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Fake-Plakate von FDP-Chef Lindner in Stuttgart - „Kein Geld für ÖPNV? Sollen sie doch Porsche fahren“

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Von: Nadja Pohr

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Fake-Plakat zeigt Christian Lindner und dem Spruch „Kein Geld für den ÖPNV? Dann sollen sie doch Porsche fahren“ in Stuttgart
Auf den Plakaten in Stuttgart ist FDP-Chef und Finanzminister Christian Lindner mit den Worten: „Kein Geld für ÖPNV? Sollen sie doch Porsche fahren.“ abgebildet. © Screenshot Twitter/@Felix_Greylich

Seit einiger Zeit tauchen in deutschen Großstädten vermeintliche Werbeplakate der FDP mit Christian Lindner darauf auf. Nun auch in Stuttgart. Es handelt sich dabei jedoch um eine Fake-Aktion eines Künstler-Kollektivs.

Stuttgart - Plakate gelten als bewährte Methode, um die Bürger auf Veranstaltungen, Meinungen oder Werbung aufmerksam zu machen. Oft steht hinter einem Werbeplakat auch die Absicht, zu polarisieren. So sorgte kürzlich die Kampagne von „Das Handwerk“ wegen ihrer provokanten Sprüche für Aufsehen. Insbesondere vor Wahlen in Bundesländern oder zu Bundestagswahlen werden die Städte in Deutschland mit den Wahlversprechen der Parteien dekoriert.

So manche Parole, die auf den Partei-Plakaten zu lesen ist, regt dabei auch zu Diskussionen bei den Bürgern an. Vor einigen Wochen wurde in Düsseldorf ein Wahlplakat entdeckt, das auf den ersten Blick von der Freien Demokratischen Partei (FDP) zu stammen scheint. Darauf abgebildet ist FDP-Chef und Finanzminister Christian Lindner mit den Worten: „Kein Geld für ÖPNV? Sollen sie doch Porsche fahren.“ Das Wahlplakat ist in den klassischen Werbefarben Gelb und Magenta gehalten, auch das Partei-Logo ist zu sehen. In Wahrheit handelt es sich dabei allerdings um einen Fake.

Fake-Plakate von Christian Lindner nun auch in Stuttgart aufgetaucht

Die zum Verwechseln ähnlichen Plakate stammen von dem Künstler-Kollektiv „Dies Irae“ (dt.: Tag des Zornes). Mit dem Plakat soll Christian Lindners Spruch zur „Gratismentalität“ bezüglich eines 9-Euro-Ticket-Nachfolgers an den Pranger gestellt werden. Aber auch auf die Abgehobenheit und die „Klientelpolitik“ der FDP möchte das Kollektiv mit den Plakaten aufmerksam machen. Nun wurden sie auch in der Landeshauptstadt Stuttgart gesichtet.

In der Innenstadt, am Hauptbahnhof Stuttgart sowie an der Haltestelle am Rathaus sind die Plakate des Kollektivs zu sehen, wie die Stuttgarter auf Twitter berichten. „An der VVS-Haltestelle Rathaus sind ehrliche FDP-Plakate aufgetaucht“, schreibt ein Nutzer dazu. „Sehr cool“, kommentiert darunter ein weiterer. „Vermutlich die einzige Stadt Deutschlands, in der er damit am Ende noch Wählerstimmen gewinnt“, schreibt ein anderer User scherzend. Die Fake-Plakate sorgten allerdings auch schon für reichlich Kritik. „Solche Fälschungen sind nicht lustig, sondern toxisch“, kommentierte ein Nutzer unter anderem. Und auch der Staatsschutz ermittelt bereits gegen die Urheber „Dies Irae“, wie der WDR berichtete.

Künstler-Kollektiv betreibt „Adbusting“ schon seit mehreren Jahren

Bei den umstrittenen Werbeplakaten handelt es sich um sogenanntes „Adbusting“. Dabei wird Werbung im öffentlichen Raum verfremdet, überklebt oder auf andere Weise umgestaltet, um so ihren Sinn ins Gegenteil zu verkehren oder lächerlich zu machen. Das Künstler-Kollektiv „Dies Irae“ betreibt „Adbusting“ schon seit mehreren Jahren. „Wir haben da einen Standardschlüssel aus dem Baumarkt, mit dem wir die Werbeboxen aufschließen. Dann hängen wir unsere Plakate ganz einfach über die ursprüngliche Werbung. Das ist übrigens nicht strafbar – hat die Staatsanwaltschaft Berlin 2020 entschieden“, erklärte ein Sprecher gegenüber BuzzFeed News DE.

Dass bereits gegen die Gruppierung ermittelt wird, macht den Künstlern dabei keine Angst. Wenn es darum gehe, das Richtige zu tun, würden sie auch den Stress in Kauf nehmen, heißt es dazu. Der öffentliche Raum sei zudem eine Dauerwerbesendung, argumentiert das Kollektiv. „Da greifen wir ein, denn die Stadt gehört uns allen und nicht nur den Konzernen, die sie mit ihren Marketing-Budgets gestalten.“

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