Bahnstreik im Güterverkehr

Daimler und Co.: Bahnstreik ist für die Autoindustrie riskant - „bekommen Verbraucher zu spüren“

  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
    schließen

Seit Samstag streiken die Lokführer im Güterverkehr der Deutschen Bahn. Das trifft auch die Autoindustrie im Land. Bei der Daimler AG beobachtet man die Lage genau.

Berlin/Stuttgart - Bereits vor kurzem hatte die Lokführergewerkschaft GDL zu Streiks aufgerufen. Auch in Baden-Württemberg fielen zahlreiche Züge aus. Doch bei diesem einen Streik allein wollten es die Verantwortlichen nicht belassen. Seit Samstag hat die Gewerkschaft erneut die Arbeit niedergelegt - zunächst im Güterverkehr, seit Montag auch im Personenverkehr. Reisende und Pendler trifft das hart.

Dabei wird schnell vergessen, dass nicht nur Menschen auf den Verkehr über die Schiene angewiesen sind. Mithilfe von Zügen werden in ganz Deutschland tagtäglich auch unzählige Waren bewegt. Allerdings betrifft der Streik auch den Güterverkehr der Deutschen Bahn. Verbände fürchten nun, dass ohnehin vorhandene Materialengpässe dadurch verschärft werden - auch die der Autoindustrie. Doch im Gegensatz zu anderen Unternehmen scheint die Daimler AG davon zumindest bislang nicht betroffen.

Daimler und Co.: Bahnstreik könnte Autoindustrie treffen

Bereits jetzt werden wegen Chipmangels bei Daimler, BMW & Co. Millionen Autos nicht gebaut. Diese Engpässe werden womöglich durch den Streik im Güterverkehr noch schlimmer. „Das dürften früher oder später auch die Verbraucher spüren, etwa beim Bau oder dem Autokauf“, so Carsten Knauer zur Deutschen Presseagentur. Er ist Leiter der Sektion Logistik beim Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME).

Streik im Güterverkehr verschärft Materialengpässe: Branchen wie die Autoindustrie sind auf den Warentransport mit Zügen angewiesen.

Für Branchen wie die Autoindustrie gebe es in bestimmtem Lieferketten kaum Alternativen zum Güterverkehr - etwa bei der Bahn-Konkurrenz auf der Schiene oder auf der Straße. „Jeder Verkehrsträger ist total überbucht und die Preise gehen durch die Decke“, erklärt Carsten Knauer. „Es ist aktuell kurzfristig so gut wie unmöglich, Verkehre auf die Straße zu verlagern.“

Daimler AG beobachtet Auswirkungen des Bahnstreiks genau

Die Tatsache, dass viele Unternehmen aus der Autoindustrie durch den Bahnstreik Probleme bekommen könnten, sieht Carsten Knauer vom BME aber auch teils als hausgemacht an. Noch immer gilt die „Just in Time“-Produktion ohne Lagerung in vielen Branchen als Maxime - obwohl das die Anfälligkeit erhöht. „Ich kann es nicht verstehen, warum Unternehmen nicht mehr in Richtung Lager gehen“, so Knauer. „Ja, es kostet Geld, aber am Ende muss es sein. Ein Streik reicht schon aus, und es kommt nichts mehr nach.“

Immerhin scheint die Daimler AG aktuell nicht zusätzlich vom Streik im Güterverkehr betroffen zu sein „Aktuell hat die Situation keine Auswirkungen auf die Produktion“, erklärt eine Sprecherin gegenüber BW24. Allerdings legt die Lokführergewerkschaft die Arbeit noch bis Mittwochmorgen nieder, entsprechend ist auch Daimler alarmiert. „Wir beobachten und evaluieren die Situation kontinuierlich in enger Abstimmung mit unseren Transportdienstleistern“, heißt es weiter. Die Deutsche Bahn hat beim Güterverkehr auf der Schiene immerhin einen Marktanteil von etwa 45 Prozent.

Rubriklistenbild: © Mercedes-Benz AG - Global Commun

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare