Querdenken-Demo in Stuttgart

„Wahrheit bereitet immer Schmerzen“: So fielen die Veranstalter der Corona-Demo auf Florian Schroeder rein

„Mein Name ist Schroeder, ich komme aus dem Mainstream“: Der Kabarettist, hier in der Show „Mensch Gottschalk - Das bewegt Deutschland“, tritt in Stuttgart bei einer Anti-Hygiene-Demo auf.
+
„Mein Name ist Schroeder, ich komme aus dem Mainstream“: Der Kabarettist, hier in der Show „Mensch Gottschalk - Das bewegt Deutschland“, tritt in Stuttgart bei einer Anti-Hygiene-Demo auf.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
    schließen

Während seines Auftritts bei einer Anti-Corona-Demonstration der Querdenker wurde Kabarettist Florian Schroeder ausgebuht. Im Netz bekommt er überwiegend Lob. Doch wie kam es dazu, dass er überhaupt eingeladen wurde?

  • Florian Schroeder absolvierte einen provokanten Auftritt bei einer Anti-Corona-Demonstration der Bewegung Querdenker in Stuttgart.
  • Die Organisatoren der Veranstaltung luden den Kabarettisten wegen eines Missverständnisses ein.
  • Auf Social Media bekommt der Kabarettist viel Lob, jedoch auch Kritik.

Stuttgart - „Mein Name ist Schroeder und ich komme aus dem Mainstream“ - mit diesem Satz begann Kabarettist Florian Schroeder seinen Auftritt bei einer Anti-Corona-Demonstration der Initiative „Querdenken“ am Samstag in Stuttgart. Die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg gilt als Gründungsort und Hochburg der Bewegung, die insbesondere die Einschränkungen wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg kritisiert und sich für die „Wiederherstellung des Grundgesetzes" einsetzt, wie sie selbst sagt.

Auch ein immer wieder angesprochener Streitpunkt der Initiative: das Thema Meinungsfreiheit. Wie viele andere Artikel des Grundgesetzes sei auch diese durch die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg eingeschränkt - ein Grund, weshalb wohl Florian Schroeder zu der Kundgebung in Stuttgart eingeladen wurde.

Missverständnis beim Veranstalter: Anti-Corona-Initiative lädt Florian Schroeder zu Demonstration ein - der Kabarettist provoziert

Florian Schroeder hatte, wie er selbst auf der Bühne sagte, während eines Auftritts beim „NDR-Mainstream-Fernsehen“ ohne Publikum „die Gelegenheit genutzt, um die Wahrheit zu sagen“. Dass der Kabarettist bei besagtem Auftritt nur den Verschwörungstheoretiker mimte, ließ er in Stuttgart zu diesem Zeitpunkt unerwähnt.

Insbesondere, da dieser Auftritt mutmaßlich der Grund war, weshalb sich die Organisatoren der Querdenken-Demonstration in Stuttgart überhaupt für ihn interessierten. Im Internet kursierte im Vorfeld ein Ausschnitt seines NDR-Auftritts, aus dem nicht klar hervorgeht, ob es sich dabei um Satire handelte.

Auf der Bühne in Stuttgart wahrte Florian Schroeder zunächst den Schein und erhielt dementsprechend Beifall und Jubelrufe aus dem Publikum. Doch schon bald stellte sich heraus, dass sein wahres Anliegen ein anderes war, als sich Veranstalter und Publikum wohl erhofft hatten. „Ich habe heute den Querdenkern in Stuttgart einen kleinen Besuch abgestattet und mal die Grenzen ihrer Meinungsfreiheit ausgetestet“, erklärt der Moderator anschließend auf seinem Twitter-Account.

Wenn wir irgendeine Form von Diktatur hätten, dann dürftet Ihr euch hier gar nicht versammeln, dann dürftet Ihr hier gar nicht stehen. 

