„Negativszenarien sind überzogen“

Seitenhieb auf Daimler: VW-Boss glaubt nicht, dass E-Autos radikal Jobs vernichten - „überzogene Szenarien“

VW Vorstandschef Herbert Diess
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VW-Chef Herbert Diess sieht die Folgen der E-Mobilität für die Jobs in der Automobilbranche bei weitem nicht so dramatisch, wie Daimler-CEO Ola Källenius.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Die Daimler AG baut künftig nur noch E-Autos. Kritiker zweifeln an deren geringeren CO2-Ausstoß und fürchten Jobverluste in der Produktion. Letzterem hat der Chef des VW-Konzerns jetzt widersprochen.

Stuttgart/Wolfsburg - Die Daimler AG hat sich nur zögerlich für den Plan entschieden, dem Verbrenner endgültig den Rücken zu kehren und in Zukunft ausschließlich auf E-Autos zu setzen. Auch andere Fahrzeughersteller hatten lange Vorbehalte. Ein wesentlicher Faktor war dabei wohl die unsichere Umweltbilanz der E-Mobilität. Denn die Klimaverträglichkeit misst sich nicht nur am CO2-Ausstoß währende der Fahrt, sondern auch an der Herstellung und dem Ursprung des elektrischen Stroms.

Trotzdem vollzog die Daimler AG die radikale Wende, es zählen künftig nur noch E-Autos. Ein weiterer Kritikpunkt an der E-Mobilität ist aber weiterhin nicht aus der Welt geschafft. Denn die Produktion vollelektrischer Fahrzeuge sieht gänzlich anders aus, als die der bisherigen Verbrenner. Daimler-Chef Ola Källenius warnte bereits, E-Autos würden zahlreiche Jobs kosten. Ein prominenter Kollege seiner Industrie hat ihm jetzt widersprochen: VW-Chef Herbert Diess hält nichts von Negativszenarien.

VW widerspricht Daimler AG: E-Mobilität bringt Wandel, aber kaum Jobverluste

Besonders in automobilstarken Regionen wie Niedersachsen, Bayern oder Baden-Württemberg ist die Angst vor massiven Jobverlusten durch die E-Mobilität groß. Herbert Diess, Chef des VW-Konzerns, kann diese Angst nicht nachvollziehen. „Die ganzen Negativszenarien, die da manchmal gezeichnet werden, sind überzogen“, sagte er der Deutschen Presseagentur.

Dabei bestreitet auch der VW-Chef nicht, dass der Herstellungsprozess von Fahrzeugen einer gewaltigen Transformation unterzogen werden wird. Grundsätzlich ist er sich aber sicher: „Um viele Autos zu bauen, braucht man auch 2030 noch viele Menschen in der Produktion.“ Der wesentliche Unterschied seien die Bereiche, in welchen Angestellte tätig sein werden. „Natürlich werden wir im Bereich Software wachsen mit neuen Mitarbeitern“, so Herbert Diess.

Anstatt eines generellen Jobverlustes durch die E-Mobilität sieht Herbert Diess anders als Daimler-CEO Ola Källenius eher eine Umverteilung. „Wenn wir es gut weitermachen, kann man einen Großteil der Arbeitsplätze sicher retten, an bestimmten Stellen wachsen, an anderen schrumpfen.“

Wandel zur E-Mobilität: VW-Chef ist auch bei Zulieferern zuversichtlich

Herbert Diess vertraut nicht nur auf die Anpassungsfähigkeit des VW-Konzerns und anderer Fahrzeughersteller, auch bei den Zulieferern der Industrie ist er zuversichtlich. „Auch 70 Prozent der Zulieferer fahren durch diese Transformation, als gäbe es keine. Sitze bleiben Sitze, Stahl bleibt Stahl, Räder bleiben Räder, Bremsen bleiben Bremsen“, so der VW-Chef.

Zuletzt hatte der E-Auto-Boom noch Konsequenzen für Bosch, das massiv Stellen in einem Werk abbaute. Für VW-Chef Herbert Diess ist bei all den Negativszenarien bezüglich der E-Mobilität viel entscheidender, wie sich die Unternehmen gegenüber der ausländischen Konkurrenz aufstellen. „Bleiben wir wettbewerbsfähig gegenüber den neuen Konkurrenten wie zum Beispiel aus Asien?“, so Diess.

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