In fünf Meter Höhe

Schwebende Fahrradautobahn in der Region Stuttgart soll kommen

  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
    schließen

In der Region Stuttgart soll noch in diesem Jahr ein ganz besonderer Radweg gebaut werden, der über den Straßen schwebt.

Stuttgart - Radfahren in der Stadt soll allgemein attraktiver und sicherer werden. Doch die Umsetzung des Vorhabens scheint schwieriger als gedacht. In Stuttgart wurde 2020 eine sogenannte Pop-Up-Bike-Line in der Theodor-Heuss-Straße wieder abgeschafft, obwohl sie viele nutzen. Ein weiterer Kritikpunkt in der Region ist die Zusammenlegung von Fuß- und Radwegen, durch die man sich gegenseitig beeinträchtigen würde.

Das Land hat mehrere Kampagnen geschaltet, um Radfahrern in Baden-Württemberg mehr Sicherheit zu bieten. So wurden unter anderem in Stuttgart Autofahrer darauf hingewiesen, genügend Abstand beim Überholen von Radlern einzuhalten. Trotz der Maßnahmen fühlen sich die Radfahrer im Verkehrsgeschehen jedoch weiterhin benachteiligt. Eine innovative Idee aus der Schweiz soll nun jedoch die Lösung aller Probleme sein.

Baden-Württemberg testet schwebende Fahrradautobahn über den Straßen Stuttgarts

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat angekündigt, dass in der Region Stuttgart bald eine ein Kilometer lange Teststrecke einer Fahrradstraße aufgebaut werden soll. Das Besondere: Dieser Radweg ist aus Holz, besteht aus einem Baukastensystem und soll über den Straßen Stuttgarts schweben. Geplant sei die zweispurige Fahrradautobahn in über fünf Metern Höhe, wodurch der Radverkehr auf eine andere Ebene verlagert wird.

Der Radweg wird zudem mit einem rutschfesten und beheizbaren Belag ausgestattet sein. Photovoltaik-Module am Geländer sollen für den nötigen Strom für Heizung sowie Beleuchtung sorgen. Das patentierte Baukastensystem des Unternehmens Urb-X aus der Schweiz bietet außerdem verschiedene Elemente für Brücken, Kurven, Kreuzungen und Kreisverkehre.

So sehen die Fahrradwege der Zukunft aus. In der Region Stuttgart soll eine ein Kilometer lange Fahrradautobahn in der Höhe entstehen, wie Verkehrsminister Hermann ankündigte.

Ein Kilometer der Fahrradstraße soll zwischen 6 und 20 Millionen Euro kosten, in Einzelfällen sogar bis zu 100 Millionen Euro. Jedoch könne man durch die Stromproduktion jährlich 100.000 Euro an sonstigen Kosten sowie im Bereich Winterdienst und Wartung sparen. Sicherlich nimmt gleichermaßen dadurch auch der Ärger der Radfahrer über geparkte Autos auf den Radwegen ab.

Moderne Radwege: Verkehrsminister Hermann und Ministerpräsident Kretschmann begeistert von Idee

Verkehrsminister Winfried Hermann und Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) haben den Hersteller Urb-X auf einer Schweiz-Reise getroffen. „Genau sowas brauchen wir“, zeigte sich Kretschmann sofort begeister gegenüber dem SWR. „Wir haben riesige Stauprobleme zum Beispiel in Stuttgart. Da kommen wir nur weg, wenn wir solche innovativen Ideen umsetzen“, sagte er.

Ähnlich sieht das auch der Verkehrsminister und will nun in der Region Stuttgart „zeigen, was da geht“. Noch in diesem Jahr soll die Fahrradautobahn entstehen. Hermann berichtete aber auch, dass Experten bereits erste Bedenken geäußert hätten. Beispielsweise, dass das Holz schimmeln und marode werden könnte und die Fahrradstrecke dann nach 30 Jahren wieder abgerissen werden müsse.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/urb-x.ch / haring.ch

Kommentare