Belastung durch Abgase und Kessellage

Feinstaub in Stuttgart: Was hat die Luftqualität mit dem Wetter zu tun?

Ein Auto-Auspuff stößt Abgase aus
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Durch das Wetter in Stuttgart war die Belastung mit Feinstaub viele Jahre lang enorm hoch

In Stuttgart war Feinstaub durch das ortstypische Wetter und die Lage im Talkessel einige Jahre ein großes Problem. Inzwischen zeigen die Gegenmaßnahmen Erfolg.

  • Die Belastung durch Feinstaub war in Stuttgart wegen Kessellage und Verkehr lange hoch
  • Die Messstellen in der Stadt erfassen Schadstoffe in der Luft, zum Beispiel an der Station „Am Neckartor“
  • Der Stuttgarter Feinstaub-Alarm hat Wirkung gezeigt

Stuttgart - Das Wetter in Stuttgart ist durch die Lage im Talkessel angenehm mild und warm. Doch die Kessellage hat auch Schattenseiten. Die Belastung mit Feinstaub war lange Zeit ein großes Problem in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg. In Stuttgart hat es in der Vergangenheit wiederholt große Probleme durch Schadstoffe in der Luft gegeben.

Landesregierung und Stadtverwaltung haben sich deshalb das Ziel gesetzt, die Luftqualität zu verbessern und die Belastung durch Feinstaub in Stuttgart zu senken. Daher wird mehr in den verbesserten Nahverkehr sowie in Fahrrad- und Gehwege investiert.

Wetter in Stuttgart: Mit dem Feinstaub-Alarm treten strenge Regelungen in Kraft

Das Wetter im Talkessel von Stuttgart lässt sich nicht ändern, doch die Stuttgarter tun viel für die Luftreinhaltung. Die Folgen zeigen sich in den reduzierten Fällen von Feinstaub-Alarm. Dieser Alarm erfolgt, wenn die Experten vom Deutschen Wetterdienst für mindestens zwei Tage nacheinander einen unzureichenden Luftaustausch vorhersagen und der Anteil der Schadstoffe und Feinstaub-Partikel in der Luft ansteigt.

Das Wetter hat einen hohen Einfluss auf den Feinstaub in Stuttgart. So wäscht Regen die Schmutz-Partikel aus der Luft. Niederschlag gibt es in Stuttgart aufgrund der geschützten Lage im Talkessel und der Nähe zum Schwarzwald allerdings selten.

Die Stadt Stuttgart sowie das Bundesland Baden-Württemberg empfehlen den Einwohnern und Pendlern aus Stadt und Umland, bei Feinstaub-Alarm das eigene Fahrzeug stehenzulassen und stattdessen umweltfreundliche Alternativen zu nutzen. Dafür stehen bei ungünstigem Wetter die öffentlichen Verkehrsmittel zur Verfügung.

Auf das Fahrrad oder auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, ist nicht allen Einwohnern von Stuttgart möglich, doch man kann beispielsweise Fahrgemeinschaften bilden. Außerdem ist bei Feinstaub-Alarm gemäß einer Verordnung die Inbetriebnahme von Komfort-Kaminen untersagt. Lediglich Kamine für die Grundversorgung dürfen in den Perioden mit hoher Belastung durch Feinstaub genutzt werden.

Maßnahmen gegen Feinstaub in Stuttgart zeigen Wirkung - die Luftqualität verbessert sich

Das Wetter in der Landeshauptstadt hat schon seit Jahrzehnten zu einer hohen Feinstaub-Belastung geführt. Durch die Kessel-Lage bildet sich im Winter mehr Nebel, die Luftfeuchtigkeit in Stuttgart steigt. An den Staub- und Rauchteilchen in der Luft setzen sich Wassertropfen ab. Dieser Nebel wiederrum verhindert, dass sich die Feinstaub-Partikel zerstreuen - ein Teufelskreis entsteht.

Die Maßnahmen gegen Feinstaub in Stuttgart zeigen seit 2018 immer bessere Ergebnisse. Die Messstationen in der Landeshauptstadt prüfen ständig, ob die gesetzlichen Grenzwerte an diesen wichtigen Verkehrsstellen überschritten werden. Der zugrundeliegende Grenzwert liegt bei 50 Mikrogramm pro m³ Luft.

Von der verantwortlichen Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, kurz LUBW, wurden für das Jahr 2018 insgesamt 20 Überschreitungstage bei Feinstaub an der Messstelle „Am Neckartor“ festgestellt. Im folgenden Jahr stieg die Zahl der Überschreitungstage auf 27. Auch dieser Wert bleibt noch unter den gesetzlich zulässigen 35 Überschreitungstagen. 2017 wurden noch 41 Überschreitungstage erfasst.

Ein Blick auf die früheren und aktuellen Messwerte bei Feinstaub lässt ebenfalls die Verbesserung in Stuttgart erkennen. Im Vergleich zu früheren Jahren zeigt sich der allmähliche Rückgang der Schadstoffe in der Luft. In den Jahren bis 2012 war die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg der Spitzenreiter in Bezug auf die Feinstaub-Werte.

Danach verbesserte sich die Situation im Bezug auf den Feinstaub in Stuttgart. Beim genaueren Hinsehen fällt auf, dass die mittleren Jahresgrenzwerte schon seit 2011 eingehalten werden, und zwar an allen Stationen. Der zulässige Jahresmittelgrenzwert liegt bei 40 Mikrogramm pro Quadratmeter Luft, wie beim LUBW nachzulesen ist.

Feinstaub in Stuttgart: Diese Gegenmaßnahmen trifft die Stadt

Im Jahr 2012 belegte Stuttgart noch den ersten Platz im deutschlandweiten Feinstaub-Ranking. Die vielen Hinweise von Fachleuten und besorgten Bürgern verstärkten den Wunsch, etwas dagegen zu unternehmen. Die Feinstaub-Partikel sind ein großes gesundheitliches Risiko- Aus diesem Grund kam es zu verschiedenen Gegenmaßnahmen:

  • periodische Fahrverbote für Lkw und ältere Diesel
  • Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs
  • Einführung von Luftmessungen durch mehrere Stationen
  • Optimierungen für flüssigen Verkehr
  • mehr Grünflächen
  • Einsatz von Luftfiltersäulen
  • verbesserte Straßenreinigung
  • Feinstaub-Alarm

Wetter in Stuttgart: Feinstaub-Alarm wird abgeschafft

Durch das umweltbewusste Handeln bleiben die gemessenen Schadstoffwerte und Überschreitungstage in Stuttgart im zulässigen Bereich. Darum haben sich die Verantwortlichen dazu entschieden, den Feinstaub-Alarm im April 2020 abzuschaffen. Der aktuell amtierende Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn (64) von den Grünen veröffentlichte diese Mitteilung. Damit entfällt der 2016 ins Leben gerufene Feinstaub-Alarm in Zukunft.

Bei erneuten Problemen mit Feinstaub sind die Stuttgarter gut gerüstet. Die Messstationen tun weiterhin ihren Dienst und zeigen an, ob spezielle Maßnahmen erforderlich sind, um die Schadstoffwerte zu senken. Mit den bisherigen Erfahrungswerten in Stuttgart ist bei hohen Feinstaub-Werten eine schnelle Reaktion möglich. So sollte es bei normalem Wetter keine großen Probleme mehr mit Feinstaub geben.

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