Wassers negativ beeinflussen. Ein Risiko stellt zudem ein reger Verkehr von Schiffen und Booten für Badende in dem Gewässer dar. Die Wasserschutzpolizei Stuttgart weist darauf hin, dass das Schwimmen und Baden in bestimmten Bereichen aus unterschiedlichen Gründen lebensgefährlich und nicht erlaubt ist.

Ein Bad in einem Fluss sollte laut DLRG ohnehin gut überlegt sein. Durch ihre Strömung würden Flüsse ein erhöhtes Gefahrenpotential bergen. Ein ruhiger, gemächlich fließender Fluss könne binnen weniger Meter zu einem stark reißenden Wildwasser werden. Strudel und Sogwirkungen in einem solchen Gewässer stellen ebenfalls eine Gefahr dar, wie die Badische Zeitung schreibt und bezieht sich dabei insbesondere auf das Baden und Schwimmen im Rhein, das immer wieder Todesopfer fordert. In Baden-Württemberg sei das Baden im Rhein laut des Berichts am Wasserkraftwerk Augst, bei der alten Rheinbrücke Rheinfelden sowie bei den Stromschnellen der Isteiner Schwellen besonders gefährlich.

Risiko an Flüssen, Seen und Teichen - Baden kann lebensgefährlich sein

Doch nicht nur das Baden an nicht ausgeschriebenen Stellen von Flüssen in Baden-Württemberg, birgt ein Risiko. In einem stillen Gewässer wie einem See oder Teich bestehen Gefahren in Form von steil abfallenden Ufern, Wasserpflanzen oder Unrat, wie die DLRG informiert: „Felsen, Pfähle, Baumstümpfe, Mauerreste und Unrat unter der Wasseroberfläche stellen für den Wassersporttreibenden ein erhebliches Verletzungsrisiko dar.“ Schlammiger Boden und brusttiefes Wasser seien unter Umständen sogar lebensgefährlich, da der Versuch freizukommen, zu weiterem Absinken führen kann.

Erst diese Woche gab es in Baden-Württemberg einen tragischen Badeunfall bei Sigmaringen, bei dem ein achtjähriges Mädchen verstarb. Dabei sei das Kind in das tiefere Gewässer vorgedrungen und in dem schnell abfallenden Badesee untergegangen. Aufgrund von gesundheitsschädlicher Wasserqualität warnte die EU zudem vor dem beliebten Goldscheuer Badesee in Kehl. Prüfer des Gesundheitsamts fanden darin Fäkalbakterien, die bei Menschen Krankheiten verursachen können. Ähnliches gilt für einen weiteren beliebten See in Baden-Württemberg. Trotz Badeverbot und Gesundheitsgefahr gehen dort manche Besucher dennoch schwimmen.

Rubriklistenbild: © Foto: Uwe Anspach/dpa

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