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„Das geht gar nicht“: Denkmal von Kaiser Wilhelm I. bei Kirchentag mit Tuch verhüllt

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Von: Nadja Pohr

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Denkmal von Kaiser Wilhelm I. bei Kirchentag mit Tuch verhüllt
Mit einem roten Tuch haben Künstler das Denkmal von Kaiser Wilhelm I. auf dem zentralen Stuttgarter Karlsplatz verhüllt. © Marijan Murat/dpa

Anlässlich des Katholikentags in Stuttgart haben Künstler die Statue von Kaiser Wilhelm I. aus Protest mit einem roten Tuch verhüllt. Im Netz erntet man dafür jedoch Kritik.

Stuttgart - Mehrere Meter hoch thront Kaiser Wilhelm I. auf seinem Pferd mitten auf dem Stuttgarter Platz. Viel zu sehen ist aber in den kommenden Tagen nicht vom Standbild. Denn die Figur des Monarchen mit der Pickelhaube wird von Historikern immer umstrittener betrachtet.

Mit einem roten Tuch haben das Kunstkollektiv ReCollect das Denkmal von Kaiser Wilhelm I. auf dem zentralen Karlsplatz in der Landeshauptstadt Stuttgart verhüllt. Beauftragt wurden die Künstler von ReCollect von mehrere Veranstalter des anstehenden Katholikentags sowie auch vom Stuttgarter Kulturamt.

Kaiser Wilhelm I. stehe in Zusammenhang mit dem beginnenden Nationalismus

Der Grund für die Verhüllung: Wilhelm I. steht nach Ansicht der Veranstalter des Katholikentags als Kaiser der Reichsgründung in Zusammenhang mit dem beginnenden Nationalismus und der danach einsetzenden Kolonialisierung durch das Deutsche Reich. Durch die Abdeckung der Statue wolle eine Arbeitsgruppe des Kirchentags das Reiterdenkmal „kontextualisieren“, wie die Stuttgarter Zeitung berichtet.

Das Reiterstandbild war zehn Jahre nach dem Tod Wilhelms I. (1797-1888) enthüllt worden, um Württembergs Zugehörigkeit zum Deutschen Reich zu bekunden. Es stand in den vergangenen Jahren immer wieder im Zentrum von Debatten, auch ein Farbanschlag wurde bereits auf den Monarchen verübt. Neben dem Denkmal soll bald auch eine Infotafel stehen, die seine Geschichte erläutert.

Verhüllung der Statue von Kaiser Wilhelm I. stößt auf heftige Kritik im Netz

Auch wenn die Statue von Kaiser Wilhelm I. in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg schon häufiger für Diskussionen sorgte, erntet man im Internet für die Verhüllung heftige Kritik. „Eine sehr befremdliche Aktion“, oder „Das geht gar nicht. Das darf auch die Stadt Stuttgart nicht tolerieren“, finden die User auf Facebook. Die katholische Kirche solle sich um ihre eigenen Probleme kümmern, heißt es. „Um die Schandtaten der katholischen Kirche zu verhüllt, müsste Christo nochmal hochkommen“, äußert eine Nutzerin. „Von Ablasshandel, Hexenverbrennung bis Kindesmissbrauch alles dabei, aber hier den geschichtlichen Moralapostel spielen“, ärgert sich ein anderer.

Einige finden die Kunstaktion mit dem Titel „DenkMal Nach“ jedoch auch richtig. „Von mir aus könnte das Reiterdenkmal ganz weg. Solche Standbilder sind aus der Zeit gefallen“, kommentiert ein Nutzer. „Tolle Aktion! Das ‚rote Tuch‘ wirkt und die Debatte ist voll im Gange“, schreibt ein User. „Wir können und wollen die Statue nicht einfach wortlos dort stehen lassen“, erklärte das Kunstkollektiv zum Projekt. (dpa/Nadja Pohr)

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