Rohstoff wird knapp

Zukunft des E-Autos in Gefahr? Produktion könnte bald stocken

Eine Ladestation für Elektro-Autos.
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Für die Produktion von E-Autos sind seltene Rohstoffe erforderlich.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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E-Autos bestehen aus zahlreichen Materialien. Besonders in der Batterie kommen seltene Rohstoffe vor, deren Förderung in mehrfacher Hinsicht problematisch ist.

Stuttgart - E-Autos werden immer beliebter. Doch es gibt auch zahlreiche Hürden, die dem Durchbruch der E-Mobilität im Weg stehen. Die wenigsten dürften dabei völlig verstehen, wie E-Autos eigentlich genau funktionieren. Sie kommen nicht ohne verschiedene Rohstoffe aus, deren Eigenschaften die Technologie überhaupt erst ermöglichen.

Was passiert, wenn Konzerne Probleme bei der Beschaffung dieser Rohstoffe haben, ist Verbrauchern spätestens seit der Chipkrise bewusst. Daimler-CEO Ola Källenius rechnet noch 2022 mit Problemen durch fehlende Chips. Während die Industrie hier gerade erst Licht am Ende des Tunnels sieht, bahnt sich laut Handelsblatt aber schon das nächste Dilemma an. Durch die E-Mobilität steigt der weltweite Bedarf an Kobalt. Das Metall ist aber selten - und begrenzt auf Regionen, die auch die Frage nach den Abbaubedingungen in den Fokus rückt.

E-Auto steht Krise bevor: Seltenes Metall wird für Fahrzeughersteller zum Problem

Die Batterien von E-Autos bestehen aus diversen Metallen, die für deren Funktionsfähigkeit entscheidend sind. Nicht alle bereiten Fahrzeugherstellern wie der Daimler AG allerdings Kopfzerbrechen. Erst kürzlich haben Forscher entdeckt, dass der Oberrheingraben Lithium für 400 Millionen E-Autos enthält. Sollte die Förderung gelingen, wären die Sorgen um diesen Rohstoff erst einmal vom Tisch.

Anders sieht es aber derzeit beim Aluminium aus. Dessen akuter Mangel bringt die Produktion von Daimler und Co. in Gefahr. Nun könnte sich offenbar Kobalt in die Liste der branchengefährdenden Rohstoffe einreihen. „Bei den Autoherstellern besteht die Sorge, dass Kobalt zu einem Problem werden könne, wie es Mikrochips heute sind“, erklärt der Kobalt-Chefhändler des Schweizer Rohstoffriesen Glencore dem Handelsblatt. Kobalt ist nur schwer zu ersetzen, da es die Spannung in der Batterie aufrechterhält. Ein Kernproblem der Verfügbarkeit von Kobalt ist dessen konzentriertes Vorkommen: 70 Prozent der Produktion stammten 2019 aus der Demokratischen Republik Kongo.

Kobalt für E-Autos: Regionale Konzentration und Förderbedingungen bereiten Sorgen

Theoretisch ließe sich das Kobalt in Lithium-Ionen-Batterien von E-Autos durch Nickel ersetzen. Doch damit täten sich Fahrzeughersteller wie die Daimler AG nicht wirklich einen Gefallen. Laut Handelsblatt konzentriert sich für dieses Metall die Produktion zu 60 Prozent auf die drei Länder Indonesien, Russland und die Philippinen.

Mit dem Einsatz von Kobalt verlassen sich Fahrzeughersteller aber nicht nur auf eine extrem einseitige Bezugsquelle. Sie betreten auch ein Feld, in welchem Förderbedingungen und Menschenrechte äußerst fragwürdig sind. Auf den Rohstoffriesen Glencore entfällt immerhin ein Drittel des weltweit geförderten Kobalts. Während der Konzern noch halbwegs zu überwachen ist, trifft das auf die Hälfte des geförderten Kobalts im Kongo nicht zu: Die kommt nämlich von lokalen Erzschürfern, die teils unter größter Gefahr selbst nach dem Metall suchen. Kinderarbeit ist dort ebenfalls weit verbreitet.

E-Autos sind auf seltene Rohstoffe angewiesen - und Fahrzeughersteller müssen handeln

Der Chef von Glencore-Konkurrent Trafigura hält den Kleinbergbau aber für unabdingbar, um die Nachfrage nach Kobalt zu decken. Branchenschätzungen zufolge dürfte der Bedarf bis 2025 von 150.000 Tonnen auf 250.000 Tonnen ansteigen. In drei bis vier Jahren soll dabei die Nachfrage das Angebot bereits übersteigen. Daimler und Co. müssen sich also mit der Förderung und den Bedingungen schnellstmöglich auseinandersetzen.

Zwischen lokaler Konzentration und fragwürdiger Förderung müssen die Fahrzeughersteller dann auch noch ein weiteres Problem lösen: Bereits der Mangel an Aluminium wurde unter anderem durch China verursacht, die einen Großteil dieses Metalls verarbeitet. Die Lage für Kobalt sieht genauso aus. Der Raffinationsprozess für die Batterien geschieht überwiegend in China.

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