Überraschende Aussage

„Tesla frisst Daimler“: Aussicht auf Fusion macht Mitarbeitern Angst

  • Valentin Betz
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Die Daimler AG spaltet sich in zwei eigenständige Unternehmen auf. Kritiker sagen vorher, dass der Konzern dadurch anfällig für eine Übernahme wird. Tesla-Chef Elon Musk hatte schon Interesse bekundet.

Stuttgart - Die Daimler AG gab im noch jungen Jahr eine Entscheidung bekannt, die für ein großes mediales Echo sorgte. Der weltbekannte Konzern wird sich in zwei Unternehmen aufspalten. Die Pkw- und Van-Sparte soll als Mercedes-Benz AG weiterhin Autos in Stuttgart produzieren, während die Lkw-Sparte als Daimler Truck AG ihren Sitz in den Kreis Esslingen verlegt. Die Nachricht von der Spaltung löste bei den Mitarbeitern Sorgen aus. Einige befürchteten, das verkleinerte Unternehmen könne auf dem Kapitalmarkt geschluckt werden.

Durch die Spaltung der heutigen Daimler AG in zwei kleinere Unternehmen sehen einige Experten auch eine erhöhte Gefahr durch eine feindliche Übernahme. Schließlich sei es einfacher, ein einzelnes Unternehmen zu übernehmen, statt einem großen Konzern. Laut Daimler-CEO Källenius soll die Aufspaltung „vor feindlichen Übernahmen schützen“. Das könnte jedoch ein gefährlicher Irrtum sein.

Tesla-Chef Elon Musk hatte bereits im vergangenen Jahr eine mögliche Fusion mit dem Stuttgarter Autobauer nicht ausgeschlossen. Ein Analyst von LB Nord sieht ein solches Szenario jedoch als eher unwahrscheinlich an, wie er dem Schwäbischen Tagblatt sagte. Der Autoexperte hält einen Zusammenschluss mit BMW am wahrscheinlichsten. Laut ihm werde sich Tesla keinen Hersteller ins Boot holen, der noch auf den Verbrenner setzt. Eine Übernahme durch BWM wäre dagegen einfacher. „Die Familie Quandt [Hauptaktionäre bei BMW, Anm. d. Red. ] müsste nur ja sagen“, so der Experte.

Die Daimler AG baut ihr Angebot an E-Autos weiter aus. In Zukunft entwickelt der Fahrzeughersteller aus Stuttgart bei neuen Modellen immer zuerst die elektrische Variante. Mit dem Fokus auf Elektromobilität ist Daimler noch deutlicher zum Konkurrenten des US-Herstellers Tesla geworden.

Immer wieder muss sich die Daimler AG mit den E-Autos von Tesla messen lassen. Der Vorsprung des US-Herstellers war zeitweise so groß, dass ein hochrangiger Manager Angestellte mit der Aussicht auf eine Fusion beunruhigte. Auf der einen Seite: Die Daimler AG, die bis zu 30.000 Stellen abbauen will und Werke in Hambach und Berlin abstößt. Auf der anderen Seite: Der US-Konzern Tesla, der eine riesige Fabrik nahe Berlin baut. Also genau dort, wo Mitarbeiter in Daimler ältestem Werk um ihre Zukunft zittern.

Daimler in der Sackgasse: Fahrzeughersteller plant Tausende Entlassungen

Nicht nur die Daimler AG, auch andere, traditionelle Fahrzeughersteller hinken Tesla hinterher und versuchen vergeblich, aufzuholen. Doch der Vorsprung des E-Auto-Herstellers aus Palo Alto ist gewaltig, in einem Gastbeitrag auf n-tv titelte der ehemalige Chefsvolkswirt von BMW Helmut Becker sogar: „Tesla frisst Daimler“.

Tesla konnte zuletzt sogar einen Daimler-Manager für sich gewinnen. Der Leiter eines Daimler-Werks in Berlin zieht weiter zu Teslas kommender Giga-Factory. Doch Tesla-Chef Elon Musk sieht das Verhältnis zur Daimler AG offenbar weniger angespannt - und könnte sich sogar künftige Kooperationen vorstellen.

Daimler AG und Tesla: Fahrzeugkonzerne haben eine gemeinsame Vergangenheit

Dabei waren beide Fahrzeughersteller früher bereits enger miteinander vernetzt. Der Daimler AG gehörten einst zehn Prozent von Tesla. Die Aktien wären heute mehr wert, als der halbe Daimler-Konzern. Doch der damalige Daimler-CEO Dieter Zetsche stieß die Anteile wieder ab.

Heute sieht die Lage deutlich anders aus. Tesla ist dank des Trends der Elektromobilität der wertvollste Autobauer der Welt und hat einen Marktwert von rund 455 Milliarden Euro. Daimler kann da mit 60 Milliarden Euro nicht mithalten, ebenso wenig wie andere deutsche Fahrzeughersteller. VW führt die Liste mit 77 Milliarden Euro noch an, BMW liegt mit 44,5 Milliarden Euro schon hinter Daimler.

Trotz der klaren Machtverhältnisse will Tesla-Chef Elon Musk aber nicht auf Einkaufstour gehen. Das erklärte er laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) am Dienstag bei der Verleihung des Axel Springer Awards in Berlin. „Wir werden definitiv keinen feindlichen Übernahmeversuch starten“, so Elon Musk. Eine andere Variante kann er sich schon eher vorstellen.

Tesla-Chef Elon Musk schließt Fusion mit anderen Fahrzeugbauern nicht aus - auch mit Daimler AG

Wenn ein Konkurrent finden sollte, „dass es eine gute Idee wäre, mit Tesla zu fusionieren“, werde man darüber reden, so Elon Musk laut dpa. Elon Musk gibt sich womöglich nicht ohne Grund so diplomatisch trotz der offensichtlichen Vorteile von Tesla an der Börse.

Denn vor seinem Auftritt in Berlin wurde eine E-Mail bekannt, in der Elon Musk seine Mitarbeiter zu Sparsamkeit aufruft - gerade im Hinblick auf den Aktienkurs. Denn die hohe Bewertung an der Börse liegt vor allem daran, dass Tesla durch den Verkauf von CO2-Emissionsrechten Gewinne erzielt. Der tatsächliche Verkauf von E-Autos wirft noch wenig Umsatz ab.

„Die Anleger geben uns einen Vorschuss auf künftige Profitabilität. Aber wenn sie beschließen sollten, dass es nicht dazu kommt, wird unsere Aktie sofort zerquetscht - wie ein Soufflé von einem Vorschlaghammer“, zitierte der Finanzdienst Bloomberg aus der E-Mail von Tesla-Chef Elon Musk. Um die E-Autos von Tesla günstiger zu machen, „müssen wir smarter bei den Ausgaben werden“, betonte er. Tesla will in seiner neuen Giga-Factory in Berlin ab kommenden Sommer bis zu 500.000 E-Autos pro Jahr bauen und die weltgrößte Batteriefertigung einrichten.

Rubriklistenbild: © Federico GambariniFederico Gambarini/dpa

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