Joint-Venture „Cellcentric“

Daimler tut sich mit erbittertem Konkurrenten zusammen, um Wasserstoff-Revolution zu entwickeln

Daimler Truck AG und Volvo Group bekennen sich klar zur wasserstoffbasierten Brennstoffzelle –  Start des neuen Joint Ventures cellcentric
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Stuttgart und Göteborg: Das Joint Venture von Daimler und Volvo soll 2025 mit der Produktion von Brennstoffzellen beginnen.
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Die Daimler AG und Volvo sind eigentlich erbitterte Konkurrenten. Das Joint Venture „Cellcentric“ soll wasserstoffbasierte Brennstoffzellen für schwere Lastwagen zu produzieren.

Update vom 3. Mai, 12:40 Uhr: Schweden und das Schwabenland beheimaten jeweils einen weltbekannten Autohersteller. Die beiden eigentlich erbitterten Konkurrenten Daimler AG aus Stuttgart und die Volvo Group aus dem schwedischen Göteborg kündigten Anfang März ein gemeinsames Joint Venture an. Das Gemeinschaftsunternehmen der beiden Autokonzerne soll Brennstoffzellen für die schweren Lastwagen produzieren.

Laut einer Pressemitteilung der Daimler-Tochter Daimler Truck AG wurde der Grundstein für das Unternehmen „Cellcentric“ nun am 29. April offiziell gelegt. „Als Vorreiter der Branche haben die Unternehmen dabei ihr klares Bekenntnis zum Einsatz von wasserstoffbasierten Brennstoffzellen in Fernverkehrs-Lkw und darüber hinaus unterstrichen“, heißt es in der Mitteilung. Das Joint Venture habe das Ziel, der weltweit führende Hersteller für wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen für Fernverkehr-Lastwagen zu werden.

Die Daimler AG und die Volvo Group stellten Cellcentric in einer digitalen Veranstaltung vor. Laut Martin Daum, CEO von Daimler Trucks, und Martin Lundstedt, CEO der Volvo Group, soll das Unternehmen bereits im Jahr 2025 mit der Produktion beginnen. Das Gemeinschaftsunternehmen wird die Brennstoffzell-Systeme nicht nur entwickeln, sondern auch produzieren und vermarkten, heißt es in der Mitteilung. „Elektrische Lkw mit wasserstoffbasiertem Brennstoffzellenantrieb werden eine Schlüsseltechnologie für den CO2-neutralen Transport der Zukunft sein“, sagte Daum. „In Kombination mit rein batterieelektrischen Antrieben können wir unseren Kunden je nach Anwendungsfall so die besten lokal CO2-neutralen Alternativen anbieten.“

Erstmeldung vom 3. März: Stuttgart - Bei der Daimler AG aus der Landeshauptstadt Stuttgart wird sich schon bald einiges grundsätzlich verändern. Der schwäbische Konzern soll in zwei unabhängige Unternehmen aufgespalten werden. Während die Pkw-Sparte unter dem Namen Mercedes-Benz AG weiterhin Autos und Vans produziert und die E-Mobilität weiter vorantreibt, wird die Lkw-Sparte als Daimler Truck AG ebenfalls an die Börse gehen. Der Stuttgarter Autobauer setzt verstärkt auf die Produktion von E-Autos und kündigte für das aktuelle Jahr 2021 bereits drei neue E-Auto-Modelle der Baureihe EQ an. Daimler arbeitet daneben jedoch auch an einer längst vergessenen Alternative zum E-Auto.

Die Daimler AG gilt als Pionier bei der Brennstoffzelle, vernachlässigte diese Technologie jedoch zugunsten der E-Mobilität immer weiter. Bei den schweren Lkw, die zukünftig von dem abgespaltenen Unternehmen Daimler Truck AG gebaut werden, kommt jedoch eine Doppelstrategie aus Batterie und Brennstoffzelle zum Einsatz. Deshalb schloss sich der schwäbische Autobauer mit dem schwedischen Autobauer Volvo zusammen, um gemeinsam Brennstoffzellen zu entwickeln, wie das Handelsblatt berichtet.

Daimler AG: Konzern gründet mit Konkurrent Volvo neues Unternehmen „Cellcentric“

Bereits im vergangenen Jahr sagte Martin Daum, Vorstand der Truck-Sparte der Daimler AG, dass vor allem bei den schweren Lkw die Batterie nur die zweite Wahl sei. Auf langen Strecken, also 1.000 Kilometer und mehr, sollen zukünftig wasserstoffbetriebene Brennstoffzellen verwendet werden. „Je schwerer die Ladung und je länger die Distanz, desto eher wird die Brennstoffzelle das Mittel der Wahl sein“, sagte Daum bei einer Pressekonferenz im vergangenen Jahr. Die Daimler AG gründete deshalb am Montag, dem 1. März, ein Gemeinschaftsunternehmen, das zukünftig „Cellcentric“ heißen soll, wie Daimler Trucks und die Volvo Group mitteilten.

Die Brennstoffzellen-Aktivitäten der Lkw-Sparte der Daimler AG werden bereits seit Langem in der Firma Daimler Truck Fuel Cell zusammengeführt. Für rund 600 Millionen Euro kaufte die Volvo Group nun 50 Prozent der Anteile an diesem Unternehmen, wie das Handelsblatt berichtet.

Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen Brennstoffzellen für schwere Lastwagen entwickeln, die bereits in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts in Serie gehen sollen. In allen anderen Bereichen bleiben die Unternehmen aus Stuttgart und Göteborg jedoch weiterhin Konkurrenten, hieß es von den Konzernen. Daimler und Volvo hatten ihre Pläne für das Gemeinschaftsunternehmen bereits im April 2020 vorgestellt.

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