Von der römischen Siedlung zur Autostadt

Stuttgart: König Wilhelm I., Nazi-Zeit, US-Besatzung - die Geschichte der Landeshauptstadt

Die Grabkapelle auf dem Rotenberg in Stuttgart, die König Wilhelm I. für Königin Katharina errichtete
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Die Geschichte von Stuttgart wurde von König Wilhelm I. geprägt, der für Königin Katharina die Grabkapelle auf dem Rotenberg errichtete
  • Sabrina Hoffmann
    vonSabrina Hoffmann
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Die Geschichte von Stuttgart ist lang. Die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg gehört zu den ältesten Siedlungen Deutschlands und veränderte ihr Gesicht durch den Zweiten Weltkrieg für immer.

  • Das Stadtgebiet von Stuttgart ist bereits seit der vorgeschichtlichen Zeit besiedelt
  • König Wilhelm I. holte das Herzogtum Württemberg in die spätere Landeshauptstadt
  • Nach den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile der Altstadt nicht wieder aufgebaut

Stuttgart - Als Landeshauptstadt von Baden-Württemberg ist Stuttgart eines der Wirtschafts- und Kulturzentren Süddeutschlands. Gleichzeitig hat die Metropole eine lange Geschichte, die bereits vor der Zeit der Römer begann. Die Geschichte von Stuttgart hat Höhen und Tiefen. Gerade das macht den Werdegang der Stadt am Neckar jedoch so interessant.

König Wilhelm I. prägte die Geschichte von Stuttgart tief. Jahrhunderte später veränderte das Nazi-Regime das Gesicht der Landeshauptstadt. Im Zweiten Weltkrieg wurde Stuttgart durch Bombenangriffe in großen Teilen zerstört - und die alten Gebäude wurden nie wieder aufgebaut. Schließlich entwickelte sich die Stadt unter der US-Besatzung zum Wirtschaftsmotor Deutschlands. Von der frühzeitlichen Siedlung zur Automobil-Metropole - die Geschichte von Stuttgart im Überblick.

Stuttgart und seine Geschichte: von der Siedlung zur Stadt – die Anfänge

Ausgrabungen haben gezeigt, dass auf den Anhöhen des Stadtteils Cannstatt die ersten dauerhaften Siedlungen im Raum Stuttgart entstanden sind. Um 90 nach Christus waren es die Römer, die auf dem heutigen Stadtgebiet ein Kastell errichteten. Die Römer nutzten dieses als militärischen Stützpunkt, der unweit der Limes verlief.

Um 150 nach Christus wanderte der Limes ostwärts, da die Römer ihren Einflussbereich abseits von Stuttgart erweiterten. Das Kastell Stuttgart-Bad Cannstatt verlor an Bedeutung und schrumpfte wieder. 260 nach Christus eroberten die Alemannen das Gebiet und die Geschichte von Stuttgart schien schon wieder zu Ende zu sein. Dann siedelten jedoch die Alemannen auf dem Gebiet des heutigen Stuttgart, wie vor allem Gräberfunde belegen. Ab dem 6. Jahrhundert wuchs die Bedeutung der Siedlung erneut. Beleg dafür ist die Martinskirche in Stuttgart-Plieningen, die um das Jahr 600 errichtet wurde.

Stuttgart im Mittelalter: Geschichte des Stadtnamens

Das eigentliche Stuttgart entstand wohl zwischen 926 und 948 als Gestüt. Die geografische Lage prädestinierte den Ort für die Pferdezucht. Auch Liudolf von Schwaben gilt als ein möglicher Gründer der neuzeitlichen Siedlung. Der Name Stuttgart taucht erstmals 1160 in den Geschichtsbüchern auf. Um 1250 entstand eine Burg und 1286 kam es zur ersten Belagerung in der Geschichte von Stuttgart. Die Habsburger gewannen den Kampf um die Stadt und weite Teile der Stadt wurden zerstört.

Ab 1300 erfolgte der Wiederaufbau. Zu jener Zeit spielte Stuttgart regional keine große Rolle und stand unter der Verwaltung von Esslingen. Eberhard I. gibt Stuttgart 1492 das Stadtrecht. Er ist Herzog von Württemberg-Stuttgart und macht die Stadt 1495 zur Residenz des Herzogtums.

