Elf Kilo leichter, aber glücklich

Vermisste Hündin „Dobby“ endlich wieder Zuhause: „Haben nicht mehr an Happy End geglaubt“

Dobby und ihre Besitzerinnen, Lena Stroh und Bianca Pinter.
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Dobby und ihre Besitzerinnen, Lena Stroh und Bianca Pinter.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Fast vier Monate lang suchten zwei Stuttgarterinnen ihre Hündin Dobby, die bei einem Spaziergang spurlos verschwunden war. Zwischenzeitlich drohten Jäger mit einem Abschuss - nun ist Dobby wieder zurück.

Update vom 25. März, 11:51 Uhr: Seit November war die Hündin Dobby aus Bad Cannstatt verschwunden und irrte offenbar mutterseelenallein durch die Stuttgarter Wälder. Nachdem das scheue Tier monatelang planlos zwischen Kernen und dem Remstal unterwegs war, hatten ihre Besitzerinnen, Bianca Pinter und Lena Stroh sich Hilfe suchend an die Öffentlichkeit gewandt. Zwischenzeitlich hatten Jäger mit dem Abschuss von Dobby gedroht, da sie in ihr eine Gefahr für ihr Wild sahen. Trotz Kamera-Aufnahmen an Futterstellen war Dobby für ihre Besitzerinnen nicht auffindbar. Nun können sie endlich aufatmen: Ihre geliebte Hündin ist nach fast vier Monaten wieder zurück - elf Kilo leichter, aber überglücklich.

„Wir hatten schon fast nicht mehr an ein Happy End geglaubt“, sagte Bianca Pinter der Stuttgarter Zeitung. Kurz nach 4 Uhr in der Nacht auf Mittwoch sei endlich die Lebendfalle zugeschnappt, die die Besitzerinnen gemeinsam mit einem Tierschützer aufgestellt hatten. Zuvor hatten sie über Wärmebildkameras entdeckt, dass Dobby an genau dieser Stelle einige Tage in Folge zugange war.

Hündin Dobby ist zurück: „Sie läuft in der Wohnung herum, wedelt mit dem Schwanz und sucht unsere Nähe“

„Im ersten Moment ist sie erschrocken, als die Tür der Falle herunterfiel, aber dann hat sie sich in aller Ruhe über den Napf hergemacht und alles gefressen“, erzählte Lena Stroh der Stuttgarter Zeitung. Nach ihrem langen Aufenthalt draußen auf der Straße fühlt sich Dobby, wieder angekommen in ihrem Zuhause, offenbar pudelwohl. „Sie läuft in der Wohnung herum, wedelt mit dem Schwanz und sucht unsere Nähe“, so Stroh.

Um Dobby vor einem Abschuss durch Jäger zu schützen, hatten die Stuttgarterinnen unter www.lasst-dobby-leben.de eine Petitition gestartet, die mittlerweile über 67.000 Unterstützer hatte. Dobbys Vorgeschichte hatte die Suche erschwert. So vermuten ihre Besitzerinnen, die Dobby aus dem Ausland geholt haben, dass sie bereits Zeit auf der Straße und im Tierheim verbracht hat - und deshalb an einer Angststörung leidet.

Erstmeldung vom 14. März: Stuttgart - Hilfesuchend richtete sich eine Hundebesitzerin aus der Landeshauptstadt Stuttgart an die Netzgemeinde. Auf ihrer Website teilte die Bad Cannstatterin Bianca Pinter die Geschichte ihrer Hündin Dobby, die im November beim Gassigehen in den Weinbergen verschwunden ist. Aufgrund ihrer Vorgeschichte sei die Hündin ängstlich und menschenscheu.

„Wir wissen nicht viel, aber wahrscheinlich war sie ein bis zwei Jahre auf der Straße und ihr restliches Leben im Tierheim“, schreibt ihre Besitzerin. Nachdem sie Dobby aus dem Ausland zu sich geholt habe, sei die Hündin noch immer traumatisiert und leide vermutlich an einer Angststörung.

