E-Fuels als Rettung

E-Autos drohen in Deutschland Zehntausende Jobs zu vernichten

Produktion
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E-Autos drohen Jobs bei Zulieferern zu vernichten, weil sie weniger Arbeitsschritte benötigen. Das wollen sie mit einem Kniff verhindern.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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E-Autos sind für die Autobauer eine Herausforderung. Besonders Zulieferer fürchten Massenentlassungen. Sie fordern einen Kniff, der Jobs retten soll.

Brüssel/Stuttgart - Obwohl die E-Mobilität grundsätzlich keine neue Technologie ist, steckt sie in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Ungelöste Probleme und Herausforderungen gibt es für die Automobilbranche an allen Ecken und Enden. Im Fokus ist meist die Optimierung der Technik, damit E-Autos den Ansprüchen moderner Mobilität genügen. Doch der Wandel hat gerade für die Wirtschaft in Baden-Württemberg eine besondere Tragweite: Es tobt eine Diskussion, ob und wie viele Jobs durch die E-Mobilität nun verloren gehen.

Der bekannteste Fahrzeughersteller aus dem Südwesten ist sich sicher, dass es ohne Stellenabbau nicht klappen wird. Daimler-Chef Ola Källenius glaubt, E-Autos werden zahlreiche Jobs kosten. Der Konzern ist allerdings nur die Anlaufstelle, wo sämtliche Technologie zusammenläuft. Die Zulieferer, die zahlreiche Einzelteile für Autos produzieren, werden da gerne unterschlagen. Bei diesen schaut man aber ebenso pessimistisch in die Zukunft. Der neue Bosch-Chef rechnet ebenso mit Jobverlusten durchs E-Auto. Wie das Handelsblatt berichtet, fordert der Verband europäischer Automobilzulieferer Clepa deshalb jetzt Unterstützung von der EU - mittels eines Kniffs.

Massenentlassungen durch E-Mobilität: Studie europäischer Zulieferer schafft klare Verhältnisse

Auch wenn beispielsweise der VW-Boss nicht an E-Autos als Jobvernichter glaubt: Eine Studie von Clepa bringt anderes hervor. Demnach wächst die Zahl der Beschäftigten bis 2025 durch die E-Mobilität zwar, dann folgt aber wohl bis 2035 ein dramatischer Absturz der Stellen. Der Studie zufolge werden in Europa von aktuell 645.000 Jobs in der Branche 501.000 wegfallen.

Das wird nicht einmal dadurch aufgefangen, dass auch neue Stellen durch die E-Mobilität entstehen - mit 226.000 Jobs wird kalkuliert. Denn diese wären dann nicht mehr im selben Unternehmen, meist nicht einmal mehr im selben Land. Allein in Deutschland würden der Studie nach 83.000 Stellen wegfallen.

Die Zulieferer sehen den sogenannten „Green Deal“ der EU-Kommission als Schuldigen dafür. Der sieht vor, dass in Europa ab 2035 Autos kein CO2 mehr ausstoßen dürfen. Per se ist das kein Verbrennerverbot, lässt Zulieferern und Fahrzeugherstellern aber im Grunde keine andere Wahl, als auf Alternativen zu setzen. Eben letzteres soll den Zulieferern jedoch helfen, Massenentlassungen vorzubeugen. Der neue Bosch-Chef mahnte bereits an, eine E-Auto-Alternative mehr zu beachten: E-Fuels.

Kniff der EU soll Massenentlassungen verhindern: Zulieferer fordern, Gesetz zu ändern

Die Idee des Verbands Clepa zielt nämlich darauf ab, dass Autohersteller E-Fuels kaufen und dem Benzin an Tankstellen beimischen dürfen. Damit würde zwar weiter CO2 ausgestoßen, aber an anderer Stelle eingespart. Zudem fordert der Verband, dass der CO2-Ausstoß bei der Produktion von Autos in die Klimabilanz mit einberechnet werden darf. Denn auch wenn die Bilanz insgesamt für E-Autos besser ausfällt: Bei der Produktion sind Verbrenner etwas sauberer. Die Zulieferer glauben, mit den beiden Anpassungen am EU-Gesetz Massenentlassungen abwenden zu können, weil sie dadurch auch für den Wandel zur E-Mobilität mehr Zeit gewinnen.

Diese Idee bleibt aber nicht frei von Diskussionen. Klimaschützer regen sich bereits, so das Handelsblatt. Denn die E-Fuels sollen deren Meinung nach nicht für Pkws eingesetzt werden, sondern in Bereichen, wo Alternativen wie E-Mobilität nicht darstellbar sind - etwa für Schiffe, Flugzeuge oder die Chemieindustrie.

Für den Verband Clepa stehen hingegen die Arbeitsplätze an erster Stelle. „Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir bei der Bewältigung der sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Wandels die Arbeitsplätze bei den Automobilzulieferern in den Mittelpunkt stellen“, so Generalsekretärin Sigrid de Vries zum Handelsblatt.

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