Netzwerk an Ladesäulen

Deutschland will den E-Auto-Boom - und verhindert die wichtigste Voraussetzung dafür

Ein Auto mit Plug-in-Hybrid-Antrieb lädt in Berlin-Mitte an einer Ladesäule.
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Das Zeitalter des E-Autos ist eigenleitet. In Deutschland mangelt es jedoch noch immer an Ladesäulen.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Die deutschen Autobauer Daimler, BMW und Co. setzen immer stärker auf die E-Mobilität. Für den Ausbau des bundesweiten Ladenetzes gibt es jedoch noch einige Hürden.

Stuttgart - In der deutschen Autoindustrie lautet die Devise: Weg vom Verbrenner, hin zum batteriebetriebenen Motor. Die Daimler AG aus Stuttgart leitet das endgültige Verbrenner-Aus bereits früher ein als gedacht und will ab 2030 nur noch E-Autos produzieren. Der Konzern mit dem Stern stellte vor einigen Wochen das vollelektrische Flaggschiff EQS vor, das laut CEO Ola Källenius jedoch nur der Beginn einer neuen Ära darstellen soll. Auch BMW hat mit dem iX3 ein leistungsstarkes E-Auto auf dem Markt und Volkswagen bietet bereits mehrere elektrisch-betriebene Fahrzeuge an.

Bei dem immer stärker werdenden Fokus auf die E-Mobilität brauchen die Autobauer auch eine große Menge an Batteriezellen. Die Daimler AG hatte sich lange dagegen gewehrt, eigene Batteriezellen zu bauen, plant nun jedoch acht Gigafabriken weltweit. Zudem wird für den Durchbruch jedoch auch ein gut ausgebautes Netz an E-Auto-Ladenetzen benötigt. Dabei gibt es bislang jedoch noch einige Hürden zu überwinden, wie das Handelsblatt berichtet. Das ist vor allem für kleinere Unternehmen und Investoren ein Problem.

E-Auto-Zeitalter eingeläutet, doch es fehlt noch immer an Ladesäulen

Wer ein Verbrenner-Modell fährt, hat in Deutschland nur in den abgelegensten Gemeinden ein Problem, eine Tankstelle zu finden. So gut wie das Tankstellennetz ist das Netz an E-Ladesäulen bislang allerdings definitiv nicht ausgebaut. Dennoch nimmt der Aufschwung der E-Autos immer schnellere Züge an und das Verbrenner-Ende rückt in greifbare Nähe. Baden-Württemberg steht im bundesweiten Vergleich zwar relativ gut dar, hier wird das Ladenetz beständig ausgebaut, insgesamt ist jedoch noch ein deutlicher Mangel zu spüren. Porsche kündigte bereits an ein Netz von Ladestationen nur für die eigenen Modelle errichten zu wollen und Tesla will die Supercharger bald für alle Hersteller zugänglich machen.

In Baden-Württemberg und auch der Landeshauptstadt Stuttgart stehen inzwischen an vielen Orten E-Auto-Ladesäulen des Netzanbieters Enbw. Das EU-Recht soll aber eigentlich vermeiden, dass große Anbieter das gesamte Netz für sich beanspruchen. Ein Problem bei dem Ausbau des bundesweiten Ladenetzes für E-Autos ist jedoch, dass kleine Anbieter oftmals keine Chance haben. „Das gesamte System ist auf kleine Ladesäulenbetreiber nicht eingestellt“, sagt Florian Wesche, Partner bei der Wirtschaftskanzlei Dentons und Sachverständiger beim Bundesverband Elektromobilität laut dem Handelsblatt.

Ladesäulen-Netzwerk: Deutschland fährt im Vergleich hinterher

Große Unternehmen wie die Möbelhaus-Kette Ikea oder die Discounter-Kette Lidl haben bereits E-Auto-Ladesäulen vor ihren Filialen errichtet. Dort können Kunden während des Einkaufens ihre E-Autos laden. Kleinere Unternehmen haben dagegen oftmals mit so großen Hindernissen zu kämpfen, dass sie gar nicht erst Ladesäulen aufstellen. „Die Unternehmer werden mit einer Komplexität konfrontiert, die sie nicht beherrschen“, sagt Florian Wesche. „Sie wollen nicht extra Mitarbeiter einstellen, um Ladesäulen aufstellen zu können.“

Mit den beschleunigten E-Auto-Strategien der Daimler AG und anderer Autobauer werden kurzfristig wohl deutlich mehr E-Autos auf den deutschen Straßen unterwegs sein, wie bisher. Daimler will bis 2030 nur noch E-Autos bauen und die Bundesregierung bis dahin eine Million Ladesäulen aufgebaut haben, wie das Handelsblatt berichtet. Bislang sind laut dem Wirtschaftsportal jedoch nur 44.000 verfügbar und auch insgesamt fährt die Bundesrepublik im Vergleich mit den europäischen Nachbarländern hinterher. Der Spitzenreiter, die Niederlande, hat bereits 3,53 öffentliche Ladesäulen pro 1.000 Einwohner errichtet während Deutschland gerade mal auf 0,53 kommt.

Gründe für den langsamen Ausbau des Ladenetzes in Deutschland sind unnötig komplizierte Sonderregeln, berichtet das Handelsblatt. Die Bundesregierung will beispielsweise unbedingt auch das Bezahlen mit EC- und Kreditkarte an den Ladesäulen ermöglichen. Darüber müsse jedoch im September erst der Bundesrat entscheiden. Zugestimmt habe er jedoch bereits dem Schnellladegesetz, mit dem die Regierung nun bundesweit Ladesäulennetze ausschreibt. Laut Florian Wesche zeige dieses Vorgehen, „dass dem Bund nicht mehr viel einfällt, um den langsamen Netzausbau voranzubringen“.

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