Seit dem 29. November fehlt von Dobby jede Spur. Bei Minusgraden irrte die Hündin über Monate mutterseelenallein und abgemagert durch Stuttgarts Wälder. Wärmebildkameras dokumentierten, dass sie an Futterstellen zugange war. Als wäre das nicht schlimm genug, droht der Hündin nun weitere Gefahr.

„Soweit wir wissen, planen ortsansässige Jäger, eine Genehmigung zum Erschießen von Dobby zu bekommen“, so Pinter. Der Grund: Die Jäger haben Angst, die Hündin könnte das Wild im Revier aufschrecken. „Einige Jäger haben uns gedroht“, berichtet Pinter in einem Video des Portals Stuttgart Journal. Auf eine telefonische Drohung sei sogar noch eine persönliche Drohung gefolgt. Es handle sich um drei, vier Einzelpersonen.

„Alte, sehr liebe und ängstliche Hündin“ - Besitzerin schließt Gefahr für Wildtiere aus

Da Dobby „eine alte, sehr liebe und sehr ängstliche Hündin“, sei, schließt Pinter eine Gefahr für Wildtiere aus. Neben zahlreichen Unterstützern der Petition „Lasst Dobby leben“ sicherte mittlerweile auch der Jagdverband Baden-Württemberg offiziell seine Unterstützung bei der Suche nach Dobby zu. „Wir haben großes Interesse an einer Klärung der Angelegenheit“, schreibt Sophia Lorenzoni vom Bereich Öffentlichkeitsarbeit des Jagdverbands laut Stuttgart Journal.

Legal wäre ein Abschuss nur, wenn die Polizei Stuttgart eine Genehmigung erteilt. Nur eine konkrete Gefahr für Wildtiere erlaubt laut Landesgesetz einen Abschuss. „Eine mögliche Gefährdung der Wildtiere reicht nicht aus“ betont Bianca Pinter. Ohne tatsächliche Beweise wie das Reißen eines Rehs werde Dobby von den Jägern als eine Gefahr dargestellt.

„Wir möchten mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, Dobby das Leben zu retten und sie nach Hause zu holen“, schreibt Bianca Pinter sichtlich verzweifelt auf ihrer Website. „Wir möchten verhindern, dass ein so liebenswertes Wesen getötet wird, nur weil den Jägern das Verständnis fehlt. Nicht nur, weil wir sie lieben, sondern auch, weil wir der Meinung sind, dass ein Lebewesen, das leben möchte, nicht das Recht auf Leben abgesprochen werden darf.“

Dobby: Hündin war überglücklich in ihrem neuen Zuhause - 67.000 Menschen unterschreiben Petition

In ihrem neuen Heim war die Hündin sichtlich aufgeblüht, wie zahlreiche Foto- und Videoaufnahmen auf der Website von „Lasst Dobby leben“ dokumentieren. Vergnügt rennt sie durch die Stuttgarter Weinberge und schmust sich trotz ihrer traumatischen Erfahrungen an ihre Besitzer.

In der Anfangszeit habe sie noch dauerhaft den Schwanz eingezogen und am ganzen Körper gezittert, sobald die Besitzer das Haus verließen, so Bianca Pinter. Auch vor Rollern, Fahrrädern und Kinderwagen hätte sie anfangs große Angst verspürt. „Wir können nur erahnen, was in ihrer Vergangenheit passiert ist.“

Schritt für Schritt hatte sich Dobby mit ihrem neuen Leben vertraut gemacht und offenbar ein Heim gefunden, in dem man sie bedingungslos liebte. „Tatsächlich konnten wir enorm schnell Verbesserungen erkennen“, erzählt die besorgte Hundebesitzerin. Wer Dobby in Stuttgart gesehen hat, könne Hinweise an die angegebene E-Mail-Adresse von lasst-dobby-leben.de senden. Über 67.000 Menschen haben bereits an der Online-Petition teilgenommen.

Einen ähnlichen Diskurs löste erst kürzlich in Baden-Württemberg ein seltener Golschakal aus, der bei Rastatt in eine Fotofalle tappte. Auch hier fürchteten Tierfreunde um das Leben des Schakals und vermuteten, dass Jäger ihn erschießen könnten.

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