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Ex-Bundeswehrsoldaten wegen geplanter Söldnertruppe vor Gericht

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Mit einer eigenen Söldnertruppe wollten zwei deutsche Ex-Soldaten in den jemenitischen Bürgerkrieg eingreifen. Nun stehen beide Männer vor Gericht. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Mit einer eigenen Söldnertruppe wollten zwei deutsche Ex-Soldaten in den jemenitischen Bürgerkrieg eingreifen. Ihr Ziel: viel Geld, bezahlt aus der saudi-arabischen Staatskasse. Sogar eine Wahrsagerin soll mitgemischt haben. Nun stehen beide Männer vor Gericht.

Stuttgart (dpa) - Zwei Ex-Soldaten der Bundeswehr sollen geplant haben, eine bis zu 150 Mann starke Söldnertruppe aufzubauen, um im Bürgerkrieg im fernen Jemen mitzumischen. Weil die beiden Deutschen eine terroristische Vereinigung gegründet hätten, wäre ihr Plan aufgegangen, müssen sie sich von diesem Donnerstag (09.00) in Stuttgart vor dem Oberlandesgericht verantworten. Die Männer waren im vergangenen Oktober im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und in München festgenommen worden. Seither sitzen sie in Untersuchungshaft. Der Prozess findet vor dem Staatsschutzsenat statt.

Nach den Ermittlungen sollen die beiden Männer Anfang 2021 beschlossen haben, eine Söldnertruppe unter ihr Kommando zu stellen - getragen auch von «Botschaften einer Wahrsagerin», die sie als «verbindliche Handlungsanweisungen verstanden» hätten, wie die Bundesanwaltschaft im Vorfeld des Prozesses erklärte. Sogar die Höhe des monatlichen Soldes von rund 40 000 Euro für jedes Mitglied hatten sie bereits abgesprochen. Ihre paramilitärische Einheit sollte demnach 100 bis 150 Mann umfassen, vor allem ehemalige Angehörige der Bundeswehr oder frühere Polizisten. Einer der beiden Männer, die nun auf der Anklagebank im Stammheimer Hochsicherheitsgericht sitzen, soll bereits zu mindestens sieben Menschen Kontakt aufgenommen haben.

Den Männern sei bei ihren Planungen für einen Einsatz im Jemen bewusst gewesen, «dass die von ihnen zu befehligende Einheit bei ihrem Einsatz zwangsläufig auch Tötungshandlungen werde ausführen müssen», erklärte die Bundesanwaltschaft. Zudem hätten sie damit gerechnet, «dass im Zusammenhang mit Kampfhandlungen auch Zivilisten getötet und verletzt werden würden».

Auf die erste Spur der Beiden war der Militärische Abschirmdienst (MAD) gekommen. Er gab den Hinweis an zivile Ermittlungsbehörden weiter.

Aus Sicht der Bundesanwaltschaft wollten die Männer mit ihrer Söldnertruppe Friedensverhandlungen zwischen den sogenannten Huthi-Rebellen und der von Saudi-Arabien unterstützten jemenitischen Regierung im dortigen Bürgerkrieg erzwingen. Finanziert werden sollte das Vorhaben laut den mutmaßlichen Plänen der Beschuldigten vorzugsweise von Saudi-Arabien. Einer der Beschuldigten soll hartnäckig, aber erfolglos versucht haben, mit staatlichen Stellen in Saudi-Arabien Kontakt aufzunehmen.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur waren die früheren Zeitsoldaten schon 1983 und 1999 aus der Bundeswehr ausgeschieden.

Der Bürgerkrieg im Jemen tobt seit 2014, als die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen die Hauptstadt Sanaa einnahmen und die international anerkannte Regierung zur Flucht zwangen. Im Jahr darauf griff eine Koalition unter Führung Saudi-Arabiens an der Seite der Regierung in die Kämpfe ein, die mittlerweile zu einer der schlimmsten humanitären Krisen weltweit geführt haben.

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