Florian Schroeder bei seinem Auftritt bei der Querdenken-Demonstration in Stuttgart

Im Laufe seines provokanten Auftritts nahmen die Beifallsbekundungen des Publikums immer mehr ab und wichen stattdessen Buh-Rufen und Pfiffen. Spätestens als Florian Schroeder offen zugab, dass er der Auffassung sei, dass Corona eine hochgefährliche, ansteckende Krankheit sei, und er „der Überzeugung ist, dass Maskentragen und Abstandhalten das Wichtigste und Beste ist, was wir in diesen Tagen tun können“, reagierten die Teilnehmer der Demonstration überwiegend ablehnend.

Lob und Kritik aus dem Netz: Provokanter Auftritt von Florian Schroeder erhält überwiegend Zustimmung

Bereits kurz nach seinem Auftritt in Stuttgart postete Florian Schroeder ein Video seiner Darbietung auf YouTube. Sowohl dort als auch auf Twitter bekommt der Kabarettist viel positives Feedback für seinen Auftritt. „Florian Schroeder: Meinen Respekt haben Sie! Ich wünschte mehr Personen des öffentlichen Lebens würden sich dieser Form des Protests bedienen und so einen Gegenpol bilden“, schreibt ein Kommentator unter dem Video.

Ebenfalls Auf YouTube: „Die Leute, die da buhen, beweisen eigentlich nur, dass sie nicht auf einen Diskurs aus sind, sondern einfach ihre Meinung bestätigt haben wollen“. Ein anderer: „Wahrheit bereitet immer Schmerzen bei dem, der sie nicht aushält“.

Ich wünschte mehr Personen des öffentlichen Lebens würden sich dieser Form des Protests bedienen und so einen Gegenpol bilden. Es wird zu viel ausgehalten und nicht entgegen gesteuert. Zur Vernunft rufen, solange es noch bei einem Großteil der Demonstranten Gehör findet, ist ein wichtiger Schritt zur Deeskalation.

Kommentator auf YouTube

Doch nicht alle haben ausschließlich oder überhaupt Lob für den Auftritt von Florian Schroeder in Stuttgart übrig. „Keine Fakten, nur Provokation und Beleidigung. Das ist kein demokratischer Prozess, das ist der Versuch, die andere Seite zu erniedrigen. Das trennt noch mehr statt zu verbinden“, schreibt ein Kommentator unter dem Video von Florian Schroeder auf YouTube.

„Die Meinung von Florian Schroeder muss man also ertragen, ausbuhen darf an ihn aber nicht. Klingt eher nach Lukashenko “, heißt es in einem Tweet in Anlehnung an die jüngste Präsidentschaftswahl des umstrittenen weißrussischen Machthabers Aleksander Lukashenko.

„Wenn er denkt, dass andere Menschen ihn für den Messias halten könnten, scheint irgendwas in seiner Wahrnehmung recht merkwürdig zu laufen“, kommentiert ein anderer unter Schroeders Video auf YouTube und bezieht sich auf ein Statement des Kabarettisten gegenüber der Deutschen Presseagentur. „Die hielten mich für ihren Messias, für einen Überläufer“, erklärte Florian Schroeder den Grund für seine Einladung bei Querdenken.

Hochburg für Anti-Corona-Protest: In Stuttgart wird seit Monaten gegen die Maßnahmen wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg demonstriert

Laut Deutscher Presseagentur habe Florian Schroeder lange gezögert, eher er entschieden habe, die Einladung zur Demo anzunehmen: „Es ist die Pflicht eines Satirikers in dieser Zeit, genau so eine Aktion zu nutzen, um damit ein Stück Aufklärung zu betreiben», wird der Kabarettist zitiert. Auch Winfried Kretschmann hatte sich bereits zu den wilden Verschwörungstheorien einiger Demonstranten geäußert und eine klare Botschaft für sie. Bei den Demonstrationen in Stuttgart wurden sogar Symbole und Sprüche aus der Nazi-Zeit gezeigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare