Elektromobilität

Das Ladenetz für E-Autos in Deutschland ist ein Trauerspiel - „großes Versagen“

Ein Elektroauto des Typs BMW i3 lädt in Stuttgart (Baden-Württemberg) an einer Stromtankstelle.
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Laut der Bundesnetzagentur gibt es in mehr als der Hälfte aller deutschen Gemeinden keine öffentlichen Ladesäulen. In Baden-Württemberg ist das Netz deutlich besser ausgebaut.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Laut einem Fraktionsvorsitzenden der Linken mangelt es in Deutschland noch immer an Ladesäulen für E-Autos. In Baden-Württemberg sieht das jedoch anders aus.

Stuttgart/Berlin -E-Autos setzen sich immer mehr auf den deutschen Straßen durch. Autobauer wie Mercedes-Benz oder die Porsche AG setzen inzwischen stark auf batteriebetriebene Modelle und auch Fahrzeuge von US-Herstellern wie Tesla sind immer häufiger in Deutschland zu sehen. Daimler- und Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius nannte den Ausbau der Ladesäulen-Infrastruktur als wichtigste Voraussetzung für den Durchbruch der E-Autos.

Laut Dietmar Bartsch, dem Vorsitzenden der Linken-Fraktion im Bundestag, verfügt mehr als die Hälfte aller Gemeinden in Deutschland über keine öffentlich zugänglichen Ladesäulen für E-Autos, wie er den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte. Er stützt sich dabei auf Angaben des Kraftfahrtbundesamts, wonach es in 6.516 Gemeinden der insgesamt 10.796 Gemeinden der Bundesrepublik keine einzige Ladesäule gibt. In Baden-Württemberg sieht die Sache dagegen anders aus. Der Energieversorger EnBW errichtete zahlreiche Ladesäulen und auch große Ladeparks im Südwesten und treibt den Ausbau weiter voran, wie ein EnBW-Sprecher auf Anfrage von BW24 sagte.

E-Autos in Deutschland: „Es gibt ein großes Ladesäulenversagen“

Die Daten des Kraftfahrtbundesamtes, die den Zeitungen der Funke Mediengruppe vorliegen, gehen aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums hervor, die Dietmar Bartsch angefragt hatte. In ganz Deutschland gebe es demnach 25.376 öffentlich zugängliche Ladesäulen mit insgesamt 49.207 Ladepunkten für E-Autos. Das sei dem Linken-Politiker deutlich zu wenig. „Es gibt ein großes Ladesäulenversagen“, sagte Bartsch. Ihm zufolge könne die Umstellung auf die E-Mobilität nicht gelingen, wenn die Politik die Bereitstellung der entsprechenden Infrastruktur verschlafe.

In der Landeshauptstadt Stuttgart und ganz Baden-Württemberg ist der Ausbau einer Infrastruktur an Ladesäulen für E-Autos inzwischen weit fortgeschritten. Die EnBW mit Hauptsitz in Karlsruhe errichtete nicht nur viele Ladesäulen, sondern mehrere große Ladeparks im Südwesten. „Unser erster großer Ladepark entstand in Rutesheim“, sagte der EnBW-Sprecher gegenüber BW24. „Inzwischen haben wir in mehreren großen Städten in Baden-Württemberg solche Parks, beispielsweise in Ludwigsburg, Karlsruhe und Stuttgart.“ In Rutesheim stehen etwa vier Ladesäulen mit insgesamt acht Ladepunkten und einer Ladeleistung von 300 Kilowatt. „Der Fokus liegt klar auf Schnellladen“, so der Sprecher.

EnBW fokussiert Ausbau der E-Auto-Infrastruktur: „Wir knüpfen das Ladenetz immer dichter“

Die Infrastruktur an Ladesäulen für E-Autos in Baden-Württemberg konzentriert sich laut der EnBW bewusst auf bestimmte Punkte. „Wir errichten Ladepunkte an den Verkehrsadern“, erklärt der Sprecher. „Zudem arbeiten wir mit Partnern zusammen, um Ladesäulen im Einzelhandel aufzubauen.“ Zu den Partnern gehören beispielsweise dm, Hagebau oder Toom. Auch auf Parkplätzen der Discounterkette Lidl stehen bereits Ladesäulen. Lidl geht jedoch gegen Ladeschnorrer vor: Wer nicht einkauft, darf sein E-Auto nicht laden.

Die Ladesäulen der EnBW ermöglichen mit einer Ladeleistung von 300 Kilowatt schnelles Laden, was auch dem Fernverkehr zugutekommt. „Man fährt an einen Ladepark, lädt sein Fahrzeug für 20 Minuten und fährt weiter“, sagte der Sprecher gegenüber BW24. Der Energieversorger baut jedoch nicht nur im Südwesten die Infrastruktur aus. „Wir haben bundesweit über 650 Standorte“, so der Sprecher weiter. „Wir knüpfen das Ladenetz immer dichter.“ In Bezug auf das ganze Land ist das aber scheinbar nicht genug.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft IG Metall, Jörg Hofmann, fordert deshalb von der neuen Bundesregierung mehr Tempo beim Ausbau der Infrastruktur. „Es gibt einen Crash, wenn wir da nicht nacharbeiten“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Die Programme für die Förderung von Elektroautos laufen, die Fabriken der Hersteller werden auf E-Mobilität umgestellt, und die Kunden wollen die Fahrzeuge haben.“ Bislang gebe es jedoch noch deutlich zu wenig Ladesäulen.

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