Opel-Chef Hochgeschurtz

E-Auto-Boom „unumkehrbar“: Auto-Boss glaubt an Verbot von Verbrennern

Ein Mann geht in der Innenstadt an Autos, die im Stau stehen, vorbei.
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Ein deutscher Auto-Boss glaubt, dass schon bald keine Verbrenner mehr in den Städten fahren dürfen.
  • Julian Baumann
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Immer mehr E-Autos sind auf den Straßen unterwegs. Dürfen Verbrenner künftig womöglich gar nicht mehr in Städten fahren?

Stuttgart/Rüsselsheim - Die weltweite Autoindustrie setzt inzwischen auf die Produktion von batteriebetriebenen Fahrzeugen. In Deutschland haben die großen Hersteller wie Mercedes-Benz, BMW und VW bereits mehrere E-Auto-Modelle auf dem Markt. Mercedes-Benz leitete mit der elektrischen S-Klasse EQS eine neue Ära ein, die Businesslimousine EQE soll im kommenden Jahr auf den Markt kommen. Der E-Auto-Boom wird jedoch nicht nur von den bekannten Traditionskonzernen angetrieben, sondern besonders von dem Pionier Tesla und Start-ups wie Rivian oder Nio. Diese vergleichsweise jungen Unternehmen erhalten große Geldsummen von Investoren, obwohl sie noch kaum Fahrzeuge verkauft haben.

Der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz will ab 2025 nur noch batteriebetriebene Autos bauen, bis dahin sollen bereits alle Modelle mit Stern auch in einer vollelektrischen Version verfügbar sein. Der Autobauer Opel mit Hauptsitz in Rüsselsheim am Main (Hessen) will zumindest in Europa ab 2028 eine reine E-Auto-Marke sein. Laut Opel-Chef Uwe Hochgeschurtz, werden aufgrund des E-Auto-Booms schon bald keine Verbrenner-Modelle mehr in den deutschen Städten fahren dürfen, wie er dem Magazin Electrified sagte.

E-Auto-Boom: Laut Auto-Boss ist der Trend „unumkehrbar“

Der Fokus auf die E-Mobilität in der Autoindustrie zeigt sich auch an den vielen neuen Werken und Batteriefabriken, die derzeit in Deutschland entstehen. Daimler plant 8 Gigafabriken als „Zentrum der Autoindustrie“ und die Porsche AG hat erst kürzlich den Standort der geplanten Batteriefabrik in der Nähe von Reutlingen bestätigt. Zudem errichtete der Stuttgarter Autozulieferer Bosch die „modernste Chipfabrik der Welt“ in Dresden. Die Transformation zur E-Mobilität ist noch immer im vollen Gange, aber „es gibt keinen Weg zurück“, wie Opel-Chef Uwe Hochgeschurtz sagte. „Europa und Deutschland haben beschlossen, dass wir in eine CO2-neutrale Zeit gehen. Dafür braucht man CO2-freie Fahrzeuge.“

Laut dem Opel-Chef sei der aktuelle E-Auto-Trend „unumkehrbar“, wie im Interview mit Electrified sagte. Das bedeute aber auch, dass der Druck auf ein Ende der Verbrenner-Produktion immer weiter steige. „Es wird in Europa Städte geben, die vielleicht schon vor 2030 Einfahrverbote für Verbrenner haben werden“, so Uwe Hochgeschurtz. „Wie schnell diese Entwicklung geht, ist heute nicht absehbar. Aber wir sind gut vorbereitet.“ Die Stellantis-Tochter Opel will demnach ab 2024 in jeder Baureihe mindestens ein elektrisches Modell anbieten. Auch die Mercedes-Benz AG bereitet sich seit einiger Zeit auf ein Ende der Verbrenner-Produktion vor, Porsche will dagegen weiterhin Verbrenner einsetzen. Dafür entwickelt Porsche jedoch einen alternativen Antrieb, der weder E-Auto noch Wasserstoff ist.

Transformation zur E-Mobilität muss auch Ausbau der Ladeinfrastruktur beinhalten

Um das Pariser Klimaabkommen und die Forderungen der EU zu erfüllen, ist in der Autobranche ein regelrechtes Wettrennen zwischen den Konzernen entstanden. Deshalb gehe es auch darum, welcher Hersteller bei der Umstellung auf reine E-Autos am schnellsten ist, um sich frühzeitig Wettbewerbsvorteile zu sichern, so Opel-Chef Uwe Hochgeschurtz. Die Transformation bedeute aber auch, dass sich neue Herausforderungen auftun und sich Aufgabenfelder ändern. „Wo sich Mitarbeiter heute etwa mit Batterien beschäftigen, hatten sie bisher viel mit mechanischen Teilen zu tun“, sagte der Manager. „Diesen Wandel müssen wir vorantreiben. Es macht keinen Sinn, ihn hinauszuzögern.“

Für einen endgültigen Durchbruch der E-Autos ist auch eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur im Land notwendig. Daimler- und Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius nannte das bereits eine der wichtigsten Voraussetzungen. Auch Opel-Chef Uwe Hochgeschurtz ist der Meinung, dass beim Ausbau „deutlich mehr Tempo aufzunehmen“ ist, sagte er gegenüber Electrified. Insgesamt ist das Ladenetz für E-Autos in Deutschland ein Trauerspiel. Laut dem Kraftfahrtbundesamt haben über die Hälfte der deutschen Gemeinden keinen Zugang zu einer öffentlichen Ladesäule. In Baden-Württemberg sieht das jedoch deutlich besser aus. Der Energieversorger EnBW errichtete beispielsweise mehrere große Ladeparks. „Wir knüpfen das Ladenetz immer dichter“, sagte ein EnBW-Sprecher kürzlich gegenüber BW24.

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