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Studenten der Uni Stuttgart knacken Weltrekord mit selbstgebautem E-Rennwagen - „Darauf können wir stolz sein“

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Von: Julian Baumann

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Studenten der Universität Stuttgart haben mit ihrem selbstgebauten E-Sportwagen einen neuen Beschleunigungs-Weltrekord aufgestellt - von 0 auf 100 in 1,461 Sekunden.

Stuttgart - In der weltweiten Autoindustrie setzen die meisten etablierten Hersteller zunehmend auf E-Autos, doch auch engagierte Nachwuchs-Tüftler arbeiten an innovativen Ideen für einen emissionsfreien Autoverkehr der Zukunft. Studenten der TU Eindhoven entwickelten beispielsweise ein E-Auto, das die Luft beim Fahren reinigt. Doch auch an der Universität Stuttgart wird neben Projekten wie einer App, die Wasserverschwendung ein Ende bereiten soll, an elektrisch betriebenen Fahrzeugen getüftelt. Das Ziel eines elektrisch betriebenen Rennwagens „Marke Eigenbau“ ist allerdings nicht nur der Umweltgedanke, das Team hatte damit ganz große Pläne.

Auf dem weitläufigen Campus Vaihingen der Universität Stuttgart baute das Studententeam „Greenteam“ in Handarbeit einen elektrischen Rennwagen und begab sich damit auf Weltrekordkurs. Das ursprüngliche Ziel war es, den bisherigen Beschleunigungs-Weltrekord von rund 1,5 Sekunden von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde am 1. September zu unterbieten und somit einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde zu erhalten. Diesen Versuch musste das Team kurz vor dem Start aufgrund von technischen Problemen absagen, doch am Freitag, 23. September, stellte das Greenteam in Renningen einen neuen Weltrekord auf.

E-Rennwagen von Stuttgarter Studenten knackt Weltrekord - offizielle Bestätigung

Das „Greenteam“ der Universität Stuttgart wurde im Jahr 2009 gegründet und hat seitdem mehrfach an dem internationalen Konstruktionswettbewerb für Studierende „Formula Student“ teilgenommen. Nach eigenen Angaben hatte das Team im Jahr 2012 den Rekord mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde in 2,681 Sekunden geholt. Teams aus den Niederlanden und der Schweiz brachen ihn. 2015 eroberte das Stuttgarter Team den Titel mit einer Zeit von 1,779 Sekunden zurück. Die Bestmarke unterboten die Schweizer nur ein Jahr später. Seither galt es, 1,513 Sekunden zu knacken.

Elektrischer Carbon-Rennwagen Marke Eigenbau

Der auf dem Campus Vaihingen vom Greenteam in Handarbeit gebaute elektrische Rennwagen wiegt knapp 145 Kilogramm und erreicht mit einem Vierrad-Antrieb, einem eigens entwickelten Motor und einem neu entworfenen Hochvolt-Akkumulator eine maximale Leistung von 180 Kilowatt und 250 PS. Die Spitzenbeschleunigung von 2,5g ist ungefähr mit der vergleichbar, die Astronauten beim Wiedereintritt einer Rakete in die Erdatmosphäre erfahren.

Am 23. September unternahm das Studententeam mit dem selbstgebauten E-Rennwagen einen erneuten Weltrekordversuch. „Es sieht sehr gut aus“, sagte Franziska Gildein vom Greenteam der Uni Stuttgart am Samstag, nachdem die Aufnahmen des Rekordversuchs auf dem Bosch-Testgelände in Renningen (Kreis Böblingen) an Guinness World Records weitergegeben worden waren. Laut einer Pressemitteilung der Universität Stuttgart wurde der Weltrekord für das am schnellsten beschleunigende E-Fahrzeug am 6. Oktober offiziell bestätigt, der selbstgebaute E-Renner beschleunigte demnach von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde in 1,461 Sekunden.

Greenteam der Uni Stuttgart nach mehreren Rückschlägen erfolgreich - „wir freuen uns riesig“

Nach einer Vorbereitungszeit von knapp einem Jahr ist die Erleichterung bei dem Team, das aus Studenten verschiedener Studiengänge der Universität Stuttgart besteht, groß. „Wir freuen uns riesig, dass wir den Weltrekord geknackt und ihn damit zurück nach Deutschland geholt haben!“, sagt Pavel Povolni, erster Vorsitzender des Fördervereins GreenTeam Uni Stuttgart e.V. Der Versuch am 23. September sei aufgrund der immer schlechter werdenden Wetterbedingungen wohl der letzte für dieses Jahr gewesen und auch an besagtem Tag seien die Temperaturen beinahe schon zu kühl gewesen. „Trotz der herbstlichen Bedingungen haben wir das Beste herausgeholt. Darauf können wir stolz sein“, sagt Marius Goletz, der für die Fahrdynamikregelung zuständig ist.

Stefan Zilz (l-r), Pavel Povolni, Simon Stober und Dominik Wallner tragen ihren selbstgebauten Elektro-Rennwagen aus der Werkstatt.
Knapp ein Jahr lang bereiteten sich die Studenten der Uni Stuttgart auf den Weltrekordversuch mit dem selbstgebauten E-Rennwagen vor. Die Mühen zahlten sich letztendlich aus. © Christoph Schmidt/dpa

Der Fahrer des E-Rennwagens, Diogo Silva, zeigte sich mit dem neuen Weltrekord ebenfalls erleichtert. „Es war anstrengend, aber eine einzigartige Erfahrung, für die sich die Strapazen auf jeden Fall gelohnt haben“, erklärte er. Das Greenteam hatte in der einjährigen Vorbereitungszeit nämlich einige Rückschläge verkraften. „Wir mussten Ende Juli einen bitteren Rückschlag hinnehmen“, sagte Povolni. Während einer Testfahrt für den Weltrekord sei das Fahrzeug bei hoher Geschwindigkeit ausgebrochen und in einen Reifenstapel, der als Streckenabsperrung diente, gefahren. „Dem Fahrer ist zum Glück nichts passiert, aber das Fahrzeug hat einen enormen Schaden erlitten.“

Dann kamen die technischen Probleme hinzu, weswegen das Team den ursprünglich angesetzten Weltrekordversuch am 1. September um drei Wochen verschieben musste. Allen Widrigkeiten zum Trotz hat das Studententeam den Beschleunigungs-Weltrekord in einem E-Auto letztendlich aber doch wieder nach Deutschland geholt. Auch Wolfram Ressel, Rektor der Universität Stuttgart, gratulierte dem Greenteam zum Erfolg. „Die Universität Stuttgart ist stolz, dass es dem GreenTeam gelungen ist, eine neue Bestmarke für die Beschleunigung von E-Fahrzeugen zu setzen“, sagte er. „Ich bin wirklich begeistert, was unsere Studierenden hier geleistet haben.“

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