Günstige Produktion

Deutsche Heimat zu teuer: Daimler wandert immer stärker ins Ausland

  • Valentin Betz
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Für die E-Mobilität muss die Daimler AG viel Geld in die Hand nehmen. Dafür spart der Konzern an anderen Enden - zum Beispiel durch die Verlagerung der Produktion ins Ausland.

Stuttgart - Die Daimler AG hat inzwischen die Zukunftschancen der E-Mobilität erkannt und setzt deshalb immer stärker auf diese Technologie. Der Fahrzeughersteller aus Stuttgart hat allerdings noch einigen Rückstand auf die Konkurrenz und drückt deshalb mächtig aufs Tempo. Den Verbrenner verurteilt Daimler noch früher zum Sterben, als ursprünglich angekündigt.

Der Umstieg auf die E-Mobilität hat für die Daimler AG und deren Mitarbeiter Vor- und Nachteile. Während neue Strukturen entstehen, werden alte wegfallen. Das wird sich bei dem Konzern auch in Stellenabbau äußern. Der Wandel kostet Geld.

Im heimischen Baden-Württemberg ist das bereits zu spüren. Daimler baut sein Stammwerk in Stuttgart um, ein Campus für die E-Mobilität soll entstehen. Die dort ansässige Produktion verschwindet aber nicht einfach. Um Kosten zu sparen, verlagert die Daimler AG vieles davon ins Ausland. Ein Modell, das beim Konzern Schule machen könnte.

Ausland statt Baden-Württemberg: Daimler AG verlagert die Produktion für Fahrzeuge

Obwohl laut Vereinbarung im Stammwerk Untertürkheim bald Batterietechnik und Elektroantriebe erforscht werden, bedeutet es nicht das Ende der dortigen Produktion. „Wir haben in der Vereinbarung verankert, dass auch in Zukunft ein wesentlicher Teil der Antriebsaggregate aus Untertürkheim kommt – ob das konventionelle Antriebe oder Elektroantriebe sind, entscheidet die Nachfrage“, erklärte Betriebsratschef Michael Häberle der Stuttgarter Zeitung.

Daimler AG: Stuttgart bleibt die Heimat des Konzerns, aber die Produktion findet zusehends im Ausland statt.

Trotzdem: „Die Beschäftigung wird über die Jahre zurückgehen“, so Werkleiter Frank Deiß zur Stuttgarter Zeitung. Die damit verbundenen Folgen für die Mitarbeiter in Untertürkheim bringen aber auch Vorteile für den globalen Produktionsverbund der Daimler AG: Bereits im vergangenen Jahr hieß es, Daimler-Chef Ola Källenius prüfe die billigere Produktion im Ausland.

Laut Stuttgarter Zeitung lautet die Vorgabe: „Neue Produktionsumfänge werden eingehend hinsichtlich der Maximierung von Effizienz- und Rentabilität geprüft.“ Untertürkheim gilt als teurer Standort und hat deshalb in dieser Hinsicht nicht die besten Chancen. An Alternativen wird es jedenfalls nicht scheitern. Inzwischen hat die Daimler AG Standorte auf der ganzen Welt.

Ausländische Produktion der Daimler AG: Günstige Zulieferer und boomender Markt in China

Die günstige Produktion im Ausland hat laut Martin Schwarz-Kocher vom IMU-Institut in Stuttgart vor allem mit den Zulieferern zu tun. „Die Arbeitskosten bei Zulieferern in Polen entsprechen rund 25 Prozent des deutschen Niveaus. In chinesischen Fabriken fallen nur acht bis zehn Prozent der deutschen Arbeitskosten an“, so Schwarz-Kocher zur Stuttgarter Zeitung.

Besonders China wird für die Daimler AG zusehends attraktiver - nicht zuletzt, weil ein Großteil der Aktienanteile inzwischen dem chinesischen Konzern Geely gehört. Im Süden von Peking betreibt Daimler zudem mit dem chinesischen Partner BAIC das größte Montage- und Motorenwerk im globalen Produktionsnetzwerk, berichtet die Stuttgarter Zeitung. Mehr als 11.000 Beschäftigte arbeiten dort. Weil der chinesische Automarkt weiter wachsen wird, entsteht im Norden von Peking ein zweites Werk des Gemeinschaftsunternehmens. Beide Partner investieren dafür insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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