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Händler in Stuttgart müssen Beleuchtung ausschalten - Verband warnt vor weiteren Folgen

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Von: Nadja Pohr

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Die Königstraße in Stuttgart
Künftig wird es dunkel sein in der Stuttgarter Innenstadt. Der Handel verzichtet auf seine Schaufensterbeleuchtung in Zeiten der Energiekrise (Archivbild). © Arnulf Hettrich/IMAGO

Der Handel in Stuttgart schaltet ab sofort von 22 Uhr bis 16 Uhr sämtliche Beleuchtung aus. Das löst bei den Bürgern jedoch ein Gefühl der Unsicherheit aus.

Stuttgart - Mit dem 1. September gehen einige Neuerungen für Verbraucher einher. Das 9-Euro-Ticket ist nun ausgelaufen, dafür erhalten Arbeitnehmer mit der sogenannten Energiekostenpauschale ein Geldgeschenk vom Staat. Aber auch für die Unternehmen in der Region gibt es Änderungen. Die „Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung“ klingt zwar kompliziert, dahinter verbirgt sich jedoch lediglich der Erlass der Bundesregierung zum Energiesparen in Gebäuden. Von Anfang September bis Ende Februar gilt die Verordnung und schaltet den Läden in Stuttgart die Lichter aus.

Ab 22 Uhr: Geschäfte in Stuttgart schalten Schaufensterbeleuchtung ab

Ab sofort müssen die Unternehmen und Händler in ganz Deutschland auf ihre Leuchtreklame verzichten und sie von 22 Uhr bis 16 Uhr ausgeschalten lassen. In Stuttgart verzichtet der Handel auch auf die Schaufensterbeleuchtung. Auch in Heidelberg wird es nun dunkel, wie HEIDELBERG24 berichtet. Dies geschieht jedoch aus Solidarität in der Krise und nicht, weil die Händler dazu verpflichtet sind. Ursprünglich hatte die Bundesregierung aber geplant, das Ausschalten der Schaufensterbeleuchtung ebenfalls zu verpflichten. „Aber als die Polizei intervenierte, weil so das Sicherheitsgefühl der Bürger stark beeinträchtigt sei, hat die Politik davon abgelassen“, erklärte Sabine Hagmann vom Einzelhandelsverband Baden-Württemberg gegenüber der Stuttgarter Zeitung (StZ).

Dass die Geschäfte nun solidarisch das Licht ausschalten, kommt bei den Stuttgartern allerdings nicht gut an - sie fürchten die Dunkelheit. „Manchmal scheint die Lösung schlimmer als das Problem. An Sicherheit hat bei diesem Gesetz kaum jemand gedacht“, merkt eine Facebook-Userin an. „Super, dann ist die Straße ja noch gruseliger und gefährlicher“, schreibt eine weitere besorgt. „Da wird die Kriminalität in Stuttgart wieder steigen“, ist sich ein Nutzer sicher. Seit der Stuttgarter Krawallnacht, mit schwerwiegenden Auswirkungen vor zwei Jahren, würden sich die Bürger ohnehin nicht mehr wohlfühlen in der Innenstadt, wie sie auf Facebook schreiben.

Einzelhandelsverband zeigt sich besorgt: Energiekrise für Handel schlimmer als Corona-Pandemie

Die Umsetzung, der vom Bund verordneten Maßnahme, stellt einige Geschäfte jedoch auch zusätzlich vor große Probleme. Einige Alarmanlagen in den Läden würden zusammen mit den Werbemitteln über einen Stromkreis laufen. Bei manch anderen gehe das gesamte Ladenlicht im Notfall an. Solche Umrüstungen kosten die Ladenbesitzer viel Geld, was bei explodierenden Energiekosten schwer zu bewältigen sei. Laut des Handelsverbands Baden-Württemberg (HBW), haben sich die Energiekosten bei Händlern seit Jahresbeginn um durchschnittlich 138 Prozent gesteigert.

„Die Lage ist dramatisch, viele können die Preissteigerungen nicht wuppen.“ Die Energiesparmaßnahmen sind deshalb für den Handel in gleichermaßen auch notwendig, da die Situation rund um die Energiekrise für den Einzelhandel „schlimmer als die während Corona“ sei, zeigt sich Sabine Hagmann besorgt. „Kurzfristig muss es nun darum gehen, dass die massiv gestiegenen Energiekosten nicht zu Arbeitsplatzverlusten und Geschäftsschließungen führen“, warnt sie und fordert daher schnelle staatliche Unterstützung.

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