Geschichte von Stuttgart: Industrielle Revolution und 20. Jahrhundert

Nachdem die Pest die Bevölkerung von Stuttgart zur Mitte des 17. Jahrhunderts auf etwa 5.000 Einwohner dezimierte hatte, begann der Aufstieg der Stadt unter Karl Alexander. 1733 verlegte er das Herzogtum Württemberg von Ludwigsburg nach Stuttgart.

Nach Napoleons Sieg im Krieg gegen Österreich 1805, als Württemberg den französischen Regenten unterstützte, wurde die Region als Dank zum Königreich aufgewertet. Das Königreich Baden-Württemberg existierte von 1806 bis 1918 mit Stuttgart als Hauptstadt. König Wilhelm I. wurde im September 1841 in Stuttgart gekrönt. Ihm zu Ehren wurde die Jubiläumssäule errichtet, die heute zu den Wahrzeichen und einer der beliebten Sehenswürdigkeiten von Stuttgart ist.

Das Ende des Königreichs Baden-Württemberg kam im Zuge der Novemberrevolution 1918. Die Revolutionären zwangen Wilhelm II., der zu diesem Zeitpunkt das Königreich regierte, zum Verzicht auf die Krone.

Geschichte von Stuttgart: Diese Könige regierten das Königreich Württemberg

KönigRegentschaft
Friedrich Wilhelm Karl von Württemberg1806 – 1816
Wilhelm I.1816 – 1864
Karl Friedrich Alexander von Württemberg1864 – 1891
Wilhelm II.1891 – 1918

Stuttgart im Zweiten Weltkrieg: Nazi-Regime und Luftangriffe der Alliierten

Die Geschichte von Stuttgart im Dritten Reich ist besonders denkwürdig. Die Nazis hatten Schwierigkeiten dabei, die Herrschaft über Stuttgart zu erlangen. Die Regierung setzte sich gegen die Aushöhlung der Demokratie durch die Nationalsozialisten länger zur Wehr als in anderen Regionen Deutschlands. In Stuttgart wuchsen zudem die späteren NS-Widerstandskämpfer Berthold und Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf.

Am 15. Februar 1933 unterbrachen Gegner des NS-Regimes die Rundfunk-Übertragung einer Rede, die Adolf Hitler in Stuttgart hielt. Im selben Jahr erfolgte die Zusammenfassung mit den Hohenzollernschen Landen zum NS-Gau Württemberg-Hohenzollern.

Geschichte von Stuttgart: Wiederaufbau und Besatzung durch die US-Armee

Im Zweiten Weltkrieg wurde Stuttgart vor allem ab Herbst 1944 schwer von Luftangriffen der US Army und der RAF getroffen. Am 21. April fiel die Stadt und die Besatzung durch die Franzosen begann. Später gehörte Stuttgart zur amerikanischen Zone. Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau, der vor allem moderne Aspekte berücksichtigte.

Ein großer Teil der Geschichte von Stuttgart ging in den Bombenangriffen ging für immer verloren. Bedeutende alte Bauwerke wie das alte Rathaus wurden nicht wieder aufgebaut - anders als in anderen deutschen Städten. Stattdessen planten die Architekten das neue Stadtzentrum unter modernen, nüchternen Richtlinien.

Trümmer von den Bombenangriffen wurden zum Gedenken auf dem Trümmerberg am Birkenkopf aufgetürmt, der heute noch über der Stadt emporragt. Dokumentationen erzählen von der Rekonstruktion der Stadt und den Anstrengungen für den Wiederaufbau.

Stuttgart wird Landeshauptstadt: Der Zusammenschluss von Baden und Württemberg-Hohenzollern

Im Jahr 1952 entstand das neue Bundesland Baden-Württemberg aus dem Zusammenschluss von Württemberg-Baden, dem Land Baden und Württemberg-Hohenzollern. Stuttgart wurde zur Landeshauptstadt und etablierte sich schnell als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum Südwestdeutschlands. Die Bevölkerung von Stuttgart wuchs von rund 266.000 im Jahre 1945 auf knapp 640.000 in 1962. Mit der Geschichte von Stuttgart und Baden-Württemberg befasst sich das Haus der Geschichte.

Von Jouni Frommann

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