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Exklusive Luxus-Ladesäulen: Porsche will seinen Kunden Warten mit anderen E-Autos nicht zumuten

Ein Modell des Taycan Turbo S.
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Porsche will künftig mit Luxus-Ladesäulen den Kauf eines E-Porsche attraktiver machen.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Die Porsche AG will den Kauf von E-Autos noch attraktiver machen. Mit Luxus-Ladesäulen soll der Aufladevorgang für Kunden künftig bequemer werden.

Stuttgart - In der E-Mobilität liegt die Zukunft der Autobranche. Deutsche Autobauer wie die Daimler AG und die Porsche AG investieren gezielt in die Weiterentwicklung des Elektroantriebs. Porsche-Vorstandschef Oliver Blume bezeichnete die E-Auto-Strategie als eine „riskante Entscheidung“. Dennoch setzt der schwäbische Autobauer auf dessen Weiterentwicklung. Um mehr Kunden vom Konzept zu überzeugen, bastelt die Porsche AG nun sogar an eigenen Ladekonzepten für Elektroautos.

Letztes Jahr herrschte in Baden-Württemberg geradezu ein E-Auto-Boom. Die Zahlen der verkauften E-Autos hatte sich verdreifacht. Doch das Stromtanken schreckt viele potenzielle E-Auto-Kunden ab. Die E-Lade-Infrastruktur ist in Deutschland noch immer nicht flächendeckend ausgebaut und der Ausbau geht nur schleppend voran. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) entstehen derzeit bundesweit rund 1.000 neue öffentlich zugängliche Ladepunkte im Monat, während zugleich knapp 50.000 neue Elektroautos im Monat zugelassen werden. Bisher gibt es in Deutschland rund 47.000 öffentliche Ladepunkte.

Zu wenig, finden viele Kunden. Porsche will bei diesem Problem nun ansetzen. Wie das Handelsblatt berichtet, arbeitet der Sportwagenbauer sogar an Luxus-Lounges zum Schnellladen für seine Kunden.

Porsche AG: Autobauer arbeitet an einem „exklusiven, Porsche-eigenen Ladenetz“

Die Porsche AG ist bereits zusammen mit anderen Autobauern wie VW, Daimler-Tochter Mercedes-Benz, BMW, Ford und Hyundai an einer Unternehmenskooperation für Schnellladestationen vom Anbieter Ionity beteiligt, doch das reicht dem Autobauer aus der Landeshauptstadt Stuttgart offensichtlich nicht. „Das Schnellladen haben wir mit Ionity entscheidend angestoßen, jetzt arbeiten wir zusätzlich noch an einem exklusiven, Porsche-eigenen Ladenetz“, sagte Porsche-Chef Oliver Blume kürzlich dem Handelsblatt.

Denn Autohersteller, die ihren Kunden neben Elektroautos auch noch einfaches und schnelles Laden der Batterien anbieten können, machen den Kauf eines E-Autos noch attraktiver. Hier will Porsche daher ansetzen. Porsche-Konkurrent Tesla betreibt bereits erfolgreich ein Netz aus Superchargern. Mehr als 20.000 Stück stellt Tesla in Europa bereits seinen Kunden zur Verfügung. Ziel des Supercharger-Ladestationsnetzes von Tesla ist es, seinen Kunden maximale Reisefreiheit zu einem Bruchteil der Benzinpreise zu ermöglichen. Ein Markt, den auch Porsche erobern will. Die Entwicklung von solchen Schnellladetechnologien und Ladelösungen hat deshalb auch für die Porsche AG oberste Priorität. 

In Sachen Laden ist Porsche schon jetzt ganz weit vorne. Der Porsche Taycan etwa setzt auf das wesentlich aufwendigere, aber leistungsfähigere 800-Volt-System. 22,5 Minuten dauert es, bis die Batterie des E-Sportwagens von fünf Prozent auf 80 Prozent aufgeladen ist - vorausgesetzt natürlich, er lädt an einem Supercharger. Dennoch schreckt das Fahrer von Verbrennern ab. Schließlich dauert ein normaler Tankvorgang an der Zapfsäule meist nur wenige Minuten. Der Discounter Lidl und das Möbelhaus Ikea bieten unterdessen bereits kostenloses Laden für Kunden an. Doch wegen Strom-Schnorrer drohen Lidl und Co., die kostenlosen Ladestationen wieder abzubauen.

Luxus-Lounges sollen das Laden von E-Autos für Porsche-Kunden angenehmer machen

Die Benziner-Fahrer sind häufig schwer von Elektromobilität zu überzeugen. „Es wird gerade für Premiumhersteller nicht einfach, den Anspruch ihrer Kunden an die Marke auch beim Laden zu erfüllen, wenn etwa drei Kleinwagen bereits an der Säule warten und laden“, sagt Andreas Radics, geschäftsführender Partner der Strategieberatung Berylls. „Intelligente Systeme zum Finden der nächsten Lademöglichkeit werden für Marken wettbewerbsrelevant, ebenso wie der Zugang zu allen Ladenetzen“, sagt er weiter.

Schnellere Ladestationen wird es von Porsche wohl vorerst nicht geben. Mit einem größeren Ladenetz müssen sich Kunden zumindest nicht mehr anstellen, um ihre Batterie aufzuladen. In der Porsche-Zentrale in Zuffenhausen wird aktuell an Luxus-Lounges für die Ladestationen getüftelt, um die Wartezeit so angenehm wie möglich zu machen. „Es sieht aus wie in einer Business-Lounge der Lufthansa“, sagt ein Porsche-Manager dazu. Die Ladestation wird überdacht, und es wird eine Person am Empfang eines geschlossenen, voll klimatisierten Raums geben, die sich ums Catering und den Getränkeautomaten kümmert. In der Lounge soll es zudem Arbeitsplätze geben.

Ob die Luxus-Ladesäulen für einen Kaufboom von Porsche-E-Autos führt, bleibt abzuwarten. Fakt ist jedoch: Solange Ladestationen knapp sind, werden viele Autofahrer weiterhin auf Verbrenner setzen. Der schleppende Fortschritt bei der Ladeinfrastruktur könnte somit zur Gefahr für die positiven Absatzprognosen der Autoindustrie werden.

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