Elektromobilität

Explosionssichere E-Autos kommen - deutsche Hersteller haben dagegen kaum Chancen

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Immer wieder kommt es vor, dass sich E-Autos beim Ladevorgang entzünden - doch nicht mit neuartigen Batterien aus China.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Batterien von E-Autos können brennen oder gar explodieren. China ist führend mit einer Technologie, die das Risiko dafür senkt - und darin laut eines Experten konkurrenzlos.

Peking/Stuttgart - Nicht nur die E-Autos der Daimler AG haben mitunter ein Imageproblem. Immer wieder machen sich Autofahrer Sorgen um die Brand- und Explosionsgefahr der Batterien von E-Autos. Zuletzt machte ein Feuer in Stuttgart deshalb Schlagzeilen. Bei dem großen Busdepot-Brand spielte ein E-Bus-Modell von Daimler eine Rolle.

Dabei ist das Risiko bei elektrifizierten Fahrzeugen umstritten. Die Brandgefahr von E-Autos ist nicht zwingend größer, als von Verbrennern. Das hängt allerdings auch damit zusammen, dass bei den aktuell weit verbreiteten Lithium-Ionen-Akkus umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Letztere könnten aber bald obsolet werden. Denn besonders China treibt eine Batterie-Technologie voran, die praktisch nicht entzündbar ist. Journalist und China-Experte Frank Sieren vermutet im Gespräch mit BW24, dass deren Vorsprung Chinas in diesem Bereich nur noch schwer aufzuholen sein wird.

Neue Batterien für E-Autos: LFP-Akkus aus China erleben Aufschwung

Die Brandgefahr von Lithium-Ionen-Akkus war nicht nur bei möglichen Unfällen ein Problem. Die Energiespeicher konnten sich auch durch Kurzschlüsse entzünden. Für diese Gefahr von E-Autos haben Wissenschaftler inzwischen eine Lösung. Dabei könnte das Risiko noch deutlich drastischer reduziert werden.

Der Journalist und China-Experte Frank Sieren ist überzeugt: bei der Batterietechnik haben deutsche Hersteller kaum noch eine Chance.

Möglich wäre das durch den Einsatz von Lithium-Eisenphosphat-Batterien (Englisch: Lithium-Ferrophosphat, kurz LFP). Erst kürzlich hatte Daimler-CEO Ola Källenius angekündigt, bei einigen neuen Modellen auf LFP-Akkus setzen zu wollen. Die E-Autos von Daimler sind billiger, haben aber einen Nachteil: Die geringere Energiedichte von LFP-Akkus sorgt aktuell noch für kleinere Reichweiten.

In China hat das die Fahrzeughersteller offenbar wenig gestört. Sie forschten weiter an der schon länger bekannten Technologie. Laut Frank Sieren offenbar mit Erfolg. Ihm zufolge kommen geschätzt 99 Prozent der LFP-Akkus derzeit aus China, wie Experte im Gespräch mit BW24 erklärt. Der chinesische Entwicklungsvorsprung könnte für deutsche Fahrzeughersteller wie Daimler künftig zum Problem werden.

LFP-Akkus in E-Autos: Batterien sind deutlich besser vor Bränden und Explosionen geschützt

Der chinesische Mischkonzern BYD baut unter anderem solche LFP-Akkus, das unternehmenseigene Produkt wird „Blade Battery“ genannt. Wie gering die Brand- und Explosionsgefahr der Akkus ist, zeigt ein eigenwilliger Test. „LFP-Akkus kann man mit Nägeln beschießen, da passiert überhaupt nichts“, erklärt Frank Sieren gegenüber BW24.

Tatsächlich gibt es auf Youtube Videos vom sogenannten „Nail Penetration Test“, bei der sich ein Nagel durch den Akku bohrt. Wie Auto-Motor-Sport berichtet, erhitzt sich eine Lithium-Ionen-Batterie dabei auf über 500 Grad. Videos zeigen, wie ein solcher Akku urplötzlich in einer Stichflamme aufgeht. Der LFP-Akku von BYD wird nur 30 bis 60 Grad warm, zu Feuer oder gar einer Explosion kommt es nicht.

Die praktisch ausgeschlossene Brand- und Explosionsgefahr von LFP-Akkus ist aber nicht der einzige Vorteil. Auch Effizienz- und Umweltschutzaspekte gehören laut Frank Sieren dazu. Das für Lithium-Ionen-Batterien notwendige Nickel, Mangan oder Cobalt wird nicht gerade unter umweltfreundlichen Bedingungen gefördert. Zudem braucht die Sicherheitsummantelung solcher Akkus viel Platz, weshalb die Batterie von E-Autos meist am Boden sitzt. LFP-Akkus hingegen sind kleiner und kompakter und ließen sich flexibler verbauen, so Frank Sieren.

E-Autos mit LFP-Akkus: China wird laut Experten seine Vormachtstellung behalten

Fahrzeughersteller wie die Daimler AG oder auch Tesla haben zwar bereits beschlossen, künftig stärker auf LFP-Akkus zu setzen. Aus der Kunden-Rolle werden sie aber so schnell nicht mehr herauskommen. „Der Entwicklungsvorsprung der Chinesen ist sehr groß, China wird bei diesem Thema führend bleiben“, erklärt Sieren gegenüber BW24.

Das dürften in Zukunft vor allem Volumenhersteller wie Volkswagen zu spüren bekommen. Gegen die sichereren und gleichzeitig billigeren E-Autos aus China rechnet Frank Sieren in den meisten Segmenten den deutschen Herstellern keine guten Chancen zu. Fahrzeughersteller wie die Daimler AG kann Sieren aber beruhigen. „Bei Luxusautos mache ich mir keine Sorgen“, erklärt er. Auch wenn Daimler beispielsweise mit seinem Design punkten kann, im Bereich Batterie und Vernetzung hält Frank Sieren China für „uneinholbar“.

Darüber hinaus ist China dem Spezialisten zufolge Deutschland in anderen Bereichen ebenso weit voraus. Große Reichweiten für E-Autos seien in China praktisch überflüssig, da lange Strecken mit dem gut ausgebauten Zugnetz zurückgelegt würden. Zudem forsche China an einem „Transrapid 2.0“ und einem Hyperloop, der künftig sogar das Flugzeug als Verkehrsmittel ersetzen könnte.

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