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Deutsche Atomkraftwerke können laut Stuttgarter Forscher weiterlaufen - „spricht nichts dagegen“

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Von: Franziska Vystrcil

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Atomkraftwerk Gundremmingen
Viele Atomkraftwerke in Deutschland, wie hier in Gundremmingen (Bayern) sind bereits vom Netz. Die letzten drei sollen 2022 abgeschaltet werden. © Frank Hoermann/Sven Simon/imago images

Bis Ende des Jahres sollen die letzten drei Atomkraftwerke in Deutschland vom Netz gehen. Ein Stuttgarter Forscher spricht sich klar dagegen aus.

Stuttgart - Mit dem Jahreswechsel kamen viele Änderungen auf Verbraucher zu (BW24* berichtete). Eine mit extremem Ausmaß steht Deutschland noch bevor: Bis Ende des Jahres sollen die letzten drei Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden. Doch ausgerechnet aus dem Grün-regierten Stuttgart werden nun Gegenstimmen laut.

Laut einem Forscher aus Baden-Württemberg* könnten die Nuklearwerke auch weiterhin in Betrieb bleiben. In Hinblick auf eine drohende Energie-Krise durch den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine wäre eine Laufzeitverlängerung der drei sich noch am Netz befindlichen Atomkraftwerke in Deutschland eventuell sogar nötig.

Stuttgarter Forscher bringt Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke in Deutschland ins Spiel

Aktuell ist nicht absehbar, wie lange sich die Russland-Ukraine-Krise noch hinziehen wird. Die Atomkraftwerke wären für Deutschland ein Ass im Ärmel. „Die Anlagen sind in der Lage, noch mehrere Jahre sicher Strom zu liefern. Technisch spricht nichts dagegen“, sagt Jörg Starflinger, Professor für Kernenergetik und Energiesysteme in Stuttgart. Die Kraftwerke seien außerdem sehr gut in Schuss, so der Wissenschaftler weiter. „Wenn Deutschland unabhängiger von Erdgas werden will, muss man sehen, dass wir die Fertigungskapazitäten im eigenen Land haben.“

Jedoch könne im Fall der drei Atomkraftwerke nicht lange überlegt werden, wie der Professor betont. Denn jedes Jahr müssen in den Kraftwerken rund ein Drittel der Brennstäbe getauscht werden. Der weitere Prozess des Austausches sei zeitintensiv und müsse gut vorbereitet werden. Zum Beispiel machen Berechnungen einen großen Zeitaufwand aus. „Im Herbst könnte es dafür vielleicht zu spät sein“, so Jörg Starflinger.

„Die Kapazität der drei Kernkraftwerke könnte uns im kommenden Winter bei der Stromversorgung durchaus helfen“, erklärt der Wissenschaftler weiter. Hierzu müsse der Bundestag jedoch das Atomgesetz ändern. Und das schnell. „Die Zeit droht uns davonzulaufen.“

Atomkraftwerke in Deutschland: Energielieferant oder tickende Zeitbomben?

Jörg Starflingers Kollege Antonio Hurtado, Professor für Wasserstoff- und Kernenergietechnik an der Technischen Universität Dresden, ist ebenfalls für einen weiteren Einsatz der Kraftwerke. „Die Frage, ob man die Kernkraftwerke aus sicherheitstechnischer Sicht über das Ende des Jahres hinaus betreiben könnte, muss mit Ja beantwortet werden“, sagt auch er.

Anmerkung der Redaktion

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 2. März 2022 veröffentlicht. Da er für unsere Leser noch immer Relevanz besitzt, hat die Redaktion ihn aktualisiert.

Atomkraft-Gegner werden von solche Aussagen sicherlich weniger begeistert sein. Auch das Kernkraftwerk im baden-württembergischen Neckarwestheim soll bis Ende 2022 in Betrieb bleiben* - und das trotz schadhaften Rohren. Viele Gegner sehen die Werke als tickende Zeitbomben. Am Atomkraftwerk bei Günzburg wurden schon mehrmals gefährliche Schäden entdeckt*. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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