Experten warnen

Studie offenbart unbequeme Erkenntnisse über E-Autos mit großer Reichweite

Der Akku eines Elektroautos wird an einer Ladestation geladen.
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Der Akku eines Elektroautos wird an einer Ladestation geladen.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Käufer von E-Autos entscheiden sich häufig für größere Batterien. Doch das hat gravierende Auswirkungen auf die Umweltbilanz der elektrischen Fahrzeuge.

Stuttgart - Autobauer in Deutschland wie die Daimler AG richten ihren Fokus in den kommenden Jahren klar aufs E-Auto. Auch immer mehr Kunden entscheiden sich für ein Elektromodell. Laut einer Studie des ADAC sind E-Autos häufig sogar günstiger als Verbrenner. Verbraucher hoffen insbesondere, durch den Umstieg auf die E-Mobilität einen positiven Beitrag zur Klimabilanz zu leisten. Leider geht diese Rechnung nicht immer auf.

Eine Umfrage von ZEIT ONLINE unter Herstellern von E-Autos hat ergeben: Die meisten Kunden entscheiden sich - sofern sie wählen können - für eine größere Batterie. Wie zeit.de berichtet, wählen laut der Befragung beim Renault Zoe 90 Prozent der Kunden in Deutschland die größere Batterie, auch wenn sie bei diesem Modell 2.000 Euro Aufschlag kostet.

Beim Hyundai Kona entscheiden sich 65 Prozent für den großen Akku, beim Audi e-tron 60 Prozent. Das hat jedoch einen Nachteil: Käufer schmälern ihren Beitrag zum Umweltschutz, indem sie größere Akkus kaufen, als sie brauchen.

E-Autos: Kunden bevorzugen große Batterien - deren ökologische Bilanz ist fragwürdig

Während Kunden wegen der höheren Reichweite häufig zur größeren Batterie tendieren, warnen Experten vor den Nachteilen, die dadurch für die Umwelt entstehen. Wie eine Berechnung des ADAC am Beispiel des Hyundai Kona zeigt, können die Unterschiede zwischen großen und kleinen Akkus bei der ökologischen Bilanz gravierend sein.

„Der Hyundai mit dem großen Akku hat bei der Zulassung so viel CO2 verursacht wie ein Kona mit der kleinen Batterie, der bereits 30.000 Kilometer gefahren ist“, so der ADAC. Der Grund liegt in der Herstellung, die bei der größeren Batterie deutlich mehr CO2 freisetzt.

Die Kosten in der Herstellung sind aber nicht das einzige Problem bei großen Batterien. So verbrauchen damit ausgestattete Autos durch das höhere Gewicht mehr Energie beim Fahren. Bleibt man beim Beispiel des Hyundai Kona, so verbraucht die kleine Variante des Akkus 0,4 kWh pro 100 Kilometer weniger. Bei der größeren Variante werden dementsprechend Co2-Belastung und Aufladekosten auf längere Sicht teurer.

E-Autos: Für große Batterien sind mehr Rohstoffe erforderlich als bei kleinen Batterien

Der dritte Makel der großen Batterien ist der höhere Bedarf an Rohstoffen. Im Vergleich zu kleineren Akkus werden hier mehr seltene und teure Materialien benötigt. Das Urteil der ADAC-Experten: Eine kleine Batterie verrursacht insgesamt deutlich weniger Umwelt- und Klimaschäden als eine große.

Bei der Kaufentscheidung empfehlen die Spezialisten, sich klarzumachen, welche Strecken man mit dem E-Auto zurücklegen möchte. „Wer oft Strecken von 250 Kilometern und mehr am Stück fahren möchte und für diese Fälle nicht auf ein Verbrennerfahrzeug umsteigen kann oder will, greift besser zu dem Modell mit der größeren Batterie“, sagen die Experten. Alternativ müsse so jemand eben in Kauf nehmen, auf der Strecke zwischenzuladen.

Während Käufer von eher günstigeren E-Autos oft zu größeren Akkus tendieren, entscheiden sich Käufer von teureren Modellen seltener für die größere Batterie, wie die Zeit-Umfrage zeigt. Laut zeit.de dürfte das daran liegen, dass bei teuren Autos die Akkus meist ohnehin leistungsfähiger sind und vielen Kunden die kleine Batterie ausreichen dürfte. Manche Modelle gibt es erst gar nicht in mehreren Größen, beispielsweise den BMW i3 oder den Volkswagen ID.3.

Neben den Vorteilen, die die E-Mobilität mit sich bringt, tauchen immer wieder auch Probleme auf, über die teils heftig diskutiert wird. Wegen der Kaufprämie für Elektroautos warnte zuletzt der Autohandel. Händler meinen, dass der Wert des E-Autos dadurch künstlich erhöht wird. Zudem zeigen sich einige Deutsche gegenüber dem E-Auto noch skeptisch.

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