Energiebedarf der Fahrzeuge

Strompreis-Explosion: Ist jetzt das E-Auto bedroht? Expertin spricht Klartext

Elektroauto an Ladesäule
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E-Autos kämpfen um Akzeptanz beim Verbraucher. Der Strompreis dürfte da entscheidend sein.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Die Strompreise sind in Deutschland gestiegen. Das fördert die Attraktivität von E-Autos nicht gerade. Denn deren Energiebedarf ist ohnehin ein Problem.

Stuttgart - Die Länder der Welt stoßen zu viel CO2 aus. Deutschland bildet da keine Ausnahme, im Gegenteil. Um einen weiteren Anstieg zu verhindern, müssen Maßnahmen folgen - global wie regional. Das betrifft auch die Wirtschaft in Baden-Württemberg.

Viele Sektoren sind für den CO2-Ausstoß verantwortlich, dazu gehört auch die Automobilindustrie. Aus Sicht des Klimaschutzes fließt deshalb viel Hoffnung in das Bestreben von Daimler und Co., künftig nur noch E-Autos zu bauen. Aber die Elektromobilität hat einen schweren Stand und noch viele Stellschrauben, die besser justiert werden müssen.

Die jüngste Preisexplosion beim Strom dürfte die Attraktivität beim Verbraucher nicht gesteigert haben. Für die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist das allerdings die kleinste Sorge, wie sie der Wirtschaftswoche (Wiwo) erklärte.

Attraktivität von E-Autos: Hoher Strompreis in mehrfacher Hinsicht unbedenklich

Abseits von ihrer CO2-Bilanz wird der Siegeszug von E-Autos letztlich durch die Verbraucher entschieden. Genauer gesagt von deren Geldbeutel. Denn eine Technologie, die sich die Mehrheit nicht leisten kann, hat kaum Chancen sich durchzusetzen. Die steigenden Strompreise dürften da Fahrzeugherstellern wie Daimler Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

Energieökonomin Claudia Kemfert vom DIW gibt aber Entwarnung - sofern die Politik vernünftig vorgeht. „Der Strompreis ließe sich leicht senken“, erklärt sie der Wiwo. Sie setzt auf eine sinkende EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz) sowie einer Senkung der Stromsteuer im Zuge einer Erhöhung der CO2-Bepreisung. Selbst bei weiterhin hohen Strompreisen sei ein E-Auto jedoch günstiger, als ein Verbrenner. „Elektroautos sind bauartbedingt einfach viel energieeffizienter“, so Kemfert.

Durchbruch des E-Autos: Es braucht mehr als nur günstigen Strom

Viel wichtiger als der Preis für den Strom ist laut der Energieökonomin vom DIW ohnehin dessen Verfügbarkeit. Schon jetzt plant das Vereinigte Königreich, den Strom für E-Autos aus Angst vor einem Blackout zu beschränken. Deshalb wünscht sich Claudia Kemfert „mindestens eine Verdreifachung oder Vervierfachung“ des Ausbautempos bei erneuerbaren Energien.

Zusätzlich müsse die Ladeinfrastruktur für E-Autos besser und nicht nur der Wirtschaft überlassen werden. „Sinnvoll und dringend geboten sind staatliche Investitionen“, so die Energieökonomin. Die Komplexität der Aufgabe zeigt sich aber auch an der Tragweite des Wandels. Claudia Kemfert fordert eine „umfassende Mobilitätswende“. „Es reicht nicht, den Motor auszutauschen. Autos sind keine Fahr-, sondern ‚Stehzeuge‘. Sie stehen 23 Stunden am Tag herum und verbrauchen sinnlos viel Platz“, kritisiert sie.

Trotz der vielen Baustellen hält sie den Siegeszug der Elektromobilität bereits für eingeleitet. Alternativen wie eFuels oder Wasserstoff räumt die Energieökonomin kaum noch Chancen ein. Autokonzerne wie Daimler „haben sich weltweit klar für die Elektromobilität entschieden“, erklärt Kemfert. „Es geht beim Abschied vom Verbrenner nicht mehr ums Ob, sondern nur noch ums Wann.“

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