Versorgung mit Gas, Strom und Wasser

EnBW: Notfall- und Krisenpläne sollen Grundversorgung trotz Omikron-Ausbreitung sichern

Ein Mitarbeiter des Energiekonzerns EnBW sitzt in der Leitzentrale im Block 8 des Rheinhafen-Dampfkraftwerks Karlsruhe (RDK 8) vor Bildschirmen.
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Die Bereitschaftsdienste in den Leitstellen und Kraftwerken der EnBW wurden separiert, um Ansteckungen zu vermeiden.
  • Julian Baumann
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Die Omikron-Variante könnte die Versorgung mit Strom, Wasser und Gas gefährden. Der Energieversorger EnBW hat deshalb umfassende Krisenpläne entwickelt.

Stuttgart/Karlsruhe - Die Omikron-Variante des Coronavirus ist auch in Baden-Württemberg auf dem Vormarsch. Die im vergangenen Jahr in Südafrika entdeckte Mutation gilt als besonders ansteckend, weswegen Experten damit rechnen, dass viele Menschen in systemrelevanten Berufen vorübergehend nicht arbeiten können. Auch die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser gehört zur benötigten Infrastruktur, die aufgrund von temporärem Personalmangel gefährdet sein könnte. „Hohe Infektionszahlen können zu Ausfällen beim Personal durch Erkrankung und Quarantäne führen“, hieß es in einer Beschlussvorlage der Bundesregierung.

Gerade in der aktuellen Jahreszeit, in der es früh dunkel wird und die Temperaturen vergleichsweise niedrig sind, sind die Haushalte in Baden-Württemberg auf eine gewährleistete Versorgung mit Strom und Gas angewiesen. Die Mitarbeiter der Energieversorger wie der EnBW mit Hauptsitz in Karlsruhe können ihre Aufgaben im Gegensatz zu anderen Berufen aber nicht im Home-Office ausüben. Wenn viele Angestellte durch die Omikron-Variante in häusliche Isolation müssen, wäre die Versorgung demnach gefährdet. Für die EnBW und ihre Tochterunternehmen ist das „Krisen- und Notfallmanagement [...] eine Daueraufgabe höchster Priorität“, erklärte eine Sprecherin gegenüber BW24.

EnBW: Umfassende Krisenpläne bereits seit Beginn der Pandemie aktiv

Die Wirtschaft in Stuttgart und im ganzen Südwesten hatte massiv unter dem Coronavirus in Baden-Württemberg zu leiden. Deshalb mussten große Unternehmen wie etwa Mercedes-Benz oder Bosch Hygienekonzepte und Maßnahmen entwerfen und einleiten. Auch die EnBW kann auf die Erfahrungen aus den vergangenen Monaten zurückgreifen. „Wir haben bereits seit Beginn der Pandemie wie jetzt vom Expertenrat gefordert umfassende Krisenpläne für unterschiedliche Phasen der Pandemie, um die Versorgung unserer Kunden jederzeit sicher und zuverlässig gewährleisten zu können“, sagte die Sprecherin auf Anfrage von BW24. Bislang sei die Versorgung in den Bereichen Erzeugung und Netze zu keiner Zeit gefährdet gewesen.

Bereits im Dezember hat die EnBW ihre Maßnahmen an der ein oder anderen Stelle verschärft. „Dazu gehört etwa, dass wir die Bereitschaftsdienste in den Leitstellen unserer Verteilnetztochter Netze BW und in unseren Kraftwerken wieder separiert haben“, so die Sprecherin. Dies wurde vorgenommen, „um Ansteckungen untereinander und vor allem die Quarantäne ganzer Einheiten auszuschließen.“ Weitere Maßnahmen könnten beispielsweise sein, dass die Schichtübergabe nur noch mit FFP2-Maske und großem Abstand, also kontaktlos, durchgeführt werde oder sich das Leitstellenpersonal täglich testen lassen müsse. Derzeit gebe es aber keinen Anlass, die Maßnahmen weiter zu verschärfen.

EnBW: Arbeitsausfälle und „Kasernierung“ durch Omikron? - „Wir sehen aktuell kein erhöhtes Risiko“

Aufgrund der Omikron-Variante des Coronavirus wurde die Quarantäne-Verordnung vor einigen Tagen angepasst. Das soll vor allem einen möglichen Zusammenbruch der systemrelevanten Infrastruktur vermeiden. Deshalb sollen Kontaktpersonen mit Auffrischimpfungen fortan von einer Quarantänepflicht befreit werden. Für alle anderen soll eine Quarantäne von zehn Tagen gelten, aus der man sich nach sieben Tagen freitesten kann. Die EnBW sieht derzeit aber keine Gefahr, dass die Versorgung aufgrund von Personalmangel zum Problem werden könnte. „Durch die Omikron-Variante sehen wir aktuell kein erhöhtes Risiko für die Versorgungssicherheit und daher auch noch keine Notwendigkeit, unsere sehr hohen Sicherheitsmaßnahmen anzupassen“, sagte die EnBW-Sprecherin gegenüber BW24.

Da die Omikron-Variante immer dominierender wird, könnte sich die Situation in den nächsten Wochen allerdings verändern. „Falls es zu einer weiteren Verschärfung der Lage kommt, haben wir weitere Notfallpläne entwickelt“, erklärt die Sprecherin. „In Abstimmung mit Behörden wäre es dann etwa möglich, infizierte, aber weitgehend symptomfreie Mitarbeiter in separaten Schichten einzusetzen.“

Eine sogenannte „Kasernierung“, also die getrennte Unterbringung von Mitarbeiten am Standort, ist bei dem Energiekonzern aber nicht geplant. „Von dieser Maßnahme haben wir bisher abgesehen und haben es derzeit auch nicht geplant“, erklärt die Sprecherin. „Mal abgesehen von der erheblichen psychischen Belastung der Mitarbeiter und ihrer Angehörigen stellt sich die Frage, ab wann die Kollegen an ihrem Arbeitsplatz wohnen sollen und wann nach welchen Kriterien entschieden wird, dass sie wieder zurückkehren können zu ihren Familien.“ Ein Notbetrieb sei darüber hinaus aufgrund von drei über Baden-Württemberg verteilten Leitstellen der Netze BW auch mit einer deutlich reduzierten Belegschaft möglich.

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