E-Auto-Boom

Sixt bietet in Deutschland kaum E-Autos an - Vermieter scheitert an Situation im Land

Ein BMW i8 Roadster steht vor einer Filiale des bayerischen Autovermieters Sixt in Cannes (Frankreich).
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Der Autovermieter Sixt will weltweit mehr E-Autos anbieten. Aktuell ist die Auswahl in Deutschland noch überschaubar.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Der Autovermieter Sixt will die Fahrzeugpalette stärker auf E-Autos auslegen. Aktuell sind die Modelle aufgrund des großen E-Auto-Booms aber schwierig zu bekommen.

Stuttgart/Pullach - Die großen deutschen Autobauer Mercedes-Benz, VW und BMW setzen immer deutlicher auf E-Autos. Die Mercedes-Benz AG leitete im vergangenen Jahr mit der Weltpremiere der elektrischen Limousine EQS eine neue Ära ein, viele weitere E-Autos des Autobauers aus Stuttgart sollen folgen. Obwohl aktuell ein großer Andrang auf die batteriebetriebenen Modelle zu bemerken ist, was mitunter auch den staatlichen Förderungen zuzuschreiben ist, gibt es noch immer Skeptiker, die Verbrenner-Autos vorziehen. Wer sich zunächst auf Leihbasis von einem E-Auto überzeugen will, kann das bei einer Autovermietung machen. Dort ist die Auswahl an Stromern mitunter aber noch sehr überschaubar.

Der Autovermieter Sixt aus Pullach bei München bietet eine ganze Reihe von unterschiedlichen Automodellen zur Leihe an - darunter auch welche der Mercedes-Benz AG. Aufgrund der weltweiten Chipkrise suchten Interessierte Mercedes-Modelle bei Sixt im vergangenen Jahr aber vergeblich. In einem Interview mit dem Handelsblatt sprach Geschäftsführer Alexander Sixt, der das Unternehmen zusammen mit seinem Bruder Konstantin leitet, über die E-Auto-Pläne des Autovermieters.

E-Autos bei Sixt: Unternehmen sieht sich als strategischer Partner der Hersteller

Der Autovermieter Sixt sieht sich nach eigenen Angaben als strategischer Partner der Autohersteller, da sich ein Erlebnis mit einem Mietwagen auf den Kaufprozess auswirke. Das sei ein wichtigeres Marketinginstrument als die von einem Autohaus angebotene Probefahrt oder eine klassische Anzeige, erklärte Alexander Sixt dem Handelsblatt. „Bei uns werden die Autos erlebbar“, sagte er. „Das gilt derzeit besonders für Elektroautos.“ Durch den immer stärkeren Fokus der großen Hersteller wie Mercedes-Benz auf die E-Autos muss sich also auch der Mobilitätskonzern Sixt entsprechend anpassen. Bislang ist das Angebot an E-Autos bei Sixt aber noch sehr überschaubar.

„Aktuell sind wir in der weltweiten Mietwagenflotte bei zehn Prozent, im Car-Sharing in Deutschland bei gut einem Drittel“, erklärte Alexander Sixt. „In einigen Märkten wie in den Niederlanden sind wir bei 100 Prozent.“ Dass der Autovermieter die Fahrzeugpalette aktuell nicht deutlich aufstocken kann, hat einen bestimmten Grund. „Wir hätten gerne deutlich mehr Elektroautos, aber die sind noch schwieriger zu bekommen als Verbrenner“, so Sixt. Das liege daran, dass die staatlichen Förderungen einen regelrechten Hype ausgelöst hätten. Der Geschäftsführer ist aber der Meinung, dass sich die Situation 2023 und 2024 auflösen werde. Tatsächlich bekommen Käufer für bestimmte E-Autos ab 2023 keine Prämie mehr.

Mobilitätskonzern Sixt: „Arbeiten an einer guten und nachhaltigen Elektroflotte“

Durch den Marketingeffekt rücken die Autobauer und -vermieter immer weiter zusammen. Der VW-Konzern hat beispielsweise Europcar gekauft und das Unternehmen Hertz bestellte 100.000 E-Autos bei Tesla, berichtet das Handelsblatt. Der Autovermieter Sixt will sich dagegen nicht an einen einzelnen Autohersteller binden. „Wir sind gut damit gefahren, unabhängig von Herstellern zu bleiben“, sagte Alexander Sixt. „Wir haben sehr gute Partnerschaften mit BMW, Daimler, Audi, Stellantis und eben besonders auch mit dem Volkswagen-Konzern.“

Obwohl die deutsche Autoindustrie für Sixt nach eigenen Angaben immer ein strategischer Partner bleiben wird, analysiert man in Pullach auch das internationale Geschehen genau. „Wir beobachten sehr interessiert die Entwicklung bei völlig neuen Marktteilnehmern“, sagte Geschäftsführer Alexander Sixt dem Handelsblatt. Das umschließt auch den vermeintlichen Marktführer Tesla, der in Grünheide bei Berlin eine Gigafabrik aufzieht, aber auch andere E-Auto-Hersteller. „Ich glaube, dass nach Jahren der Knappheit auch Jahre des Überangebotes kommen“, so Sixt. „Sicher ist: Wir arbeiten an einer guten und nachhaltigen Elektroflotte.“

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